20-Tonnen-Felsen drückt auf Haus

Der rutschende Fels konnte stabilisiert werden
Foto: FF Bad Ischl

In Bad Ischl löste sich ein fünf Kubikmeter großer Steinbrocken und rutschte in ein Haus. Das Gebäude wurde evakuiert.

Die Mutter ist im Schlaf von einem Rumpler aufgeweckt worden. Und weil es ihr keine Ruhe gelassen hat, ist sie aufgestanden und mit der Taschenlampe ins Freie gegangen", erzählt Harald Rainer aus der Ortschaft Jainzen bei Bad Ischl. In der Dunkelheit konnte die Hausbesitzerin aber nichts Ungewöhnliches erkennen. Heidi Rainer ging zurück ins Bett und schlief weiter. "Erst als es draußen hell geworden ist, hat sie gesehen, was los ist. Mich hat dann mein Bruder informiert", erzählt der Sohn.

Gefahr

Nach heftigen Niederschlägen war in der Nacht zum Dienstag ein fünf Kubikmeter großer Felsen hinter dem Haus der Familie in Bewegung geraten. Er rutschte über einen steilen Abhang langsam auf das Gebäude zu, nahm Erd- und Geröllmassen mit und drückte mit etwa 20 Tonnen Gewicht gegen die Außenwand. Rainer: "Als wir das gesehen haben, war das ein Schock."

Das Haus musste evakuiert werden. Experten der Wildbachverbauung gelang es, mit Hilfe der Feuerwehr, den Hang und das Gebäude zu stabilisieren. Messungen bestätigten am Mittwoch dem Erfolg der Arbeiten.

"Wenn es in den kommenden Tagen zu keinen neuen Niederschläge kommt, sollte der Felsen nicht mehr weiter rutschen", erklärt Michael Schiffer, Gebietsleiter der Wildbachverbauung. Tritt das gewünschte Wetter ein, könnte die Familie Rainer zumindest mit einem blauen Auge davonkommen. Die Schäden am Haus sind nicht irreparabel, die Statik des Gebäudes gewährleistet. "Im Badezimmer sind Fliesen abgeplatzt, in der
Außenmauer Risse zu sehen und die Decke ist im hinteren Bereich bis zum Dachstuhl deformiert", erklärt Schiffer. Vorerst besteht aber keine Einsturzgefahr.

Die Bewohner dürfen allerdings nicht in ihr Heim zurück. "Das ist frühestens in ein paar Tagen möglich." Heidi Rainer zog bei einem Sohn ein, andere Familienmitglieder konnten sich bei Freunden einquartieren.

Sprengung

Die Einsatzkräfte waren bis Mittwochabend beschäftigt, das lockere Erdreich und lose Geröll händisch abzutransportieren. "Wir arbeiten in drei Schichten zu je zehn Mann", bestätigt Hermann Schachinger, Kommandant der Feuerwehr Jaizen. Heute Früh sollen die Arbeiten fortgesetzt werden, die mindestens noch die ganze Woche andauern. "Wir haben zurzeit alles im Griff." Als nächster Schritt steht die Zerkleinerung des riesigen Felsbrockens bevor. Schiffer: "Um Erschütterungen möglichst zu vermeiden, werden wir mit chemischen Quellmitteln explosionsfreie Sprengungen verursachen."

(kurier) Erstellt am
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