Chronik | Oberösterreich
31.01.2013

13-Jährige erhängte sich: Motiv war nicht Mobbing

Der Schuldirektor spricht über die Verzweiflungstat.

13-jährige Linzerin in den Tod gemobbt“, titelte die Kronen Zeitung am Mittwoch. Für die Eltern der toten Elisabeth aus Linz, die sich am Montag in ihrem Elternhaus das Leben genommen hatte, war dieser Vorwurf ein weiterer Tiefschlag.

Der KURIER sprach mit Otmar Hauhart, dem Direktor der Neuen Mittelschule, die Elisabeth besucht hat.

KURIER: Elisabeth wurde laut Medienberichten in Ihrer Schule in den Tod gemobbt. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?
Otmar Hauhart:
Die entbehren jeder Grundlage. Elisabeth war ein höfliches, liebes Mädel und sie hatte Freunde in ihrer Klasse. Das Mobbing ist in diesen traurigen Vorfall hineininterpretiert worden.

Wie erklärt man sich diese Verzweiflungstat einer so jungen Schülerin?
Dafür gibt es wohl keine Erklärung. Elisabeth war sehr krank. Sie litt an einer Hauterkrankung und wurde seit Jahren von Arzt zu Arzt gereicht. Sie hatte starke Schmerzen, musste Medikamente nehmen und war oft deprimiert. Dass es zu dem einen oder anderen Kommentar seitens der Mitschüler gekommen ist, kann ich nicht ausschließen, aber Mobbing war das sicher nicht.

Ist Elisabeth geholfen worden?
Die körperlichen Schmerzen kann ihr nur ein Arzt nehmen, aber für die seelischen Probleme hatte sie viele Einzelgespräche mit einer Betreuungslehrerin vom Sonderpädagogischen Zentrum und einer Sozialarbeiterin.

Wie haben die Eltern auf den Zeitungsbericht reagiert?
Sie wussten erst nichts davon, ich habe sie in meinem Büro aufgeklärt. Der Vater war in seinem Schmerz fürchterlich erzürnt. Er hat mir versichert, dass das definitiv nicht stimmt. Danach ist die Mutter in die Klasse gekommen und hat die Kinder vom Vorwurf des Mobbings entlastet. Sie sind außerdem zum Begräbnis eingeladen worden und planen, dort ein Lied für Elisabeth zu singen.

Wie geht es den Schülern?
Am Tag nach dem Selbstmord hat es lange Gespräche gegeben. Der psychosoziale Notdienst unterstützt sie jetzt bei der Aufarbeitung. Sie sind auf jeden Fall erleichtert, dass ihnen die Eltern nicht die Schuld geben. Für sie war es sehr belastend, so etwas in der Zeitung zu lesen.

Notruf für die Seele: Bei Problemen in der Schule oder schlicht für ein offenes Ohr kann man rund um die Uhr bei „Rat auf Draht“ anrufen: 147 (kostenlos aus ganz Österreich). Für Kinder und Jugendliche, die noch in der Pflichtschule sind, bietet der Landesschulrat in jedem Bundesland einen schul­psychologischen Dienst an. Die Kontaktdaten sind auf der Homepage des jeweiligen Bundeslands zu finden. www.landesschulrat.at