Aufregung um Ehrengast Pühringer

Landeshauptmann Josef Pühringer will den Ball wie jedes Jahr besuchen. © Bild: © PETSCHENIG PICTURENEWS.AT

SP, Grüne und Antifaschisten üben Kritik am Landeshauptmann: Der Burschenbundball sei Forum für Rechtsnationale.

JKU-Rektor Richard Hagelauer lässt sich vertreten.
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Große Aufregung gibt es um einen geplanten Auftritt Josef Pühringers am 11. Februar auf dem Linzer Burschenbundball. Den Stein brachte SP-Landesgeschäftsführer Christian Horner ins Rollen, als er kritisierte: „Es ist befremdlich, wenn ein Landeshauptmann solchen Ewiggestrigen die Aufwartung macht.“

Die Grünen halten es für „völlig unverständlich, dass der oberste politische Repräsentant des Landes einen deutschtümelnden Ball aufwertet“. Der Burschenbundball sei das Pendant zum Wiener WKR-Ball, gegen den es breite demokratische Proteste gibt.

Deutschnationale Funktionäre würden dort ihre Präsenz im öffentlichen Leben demonstrieren, empört sich auch Robert Eiter, Sprecher des oö. Antifa-Netzwerks: „Pühringers Besuch lässt ihn wie einen harmlosen Ball aussehen. Aus demokratischer Sicht ist das nicht zu tolerieren.“ Auf der Website des Balls wird auch der Rektor der Johannes-Kepler-Uni für die feierliche Eröffnung angekündigt. Richard Hagelauer lässt sich aber von Vizerektor Friedrich Roithmayr vertreten: „Ich würde blitzartig die Reißleine ziehen, gäbe es auch nur den Anflug von faschistischem Gedankengut.“

Absurde Vorwürfe

Absurde Vorwürfe Seit vergangenem Freitag wird öffentlich spekuliert, dass Pühringer die Festrede hält. Das dementiert VP-Landesgeschäftsführer Michael Strugl nun mit Verspätung. „Es ist absurd, dem Landeshauptmann Sympathie für rechtes Gedankengut vorzuwerfen“, kontert er. Ballobmann Ulrich Stockinger rechnet dennoch fix mit seinem Ehrengast: „Der Landeshauptmann wird traditionell einige Worte sagen und übernimmt auch den Ehrenschutz.“ Den Aufruhr versteht er nicht: „Die Vorwürfe entbehren jeder Grundlage. Das ist ein traditioneller Universitätsball, mit Politik hat das nichts zu tun.“ Die Grüne Menschenrechtssprecherin Maria Buchmayr hält das für eine Schutzbehauptung: „Jeder weiß, welchen ideologischen Hintergrund Burschenschaften haben. Der Ball mag unpolitisch sein, aber seine Funktionäre sind es nicht.“ Sie verlangt, dass Pühringer sich distanziert und seine Teilnahme absagt.

Heribert Schiedel vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DöW) differenziert: „Nicht jeder Burschenschafter ist ein Rechtsradikaler.“ Vielmehr beunruhigt ihn die ambivalente und teilweise affirmative Haltung zum Rechtsnationalismus. „Ich verstehe nicht, wie sich ein christlich-sozialer Landeshauptmann und angeblicher Patriot nach so einem antiösterreichischen Ball in den Spiegel schauen kann.“

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( Kurier ) Erstellt am 25.01.2012