Chronik | Oberösterreich
27.05.2018

Aufsteiger Vorwärts Steyr peilt Mittelfeldplatz an

Aufstieg in zweite Liga. Nach den Höhen in den 1980-er Jahren und dem darauf folgenden Konkurs ist Vorwärts Steyr in die österreichische Spitze zurückgekehrt.

„Gemeinsam ist Schritt für Schritt der Weg nach oben gelungen. Die Krisenjahre haben gezeigt, dass der SK Vorwärts Steyr eine große Anhängerschaft hat.“ Steyrs Vizebürgermeister Willi Hauser gehört als Schriftführer dem Vereinsvorstand an. Nachdem der Traditionsclub 1999 finanziell kollabiert ist und den Profi-Spielbetrieb einstellen musste, versuchte Hauser mit einem engagierten Funktionärsteam erste Hilfe zu leisten. „Ein Jahr lang wurde nur mit Jugendlichen gespielt. 2001 konnte der Verein dann in der 2. Klasse Fuß fassen.“ Nach 17 Jahren in den unteren Ligen wurde nun der Aufstieg in die zukünftige zweite Liga geschafft.

„Einerseits freue ich mich über den sportlichen Erfolg, andererseits muss der Einsatz nun noch größer werden, um über die Runden zu kommen.“ Speziell die Infrastruktur sowie die Parksituation gehöre ständig verbessert. Das Vorwärts-Stadion reiche zwar für die zweite Bundesliga, denn „es ist ein klassisches Fußballstadion ohne Laufbahn mit einem Fassungsvermögen von ca. 7500 Zuschauern“. Die Anlage verfüge aber über zu wenig Trainingsplätze. Die Spielgemeinschaft mit der ATSV Steyr, hier trainieren die rund 180 Jugendkicker des Vereins, hat Entlastung gebracht. Für Finanzreferent Roland Obermair ist diese Situation aber noch nicht befriedigend. „Wir brauchen in Steyr kein neues Stadion, allerdings eine Spielstätte mit ausreichend Plätzen, wo alle unsere Mannschaften trainieren. Dann kann wieder eine Vorwärts-Familie entstehen.“

Yusuf Efendigolu (li.) war mit 32 Treffern der Torschützenkönig.

Um investieren zu können, müsste der Vorstand die wirtschaftlichen Hausübungen machen, „also positiv bilanzieren und Reserven aufbauen. Derzeit gibt es keine konkreten Gedanken an einen Stadionneubau. In den nächsten drei bis fünf Jahren soll aber eine neue Trainingsstätte errichtet werden.“ Um die angespannte Parksituation zu entschärfen, denkt Präsident Reinhard Schlager an ein Park-and-ride-System. „Wir haben am Stadtrand einen großen Parkplatz. Fans könnten bei Spitzenspielen mit einem städtischen Bus zum Stadion gebracht werden.“

1988 gelang der Aufstieg in die höchste österreichische Liga, der damaligen ersten Division. Die Euphorie war groß und mit Oleg Blochin konnte ein großer internationaler Star verpflichtet werden. Im selben Jahr wurde Otto Baric Trainer. „Insgesamt waren es 46 Nationalspieler, die in Steyr gutes Geld verdient haben“, erinnert sich Schriftführer Hauser. „Damals war es noch leichter Sponsoren aufzutreiben, denn die Steyrerwerke haben Geld gegeben. Heute haben wir mit BMW und MAN zwei in Steyr angesiedelte Konzerne, die den Fußball nicht unterstützen. Ihre Zentralen sind weit weg.“ Seit einem Jahr gibt es in Steyr einen Wirtschaftsbeirat, der bereits erste Früchte trägt. „Hier haben sich Leute aus der Wirtschaft zusammengeschlossen. Wir merken, dass der Zuspruch vorhanden ist, allerdings eher bei Klein- und Mittelbetrieben“, so Finanzreferent Obermair. Das Budget für 2018/19 sei bereits freigegeben, erklärt Präsident Schlager. „In der Regionalliga hatten wir 800.000 Euro zur Verfügung. Für die zweite Liga wurde dieser Betrag um 350.000 Euro erhöht. Geplant wird mit einem Zuschauerschnitt von 1500-2000 Besuchern pro Heimspiel. Ein Profibetrieb in Steyr ist für den Präsident nicht denkbar. „Da müsste ein potenter Geldgeber hervortreten, der das derzeitige Budget verzehnfacht.“ Mit der Energie AG konnte bereits ein Partner gefunden werden, der den SK Vorwärts Steyr langfristig unterstützt, so Finanzreferent Obermair. „Wir werden weiterhin versuchen, größere Partner anzusprechen, die den Verein unterstützen.“ Für den Nachwuchsbereich könnten noch weitere Sponsoren hinzukommen.

Trainer Scheiblehner setzt auf den Nachwuchs

„Der Konkurs 1999 wurde über Jahre verschleppt und ständig neue Spieler gekauft. Der eigene Nachwuchs spielte kaum eine Rolle. Nun soll durch Spielerverkäufe von Eigenbauspielern Geld verdient werden.“ Für die kommende Saison in der zweiten Liga möchten die Vereinsverantwortlichen, dass die Mannschaft um einen gesicherten Mittelfeldplatz mitspielt. „Das derzeitige Team ist sehr gut und traut sich etwas zu. Wir wollen einen herzeigbaren Fußball spielen“, so Trainer Gerald Scheiblehner. „Wir arbeiten mit vielen jungen Leuten und Nachwuchsbetreuern, denen es um die Sache geht. In verschiedenen Förderprogrammen werden junge Spieler in die Kampfmannschaft integriert. Man muss Geduld haben.“ Das Trainingspensum wird trotz Aufstieg nicht verändert. Viermal pro Woche trifft sich die Kampfmannschaft ab 18.30 Uhr zum Training und am Wochenende wird gespielt. Der Verein baut auf einen reinen Amateurkader. Trainer Scheiblehner sieht dadurch keinen Nachteil. „Bereits in der Regionalliga Mitte gab es Mannschaften, die mit Profis spielten. Wir konnten stets mithalten.“ Der Verein sucht nun noch zwei bis drei Spieler, die zum Kader passen.