Ein klassischer Assistenzarzt im dritten Berufsjahr kam bisher auf 4843,10 Euro, im neuen System darf er sich auf 6365,24 Euro freuen.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Gehaltskonflikt
12/21/2014

Ärzte wollen 1280 € monatlich mehr

Viele Primare im oberösterreichischen Zentralraum verdienen mehr als der Landeshauptmann.

von Josef Ertl

Der Gehaltsabschluss der Salzburger Kollegen befriedigt Oberösterreichs Ärztekammerpräsident Peter Niedermoser. Die 800 Ärzte in den Salzburger Landesspitälern erhalten eine Erhöhung der Grundgehälter von 13,8 Millionen Euro. Das sind rund 1230 Euro im Monat . Eine Erhöhung in dieser Dimension hat Niedermoser auch Landeshauptmann Josef Pühringer vorgeschlagen. Die Rede ist von 1280 Euro.

"Pühringer hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt", sagt Niedermoser im Gespräch mit dem KURIER. Oberösterreich habe einen Standortnachteil, es sei mit der Steiermark, Salzburg und Bayern mit Ländern umgeben, die für Ärzte wesentlich attraktivere Bedingungen bieten würden. Wenn Oberösterreich eine billige Versorgung wolle, werde es die auch bekommen. Es würde dann nicht mehr genügend Ärzte geben. Seit 2003 sei klar, dass die Maximalarbeitszeit von 72 auf 48 Wochenstunden gekürzt werden müssten. Oberösterreich habe bei Sozialminister Hundstorfer interveniert, um die Umsetzung der EU-Richtlinie zu verhindern. Pühringer habe nun zwar in den Verhandlungen gesagt, dass er ein neues Gehaltsschema vorlegen wolle. "Wenn ich aber nicht weiß, was da drinnen steht, kann ich nicht zustimmen", so Niedermoser.

Landeshauptmann Josef Pühringer spricht von "krassen Ungerechtigkeiten in der Gehaltsstruktur". Die Gehälter so mancher Primare stoßen ihm sauer auf. Da ist von 900.000 Euro die Rede, die der bestverdienende Arzt im Linzer AKH erhalten soll. Im Bereich der landeseigenen Spitalsholding gespag soll es 30 Ärzte geben, die mehr als der Landeshauptmann (rund 17.000 brutto, etwas mehr als 7300 Euro netto im Monat) ausbezahlt bekommen. Darauf angesprochen, argumentiert Niedermoser, dass von den Spitzenkräften auch Spitzenleistungen erbracht werden. "Es geht nicht darum Summen aus dem System herauszuziehen, sondern die Lage der Ärzte zu verbessern, dass sie hier bleiben."

Die Primare mit den höchsten Einkommen sitzen in Linz und Wels und sind in den Bereichen Orthopädie, Radiologie, Chirurgie und als Labormediziner tätig. Denn während der Anteil der Sonderklassepatienten in Oberösterreichs Peripheriespitälern wie Rohrbach oder Bad Ischl zwischen sieben und neun Prozent liegt, steigt er in Linz auf 15 bis 25 Prozent. "Ein Chirurg, der in Linz arbeitet, verdient das Doppelte bis Dreifache vom Kollegen an der Peripherie", erläutert ein Kenner.

Die guten Gehälter ergeben sich aus den Sonderklassehonoraren, also jenen Patienten, die über eine private Zusatzversicherung verfügen, und den Ambulanzgebühren. Deshalb gehören beispielsweise Unfallchirurgen zu den Besserverdienenden, weil die Patienten relativ häufig in die Ambulanz zur Nachbehandlung kommen müssen. Es gibt in der Ärzteschaft zwei Ungleichgewichte: Einerseits zwischen den Jungen und den Etablierten und andererseits zwischen den Fächern. So kommen beispielsweise Kinderärzte oder Psychiater nie auf die Einkommen ihrer Kollegen in der Chirurgie.Pühringer möchte die Honorare ähnlich wie in der Steiermark deckeln. Das, was über die Deckelung hinausgeht, sollte den jungen Ärzten zugutekommen. Dadurch könnten 70 bis 80 Prozent der 3300 Spitalsärzte zu höheren Einkommen gelangen. Die von der Ärztekammer verlangte 1280-Euro-Erhöhung würde für die Turnusärzte eine Verdoppelung ihres Grundgehalts bedeuten. Das Land würde die Lösung 60 bis 70 Millionen Euro kosten.

Mehr Geld für die Schwestern und Pfleger

Forderung.Es sind nicht nur die Ärzte mit ihren Arbeits- und Gehaltsbedingungen unzufrieden, sondern auch die Pfleger. Diplomierte Krankenschwester und Pfleger erhalten nach dem Ende ihrer dreijährigen Ausbildung 2000 bis 2200 Euro brutto pro Monat. Eine erfahrene 50-jährige Schwester erhält rund 2800 Euro. Die Schwestern und Pfleger führen ins Treffen, dass sie viele Tätigkeiten übernommen haben, die früher nur Ärzte gemacht hätten. Zum Beispiel den Patienten Blut abzunehmen, ihnen Fusionen zu verabreichen oder bei Operationen Assistenzen zu leisten. Ursache für die Übernahme dieser Tätigkeiten ist vor allem der Mangel an Turnsuärzten, der in den Landesspitälern bereits bei rund 150 liegt.

Weiters ist es aufgrund diverser Veränderungen zu einer Arbeitsverdichtung gekommen. "Die Schwestern und Pfleger managen alles", sagt ein Spitalsmanager. Obwohl sich die Aufenthaltsdauer der Patienten aufgrund der Spitalsreform von 285 auf 256 je 1000 Einwohner verringert hat, wurden im selben Zeitraum die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege von 9045 auf 9233 aufgestockt.

Neues Gehaltsgesetz

Der Landeshauptmann betont, dass im Vorjahr von den Sozialpartnern auf Bundesebene eine Gehaltslösung für 2015 gefunden worden sei. Diese werde in Oberösterreich genau eingehalten werden. Pühringer will im ersten Halbjahr ein neues Gehaltsgesetz sowohl für die Ärzte als auch für die Pfleger erarbeiten und im Landtag beschließen lassen.

Beim Pflegepersonal kommt als weiteres Argument hinzu, dass es in anderen Bundesländer besser bezahlt bekommt. So ist zum Beispiel ihr Gehalt in Niederösterreich um 400 Euro höher. Dies hat zur Folge, dass grenznahe Häuser wie das Landeskrankenhaus Steyr sich schwerer tun, entsprechendes Personal zu finden.

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