Ziegen des Bio-Hofs Wellinger

© Bio-Hof Wellinger/Gerhard Faktor

Chronik Oberösterreich
02/19/2021

Alles von der Ziege und noch viel mehr

Zwei junge Bauersleute haben mit Spezialisierung und Direktvermarktung einen Betrieb im Vollerwerb abgesichert. Von Gerhard Marschall.

Der Hanserl in Buch, so der Hausname, will gesucht werden. Ein paarmal links, ein paarmal rechts oder umgekehrt, je nachdem, woher jemand kommt. Doch die Menschen finden her. Es hat sich herumgesprochen, dass es hier allerhand Köstliches zu kaufen gibt. Ab Hof. „Das Feinste … natürlich BIO“.

Gleich ein doppeltes Qualitätsversprechen legen Karin und Josef Wellinger ab. Sie betreiben in der Ortschaft Unering, die zur Gemeinde St. Marienkirchen am Hausruck (Bez. Ried/I.) gehört, einen Bauernhof. Er ist einer von rund 180 Betrieben, die in der unlängst erschienenen Broschüre „Wie’s Innviertel schmeckt“ aufgelistet sind. Alle setzen auf Direktvermarktung.

Ziegen statt Kühe

Das Wellinger-Anwesen liegt abseitig, eingebettet in Innviertler Hügelland. Der Platz ist wie geschaffen für biologische Landwirtschaft, auf welche die Jungbauern bei der Hofübernahme 2007 umgestellt haben. „Unser Zugang war, dass wir den Betrieb im Vollerwerb führen möchten“, erzählt Josef Wellinger. Das sei mit Milchkühen in der damaligen Form auf Sicht nicht möglich gewesen. Man entschied sich für Ziegen. Der Verkauf der Milch sei kein Problem gewesen. Sie geht an die Andechser Molkerei in Bayern, die einen Großteil ihres Bedarfs in Österreich deckt. Doch das war nur der erste, einfachere Schritt. Die nächste Entscheidung war laut Wellinger logisch, aber schwieriger: „Wenn wir Ziegenmilch produzieren, müssen wir das Fleisch in der Gesamtheit vermarkten.“

Nur gutes Futter

Der Anfang war mühsam. „Ziegenfleisch hat bei uns keine Kultur, ist aber wieder im Kommen“, sagt Wellinger. Die Wiederentdeckung der Ziege ist begründet: Sie ist heikel, frisst nur gutes Futter, was sich in der Qualität von Milch und Fleisch niederschlägt. Nicht zufällig war das Osterkitz einst Festmahl. Also machten sich die Wellingers an das Fleisch. Nach und nach wurde es nicht nur per Kilo verkauft, sondern auf dem Hof auch verarbeitet und veredelt. Im neu errichteten Stall stehen rund 200 Muttertiere.

40 Hektar

2013 wurde in einen nach EU-Normen zugelassenen Schlachthof samt Verarbeitungsräumen investiert. Hier werden mittlerweile auch Einkünfte aus Lohnschlachtung erzielt. Was als Ziegenhof begonnen hat, ist längst zum Mehrspartenbetrieb ausgewachsen. Von einem Bauern in der Nachbargemeinde Hohenzell wurden Getreideflächen übernommen, insgesamt werden rund 40 Hektar bewirtschaftet. Die Produktpalette ist breit und vielfältig: verschiedene Sorten Speisegetreide und Mehle, Reis, Teigwaren, Müsli, Flocken, Brotbackmischungen.

Sodann gibt es im kleinen, aber feinen Hofladen klarerweise allerlei von der Ziege: Milch und Milchprodukte, Frischkäse, Würste, Rohschinken, Aufstriche und Pasteten, Fleisch sowieso. Die beiden Linien ergänzen einander, somit steht der Betrieb heute auf mehreren Beinen. Verkauft wird ab Hof, auf dem Bauernmarkt in Ried und St. Marienkirchen, per Versand, via Lebensmittelhandel nicht nur in der Region. Produkte vom Bio-Hof in Unering gibt es selbst in Wiens erstem Bezirk.

Viele Stammkunden

„Was wir tun, ist eine sehr persönliche Sache“, sagt Josef Wellinger. „Rund 80 Prozent der Abnehmer sind Stammkunden. Die Leute suchen Spezialitäten, die sie eigentlich nicht mehr bekommen. Das ist die Chance für die Direktvermarktung.“

Die Wellingers sind davon überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Und das, obwohl der Arbeitsaufwand groß ist und der bürokratische Aufwand beträchtlich. Langfristige Absicht war laut Karin und Josef Wellinger, Landwirtschaft auch für eine nächste Generation interessant zu machen. Ob das Tochter Katharina (12) oder Sohn Lukas (7) irgendwann so sehen werden, muss sich weisen.

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