AK-Präsident Johann Kalliauer

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Chronik Oberösterreich
04/06/2020

Arbeiterkammer beklagt zahlreiche Missstände in Firmen

Schutzbestimmungen für die Mitarbeiter werden oft nicht eingehalten, sagt Arbeiterkammer-Präsident Johann Kalliauer.

von Josef Ertl

Der oberösterreichische Arbeiterkammer- und ÖGB-Präsident Johann Kalliauer fordert klare Schutzbestimmungen am Arbeitsplatz und konsequente Anzeigen und Strafen bei Verstößen. Denn Dutzende verzweifelte Arbeitnehmer würden sich täglich an die Arbeiterkammer  wenden, weil es keine Schutzabstände, keine Schutzausrüstung, keine Erlaubnis zu Home-Office, aber Covid-Infizierte im Umfeld gebe.

Drohung mit Rausschmiss

Die Beschäftigten würden auch mit dem Rausschmiss bedroht, sollten sie die Zustände nicht hinnehmen oder melden, sagt Kalliauer. Deshalb würde auch nur ein kleiner Teil der Missstände beim Arbeitsinspektorat angezeigt. Er kritisierte, dass die Bundesregierung zwar Abstände der Spaziergänger kontrollieren lasse, am Arbeitsplatz aber untätig bleibe. „Hier muss es klare Regeln geben, deren Einhaltung streng kontrolliert wird, sonst werden die Arbeitsplätze rasch zur Hauptinfektionsquelle für Corona.“

Auch viele positive Beispiele

Der AK-Präsident bedankte sich ausdrücklich bei allen Arbeitgebern, die die Gesundheit ihrer Beschäftigten ernst nehmen und kritisierte die vielen schwarzen Schafe, die den Gewinn voranstellten. In seiner Aussendung wurden einige Beispiele genannt: In einem Produktionsbetrieb kämen Arbeiter sich bei der Bedienung einer Maschine auf wenige Zentimeter nahe - trotz des gesetzlich geregelten Mindestabstands von einem Meter. Es gebe keine Schutzausrüstung, aber die Dienstanweisung, sofort die Maschine abzustellen, sollte das Arbeitsinspektorat auftauchen.

Keine Masken, keine Schutzbekleidung

In einem Modekonzern müssten Lagerarbeiten und Geschäftsumgestaltungen ohne Mundschutz, Hygienemaßnahmen und Mindestabstand durchgeführt werden. In einer Gesundheitseinrichtung seien weder ordentliche Schutzkleidung noch geeignete Masken ausgegeben worden, obwohl bereits mehrere Ärzte und Patienten am Coronavirus erkrankt seien.

Kein Abstand im Firmenbus

Ein Bauarbeiter klagte, er sei vom Chef gezwungen worden, mit Kollegen beengt im Firmenbus auf eine weiter entfernte Baustelle zu fahren, obwohl seine lungenkranke Frau zur Hochrisikogruppe gehöre. Eine große Firma in einem Bezirk mit sehr vielen Covid-Fällen versuche zwar, die Sicherheitsabstände einzuhalten, das sei aber nicht immer möglich und es gebe keine Desinfektionsmittel am Arbeitsplatz und auf den Toiletten, auch gereinigt werde nicht professionell.

Schwangere Frauen

In allen Bezirken gebe es schwangere Frauen, die Angst haben, zur Arbeit zu gehen, aber von den Vorgesetzten dazu gezwungen würden. Ein Arbeitgeber aus dem Bezirk Linz-Land sagte besorgten Mitarbeitern, die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsvorschriften sei ihm egal, die Arbeit sei zu machen.

Coronafall in der Post Zwettl an der Rodl

Kritik übt auch der ehemalige Gesundheitsminister Alois Stöger, der heute Nationalratsabgeordneter und Bezirksparteiobmann der SPÖ Urfahr-Umgebung ist. Am 28. März wurde im Postverteilerzentrum in Zwettl/Rodl ein Mitarbeiter positiv getestet. Das Brisante daran: Die restliche Belegschaft wurde weder getestet noch in Quarantäne geschickt – mit dem Argument der Bezirksverwaltungsbehörde, dass erst getestet würde, wenn Symptome auftauchen.

Immer mehr wurden krank

Im Laufe der Woche entwickelten jedoch immer mehr MitarbeiterInnen Symptome. Laut Auskunft der Gewerkschaft wurden erst nach Druck der Post auf die Bezirkshauptmannschaft Urfahr Umgebung alle MitarbeiterInnen getestet. Bei mehr als der Hälfte lieferte der Test ein positives Ergebnis.

Stöger kritisiert BH Urfahr-Umgebung

Stöger kritisiert die Bezirkshauptmannschaft: „Die Behörde hat hier völlig versagt. Warum waren die MitarbeiterInnen weiter im Dienst und wurden nicht in Quarantäne geschickt? Das ist fahrlässig.“ Die Post gilt als kritische Infrastruktur, die sichergestellt werden muss. Zudem sei hier nicht nur die Gesundheit der MitarbeiterInnen aufs Spiel gesetzt worden, sondern auch die der Bevölkerung. Stöger: „Wenn die Regierung von ‚Testen, testen, testen‘ redet, wie kann dann so etwas passieren? Die MitarbeiterInnen und die Bevölkerung wurden hier bewusst gefährdet. Ich erwarte mir eine umfassende Aufklärung von Seiten der Verantwortlichen.“

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