Chronik | Oberösterreich
04.02.2018

Abnehmen: Kalorien-Tracking kann helfen

Der Vorteil der Tracker besteht im bewussteren Einkaufen und Essen.

Ich versuche, mich in meinen Beiträgen hier nicht zu wiederholen. Manchmal kann ich aber nicht anders, als ein Thema wieder aufzugreifen – so auch heute. Hin und wieder ist es beinahe unheimlich, wie sich dieselbe Fragestellung in verschiedenen Situationen innerhalb einer Woche mehrmals wiederholt. Würde ich an Astrologie glauben, würde ich meinen, dass Merkur im Kalorien-Haus steht.

Die heutige Problemstellung: Kalorien-Tracking. Ich habe Ihnen schon erzählt, dass ich bewundere, wie professionell KraftsportlerInnen nicht nur mit ihrem Training, sondern auch mit ihrer Ernährung umgehen. Seit dem vergangenen Jahr bekomme ich immer wieder Auszüge aus Dokumentationen durch Fitness-Apps zu lesen, wenn ich Beratungen durchführe. Zuerst war ich verwundert, aber dann ehrlich gesagt begeistert. Denn mittels Ernährungstracker kann man relativ leicht nicht nur seine Gesamtkalorienmenge sehen, sondern auch die Zusammensetzung der Makronährstoffe Kohlehydrat, Fett, Eiweiß. Dadurch können die meisten Fehler schon entlarvt werden.

Will man Gewicht verlieren, muss man logischerweise am Ende des Tages im Kaloriendefizit sein. Das kann durch verminderte Zufuhr und/oder erhöhten Verbrauch erreicht werden. Die Gefahr bei deutlich reduzierter Zufuhr liegt darin, dass Muskelmasse abgebaut wird. Außerdem neigt man bei massiver Kalorieneinschränkungen zu Heißhungerattacken, in denen man auf alles pfeift und weit übers Ziel hinausschießt. In dieser Woche hatte ich einen Kraftsportler zu Besuch, der sich ein Ziel gesetzt hat, dieses konsequent verfolgt und deshalb trackt. Ich hatte eine Bodybuilderin bei mir, welche ihr Körperfett immer weiter reduzieren wollte, davon schon hormonelle Störungen davontrug, und der ich beweisen musste, dass sie zu sehr im Defizit war. Und eine junge Frau zog mich nach einigen gescheiterten Diätversuchen zu Rate, weil sie sich ihren Grundumsatz schon ruiniert hat und vom Jo-Jo-Effekt verfolgt wird.

Ich kann behilflich sein beim Festlegen des Ziels und bei der Berechnung von Bedarf und Verbrauch, die Umsetzung unterliegt meinen Klienten. Ein wertvolles Tool für den Alltag können Kalorientracker tatsächlich darstellen. Einige seriöse und relativ unkomplizierte Apps sind kostenlos und auf alle Fälle einen Versuch wert, wenn Sie Sicherheit und Struktur in Ihre Nahrungsaufnahme bringen wollen: MyFitnessPal, Yazio, FatSecret, Lifesum oder Norm Coach nennen sich einige der populärsten.

Ich habe im letzten Jahr rein interessehalber einige Tage getrackt, um meinen Klienten guten Gewissens Empfehlungen geben zu können. Ein Vorteil ist, dass man viel bewusster isst und auch einkauft. Für mich persönlich war der Nachteil der Zeitaufwand.

Autorin Silke Kranz ist Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell und diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin