Chronik | Oberösterreich
01.10.2017

Almidylle und fossile Schätze

Rußbach am Pass Gschütt – Tor zum Salzkammergut, Grenzgemeinde Oberösterreich-Salzburg.

Eingebettet zwischen Dachstein und Wolfgangsee gibt es ein besonderes Juwel aus dem Naturschatz Österreichs zu entdecken. Rußbach, auch "Tor zum Salzkammergut" genannt, ist der Ausgangspunkt. Über Jahrhunderte war hier die Staatsgrenze zwischen dem Erzbistum Salzburg und dem Kaiserreich Österreich, wie der ehemalige Volksschuldirektor Alois Brugger weiß.

Auf halber Höhe zwischen Rußbach und dem Gamsfeld, einem markanten 2000er-Gipfel, führt eine aussichtsreiche vierstündige Rundwanderung über blühende Almwiesen. Woher wohl der Name Rußbach stammt? Der Legende nach – so berichtet Bürgermeister Sepp Grasl – sollen die Wilderer von Rußbach ihre geschwärzten Gesichter im gleichnamigen Bach gewaschen haben. Wir verlassen jedoch den rauschenden Bach und folgen der Markierung 34 zur Traunwandalm. Bei jeder Gehpause gibt es faszinierende Ausblicke auf das Dachsteinmassiv und den Gosaukamm. Rasch sind die 600 Höhenmeter überwunden. Die weidenden Pferde genießen ihr Almleben und wälzen sich vergnügt im Gras. Immer auf gleicher Höhe zieht sich der Weg durch Almmatten und lichte Fichtenwälder über die Angerkaralm zur Rinnbergalm. Die Hüttenwirtin Hanni serviert die von ihr selbst erzeugten Köstlichkeiten. Neben Hirsch- und Schweinespeck kann sich der Gast an unterschiedlichen Käselaiben bedienen. "Esst so viel ihr wollt", so die Einladung der Gastgeberin. Eine besondere Art von Gastfreundschaft, die einen eigenen Besuch lohnt. Beim spätsommerlichen Sonnenschein erscheint die harte und entbehrungsreiche Arbeit auf der Alm in einem idyllischen und verklärten Licht.

Wieder am Dorfplatz von Rußbach angekommen, gibt es noch eine besondere Spezialität. Rußbach ist eine bekannte Fundstelle für Fossilien. Diese Versteinerungen entstanden vor vielen Millionen Jahren durch die Ablagerung von toten Tieren am Meeresgrund. Wolfgang Schwaighofer sammelt seit 50 Jahren bei der "Schneckenwand" und entlang von Bächen heimische Fossilien. Er führt uns durch das von ihm gegründete Mineralien- und Fossilien-Museum, das "Haus der 1000 Steine". Unzählige versteinerte Schnecken, Ammoniten und Korallen aus der Jura- und Kreide- und Triaszeit hat er hierher zusammengetragen, auch eine Auswahl an Mineralien aus der ganzen Welt. Wir erfahren zum Beispiel, dass die 240 Millionen Jahre alten Ammoniten die Vorläufer der heutigen Tintenfische waren und dass der Gosaukamm aus Korallen besteht. Wie recht hatte doch der Dichter Novalis: "Die Natur ist eine versteinerte Zauberstadt." So findet höchst lebendig – ganz und gar nicht wie ein Fossil – der Besuch in Rußbach seinen Abschluss.

Autor Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Pepimobil interessante Plätze der Kultur und Natur in Oberösterreich.