Chronik | Oberösterreich
26.08.2018

Achtes Weltwunder in Südtirol

Kloster Neustift. Probst Holzinger aus St. Florian ist Generalabt von Neustift

Ein erwartungsvolles Staunen erfasst den Besucher beim Betreten des Augustiner Chorherrenstiftes Neustift. Drei Kilometer nördlich von Brixen gelegen, ist es die größte Klosteranlage Tirols und ein bedeutendes spirituelles, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum. Von terrassenförmig angelegten Weinbergen umgeben liegt sie am Kreuzungspunkt zweier wichtiger Reise- und Pilgerrouten des alpinen Raums.

Vorbei an der festungsartigen runden Engelsburg betreten wir den ersten von insgesamt sieben Innenhöfen. Der Blick fällt auf den mit Fresken verzierten Wunderbrunnen. Bei der Erbauung des Klosters beginnend mit dem Jahr 1142 war man überzeugt, das achte Weltwunder geschaffen zu haben. Auf dem achteckigen Brunnen wurde daher neben den sieben antiken Weltwundern die Klosteranlage als achtes auf dem Brunnen dargestellt. Und das zurecht. Die Anlage ist einzigartig. Der Abt hat den Rang eines Bischofs und als Ordensoberen den Generalabt. Diese Funktion übt der Propst des oberösterreichischen Stiftes St. Florian, Johann Holzinger, aus. „Mehrere Male im Jahr besuche Ich Neustift. Für mich fängt hier der Süden an. Viele Treffen der Ordensmitglieder finden an diesem historischen Ort statt“, erzählt Holzinger.

Auf dem achteckigen Brunnen sind die sieben antiken Weltwunder dargestellt

Im 15. Jahrhundert waren dem Kloster 500 Höfe zinspflichtig. Heute sind 100 Angestellte tätig. Weitere Stationen des Rundganges sind der meditative gotische Kreuzgang, das Museum mit wertvollen Kunstschätzen und die Bibliothek. Ein Gesangsbuch mit Gesängen des gregorianischen Chorals, fast einen Quadratmeter groß, springt ins Auge des Besuchers. „In Handarbeit würde es vor fast 600 Jahren in sieben Arbeitsjahren auf Schafsleder gemalt. Das Gewicht beträgt 35 Kilo,“ berichtet der kundige Führer Benedikt. Abschluss und Höhepunkt des Rundgangs ist die Klosterkirche. Nach romanischen und gotischen Bauphasen erstrahlt sie jetzt in barocker Üppigkeit. Wie eine Vorhalle zum Paradies sollte sie für die Besucher wirken, so Benedikt. Und das tut sie tatsächlich. Andächtiges Staunen erfasst auch uns heutige Besucher. Im Klosterladen wenden wir uns wieder irdischen Genüssen zu und decken uns mit köstlichem Lagrein-Rotwein aus dem reichen hauseigenen Weinsortiment ein.

Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätze der Natur und Kultur.