OÖ-WAHL: RUNDE DER SPITZENKANDIDATEN

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Oberösterreich-Wahl
09/26/2021

6,2 Prozent für Impfskeptiker: Viertel der Ungeimpften stimmte für MFG

In Oberösterreich fiel die Corona-Kritik von MFG jedenfalls auf fruchtbaren Boden: Das Bundesland liegt mit einer Durchimpfungsrate von 55,5 Prozent im Ländervergleich auf dem letzten Platz.

von Claudia Stelzel-Pröll, Petra Stacher

Die Homepage, die war mit der Vielzahl an Klicks am Wahlabend schwer überfordert: Stundenlang war die Internetseite der MFG nicht erreichbar.

Unübersehbar glücklich und stolz präsentierten sich dagegen Joachim Aigner, Spitzenkandidat der MFG, und sein Wahlkampfleiter Gerhard Pöttler, nach den ersten Hochrechnungen im Linzer Ursulinenhof.

Mit mehr als 6 Prozent hatte selbst innerhalb der jungen Partei niemand gerechnet. Freilich, die unlängst gegründete Plattform galt zuletzt als Geheimkandidat für den Einzug in den Landtag. Das liegt in ihrem (Kern-)Thema: MFG steht für „Menschen – Freiheit – Grundrechte“, ihren Wahlkampf bestritt die Partei vor allem mit dem Coronavirus. Genauer gesagt: Mit dem Kampf gegen eine Impfpflicht und eine Benachteiligung von Ungeimpften.

„Nein bleibt nein“, war im Wahlkampf auf einem der bekanntesten MFG-Plakate zu lesen. Daneben war eine Spritze abgebildet. Die Partei startete auch einen Aufruf an die Braunauer Bürger. Jene, „die von der Abriegelung im Bezirk Braunau in ihren Grundrechten direkt verletzt sind“, könnten sich bei MFG melden. Landläufig gilt MFG als Impfgegner-Partei.

Niedrige Impfquote

Ein Image, mit dem man bei MFG unzufrieden ist: „Wir sind keine Anti-Corona-Partei, und wir sind auch keine Impfgegner. Wir sind Impfzwang-Gegner“, so der 45-jährige Spitzenkandidat Aigner, der im Brotberuf Steuerberater ist.

Dennoch gesteht auch er ein: Ohne Corona wäre die Partei gar nicht gegründet worden.

In Oberösterreich fiel die Corona-Kritik von MFG jedenfalls auf fruchtbaren Boden: Das Bundesland liegt mit einer Durchimpfungsrate von 55,5 Prozent im Ländervergleich auf dem letzten Platz.

Vor allem die FPÖ, die als einzige etablierte Partei um Stimmen der Impfgegner wirbt, litt unter dem Antreten von MFG. Zusätzlich zur Landesebene kandidierte die MFG in 28 Gemeinden, die meisten davon befinden sich im Innviertel. Ausgerechnet dort, wo es auch die niedrigsten Impfquoten im Land gibt.

Am Wahltag stimmte dann rund ein Viertel der Ungeimpften für MFG, das ergab eine Wahltagsumfrage des Meinungsforschers Peter Hajek im Auftrag von ATV. 48 Prozent der Ungeimpften machten ihr Kreuzerl bei der FPÖ. Unter den Geimpften wählte nur ein Prozent die MFG.

Mit welchen Themen – abseits von Corona – will die Partei nun, da sie im oberösterreichischen Landtag vertreten ist, punkten?

Man fordert ein transparentes Gesundheits- und Sozialwesen. Zudem wolle man die Familie wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. „Wir wollen, dass Frauen die Möglichkeit haben, sich um ihre Kinder zu kümmern, und diese nicht gleich in Krabbelstuben abgeben müssen“, so Aigner unlängst in einem KURIER-Interview.

Für Kleinunternehmen wolle man eine Entlastung der Lohnnebenkosten. „Wir haben 100.000 Klein- und Mittelbetriebe in Oberösterreich, die sehr stark besteuert sind.“ Diese bräuchten wieder Planungssicherheit.

Strukturen schaffen

Jetzt geht es für MFG darum, möglichst rasch professionelle Parteistrukturen aufzubauen. Über solche verfügt man derzeit noch gar nicht. Den Wahltag verbrachten die Anhänger der Bewegung versprengt in kleinen Ortsgruppen, eine richtige Wahlfeier war gar nicht geplant.

Ob man sich der Verantwortung bewusst sei, den der Einzug in den Landtag mit sich bringe? „Natürlich sind wir uns dieser Verantwortung bewusst. Das hat man ja schon in unserem Wahlkampf gesehen“, sagt MFG-Wahlkampfleiter Gerhard Pöttler.

Er spricht von einem „geschichtsträchtigen Tag“: Noch nie in der Zweiten Republik habe eine Partei auf Anhieb den Einzug in den Landtag geschafft, sagt Pöttler. „Und das alles ohne großen Geldsponsor.“

Wie es nun weitergeht? Zuerst werde er „mit einem Glas Champagner anstoßen“, meinte Spitzenkandidat Aigner am Wahlabend. Da er Innviertler sei, „folgt dann das kühle Blonde“.

Übrigens: Dass die Abkürzung der Kleinpartei gleichzeitig das gängige Kürzel für „Mit freundlichen Grüßen“ ist, ist laut Spitzenkandidat Aigner keine Absicht. „Aber es ist ein netter Nebeneffekt.“

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