12.06.2013, Linz, Industriellenvereinigung, Bild zeigt Axel Greiner, Foto Alfred Reiter

© foto-reiter.com | A. Reiter

Interview
06/15/2013

„Unser Schiefergas nützen“

Der neue Vorsitzende der Industriellenvereinigung im Interview.

von Josef Ertl

Axel Greiner (47) wurde am Montag zum neuen Vorsitzenden der oberösterreichischen Industriellenvereinigung gewählt. Er studierte Chemie an der Universität Stuttgart und promovierte in Materialwissenschaft in Darmstadt. Er war von 2000 bis Ende 2010 Finanzvorstand der Greiner Gruppe, die ihren Sitz in Kremsmünster hat. Sie umfasst die Greiner Holding AG und die Greiner Bio-One International AG und beschäftigt weltweit mehr als 8000 Mitarbeiter an mehr als 130 Standorten in über 30 Ländern. Seit 2011 konzentriert sich Axel Greiner auf seine Funktion als Vorsitzender des Familiengesellschafterrates.

KURIER: Sie stammen aus dem Raum Stuttgart. Wie ist der Unterschied zwischen den Schwaben und den Oberösterreichern?
Axel Greiner: Ich bin nun schon seit 13 Jahren hier. Die unvoreingenommene Sichtweise ist schön langsam dahin. Wenn ich in den Ballungsraum Stuttgart oder in den Großraum München komme, fällt mir auf, dass alles extrem reglementiert ist. In Österreich kann man schon eine gewisse Freiheit genießen. Man verspürt hier eine gewisse Weite. In Österreich ist alles ein bisschen freundlicher und lockerer. Ich empfinde das als sehr angenehm. In Oberösterreich ist man aufgrund der guten Infrastruktur überall sehr schnell. In den Bergen, an den Seen etc. Man lebt hier in einem aufgelockerten ländlichen Raum, selbst im Zentralraum. Da ist schon ganz toll.

Gibt es Unterschiede in der Arbeitsmentalität?
Natürlich gibt es die kleinen Unterschiede. Aber im Wesentlichen verbindet die Menschen der Fleiß und der Wille, sich etwas aufbauen zu wollen. Das ist schon vergleichbar.

Wo wollen Sie Ihre Schwerpunkte setzen?
Ich will sie gemeinsam mit dem Präsidium und dem Vorstand erarbeiten. Wenn man neu in ein Amt kommt, soll man zuerst die anderen fragen, welche Vorstellungen sie haben.Wir benötigen einen Strategieprozess, um eine breite Basis für unsere Arbeit zu haben. Es kommen immer wieder die Themen der Reform des öffentlichen Sektors, Bildung, Ausbildung, Forschung und Entwicklung. Bei der Reform des Bildungssystems bedauere ich, dass sich die verschiedenen Fraktionen gegenseitig blockieren.

Können Sie Ihre Kritik konkretisieren?
Es sollten bereits die Kindergartenpädagoginnen in den Kindergärten damit beginnen, Freude an der Technik zu vermitteln. Damit das Technikbewusstsein in der Bevölkerung breiter wird. Derzeit ist ein sehr starker Wissensbereich ausgeklammert. Das Gleiche ist in den Volksschulen der Fall. Das Technische ist unterrepräsentiert. Ich habe das bei meinen Kindern erlebt. Wenn sie eine Fabrik malen sollen, malen sie eine Fabrik mit einem Schornstein. Dabei gibt es kaum mehr Schornsteine. Die Arbeitsplätze sind sehr sauber, auch sehr sauber und hell gestaltet. Dieses alte Bild finden wir leider noch in Fernost, wo die Arbeiter auch ausgebeutet werden. Dieses Bild haben wir längst überwunden. Es ist tragisch und erschreckend, wenn in Bangladesch so ein Fabriksgebäude zusammenstürzt. Das hat so viele Todesopfer gefordert. Und man muss sich vorstellen, unter welchen Bedingungen die Menschen dort arbeiten, nur damit wir billige T-Shirts kriegen. Das ist ein Wahnsinn.

Wie ist Ihre Meinung zur Atomenergie?
Als Naturwissenschaftler weiß ich, welche Prozesse ablaufen und was beherrschbar sein kann. Die Atomenergie ist eine extrem schwer beherrschbare Technologie.Ich bin kein Fan. Hin und wieder kommt es zu Unfällen, die Auswirkungen sind gravierend und furchtbar. Dass Österreich nicht auf die Atomenergie gesetzt hat, war sicherlich kein Fehler. Das heißt jetzt aber nicht, dass das, was in Deutschland derzeit abläuft, richtig ist. Der komplette Umstieg auf die Solar- und Windenergie bedeutet enorme Kosten für die deutsche Wirtschaft. Das beeinflusst auch uns. In Europa wird Energie aufgrund einer völlig verfehlten Energiepolitik extrem teuer. Das ist für uns in der Industrie ein Riesenproblem.

Sollte man Schiefergas nutzen?
Die Amerikaner tun das. Sie ziehen mit billigsten Energiepreisen Industrie an. Bei uns sagt man, das ist eine schmutzige Energie, die wir nicht wollen. Hier begehen wir den nächsten Fehler, anstatt darüber nachzudenken, auf das zu setzen, was wir können. Nämlich mit Ingenieurskunst andere Wege zu gehen, um das Schiefergas zu heben. Das ist schade. Ich bin sehr für Nachhaltigkeit, im ökologischen wie im ökonomischen Sinne. Wenn wir eine Energiequelle und tolle Ingenieure haben, warum sind wir dann nicht in der Lage, solche Themen aufzugreifen? Wir haben es ja in Österreich immer hingekriegt, es besser zu machen.

Experten sagen, dass die Anzahl und die Schwere der Unwetter aufgrund der Klimaerwärmung zunehmen.
Wir haben das Problem, dass wir aus den unterschiedlichsten Ecken die unterschiedlichsten Meinungen bekommen. Den Klimawandel gab es schon immer. Wir leben heute tatsächlich in einer Warmphase. Die gab es vor 5000 Jahren zum letzten Mal, da ist der Ötzi eingefroren worden. Mit diesem Thema wird sehr viel Politik betrieben. Das ist ähnlich wie beim Waldsterben, wo man vor 30 Jahren gesagt hat, Ende des Jahrhunderts wird kein einziger Baum mehr stehen. Gott sei Dank haben sich die Schwarzmaler geirrt.

Meinen Sie, dass sich nun die Schwarzmaler wieder irren werden?
Ich hoffe es. Man weiß es immer erst hinterher. In einem Bereich lässt sich sehr viel bewegen. Energie lässt sich einsparen. Sie ist teuer, damit lohnen sich auch die Einsparmaßnahmen. Hier ist sowohl bei den Privaten als auch in der Industrie ein großes Bewusstsein da. Damit können wir auch den -Ausstoss reduzieren. Das muss durch ein Anreizsystem geschehen und damit auf freiwilliger Basis. Wenn staatlich reguliert wird, haben wir sofort eine Lücke, wo sich Einzelne Vorteile holen, die ihnen nicht zustehen.
Zum Klimawandel. Europa ist in der Lage, sehr viel einzusparen. Wenn wir aber schauen, wie viel allein China pro Jahr zusätzlich in die Luft bläst, muss man verzweifeln. Was wir hier in Europa an Geld aufbringen, um den -Ausstoss zu reduzieren, dann ist das schon irre. Da wären andere Hebel in anderen Regionen viel effektiver. Damit landen wir bei der Diskussion, ob es dort nicht besser wäre, Atomkraftwerke aufzubauen.

Baden-Württemberg ist eine stark industrialisierte Region. Gleichzeitig hat das Bundesland nun einen Grünen Ministerpräsidenten und in Stuttgart einen Grünen Bürgermeister. Warum?
Grün wird heute nicht mehr als alternativ empfunden, sondern als etabliert. Ministerpräsident Winfried Kretschmann nimmt man eine gewisse Seriosität ab. Die Grünen sind keine Alternative mehr in der Art wie die Piratenpartei. Die CDU hat mit ihrem Vorgehen beim Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 sehr viele Sympathien verloren. Es ist tragisch, wie man das Gefühl für die Wähler verlieren kann. Die Stuttgarter sind nicht gegen das Projekt an sich. Das große Problem war der Umgang mit der Kritik am Projekt. Man hat zum Beispiel versucht, in Nacht- und-Nebel-Aktionen Bäume zu fällen.

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