Sie diskutierten über die Vor- und Nachteile von Grenzen: Ernst Gelegs, Peter Huemer, Elisabeth Schweeger (v. li.) sowie Manuela MacedoniaThomas Macho (nicht am Bild).

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25 Jahre Mauerfall
11/09/2014

Plädoyer für Vielfalt und Akzeptanz

Der Eiserne Vorhang ist zwar Vergangenheit, doch in den Köpfen sind Grenzen geblieben.

von Josef Ertl

Schuld am Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs waren ein wirtschaftlich marodes Ungarn und ein österreichischer Pressefotograf." Ernst Gelegs, ORF-Korrespondent in Budapest, erläuterte in einfacher und doch beeindruckender Weise die historischen Ereignisse vor 25 Jahren, die zum Sturz der kommunistischen Diktaturen in Osteuropa geführt haben. "Ungarn konnte den Eisernen Vorhang nicht mehr finanzieren, er war löchrig, es gab dauernd Fehlalarme. Die ungarische Regierung sah nicht mehr ein, warum sie dafür zahlen sollte, um Bürger aus anderen Ostblockländern zurückzuhalten. Ministerpräsident Miklos Nemeth ist deshalb zu Michail Gorbatschow nach Moskau gereist, um ihn über den Abbau der Grenzanlagen zu informieren." Gorbis Antwort sei gewesen, "solange ich hier sitzen, wird es kein zweites 1956 geben". Ungarn habe im April 1989 mit dem Abbau der Anlagen begonnen. Der Wiener Pressefotograf Bernhard Holzer habe davon Fotos gemacht, die aber keine Zeitung abgedruckt habe. Erst als Holzner im Mai den damaligen Außenminister Alois Mock an die Grenze gebeten habe und dieser dazu auch den ungarischen Außenminister Gyula Horn eingeladen hat, sei dieses Foto der beiden beim Niederschneiden des Stracheldrahtzauns um die Welt gegangen. Daraufhin hätten sich Zehntausende DDR-Bürger zur Flucht über Ungarn in den Westen aufgemacht.

Grenzen & ihre Überwindung war der Titel der Podiumsdiskussion, zu der die Kulturdirektion, der Presseclub und das Kulturquartier aus Anlass der Gedenkjahres 2014 geladen hatten. Gelegs meinte, Grenzen seien a priori nichts Negatives, sie könnten auch Schutz sein. Es sei manchmal notwendig, Grenze zu setzen, zum Beispiel im privaten Bereich. Während Europa die Grenzen im Osten abgebaut habe, baue sie im Süden gegen die Flüchtlinge aus Afrika neue auf. "Das ist ein wirklich moralisches und politisches Problem", sagte Diskussionsleiter Peter Huemer.

Zwischen der Neuroinformationswissenschaftlerin Manuela Macedonia einerseits und der Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Schweeger und dem Berliner Kulturwissenschaftler Thomas Macho andererseits entwickelte sich eine inhaltliche Kontroverse. "Das Glorifizieren von Identitäten ist ganz gefährlich für die Zukunft Europas", warnte die gebürtige Italienerin Macedonia, der es "egal ist, welche Staatsbürgerschaft ich habe. Ich bin Europäerin."

Für den Berliner Macho hingegen sind Identitäten "etwas Schönes". Die Unterschiedlichkeiten der Länder, Kulturen und Sprachen seien "wunderbar". Ähnlich Elisabeth Schweeger: "Wenn wir uns die Unterschiedlichkeiten nicht gönnen, wird es langweilig auf der Welt. Es wird alles grau."

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