Integrationslandesrat Rudolf Anschober, Grüne

© honorarfrei/Josef Ertl

Flüchtlinge
12/25/2016

129 der 13.254 Asylwerber haben nun eine Lehrstelle

20 Prozent der Asylwerber sind Analphabeten. Integrationslandesrat Anschober: "Zusammenarbeit in der Betreuung funktioniert in OÖ gut".

von Josef Ertl

Derzeit haben österreichweit 300 Asylwerber einen Ausbildungsplatz als Lehrling. Davon sind 129 in Oberösterreich. Niederösterreich hat zehn. "Bei uns funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Stellen sehr gut. Die Wirtschaftskammer arbeitet engagiert mit, das AMS ebenso und die freiwilligen Helfer vor Ort", sagt Integrationslandesrat Rudolf Anschober im Gespräch mit dem KURIER. Die Freiwilligeninitiative Peuerbach hat beispielsweise allein zehn Lehrstellen vermittelt. Aktuell sind in Oberösterreich 13.254 Asylwerber in der Grundversorgung.

"Wir haben uns die Kompetenzen und Qualifikationen der Flüchtlinge angesehen. Wir haben überraschend viele gut Ausgebildete", sagt Anschober. "Aber 20 Prozent haben keine Alphabetisierung. Das wird eine Riesenaufgabe." Im Jänner wollen die Landesräte Michael Strugl, Thomas Stelzer und Anschober beraten, wie die Maßnahmen aussehen könnten. "Wenn wir die Leute ohne Ausbildung und ohne die Fähigkeit, lesen und schreiben zu können, belassen, bekommen wir ein Megaproblem. Sie werden nie richtig in die Gesellschaft hineinfinden. Wir müssen sie in jenen Bereichen qualifizieren, die gefragt sind. Das sind vor allem Facharbeiter." Integration nicht zu machen sei das Teuerste für die Gesellschaft. Wenn man das übersehe, komme das in zehn, 15 Jahren extrem teuer. Das könne man bei den Tschetschenen beobachten.

Zur Aussage des Wirtschaftsforschers Bernhard Felderer, dass die Flüchtlinge Österreich jährlich mehr als eine Milliarde Euro kosten, sagt der Landesrat: "Es ist unbestritten, dass da ein Investitionsbedarf da ist, der uns etwas kostet. Über Jahrzehnte wird sich das amortisieren, wenn wir es schaffen, in acht bis zehn Jahren 75 Prozent der Asylwerber in Arbeit zu bringen. Dann haben wir auch einen Return."

Das bedeutet umgekehrt, dass 25 Prozent im sozialen Netz bleiben. Anschober meint dazu, dass diese Ziffer von der Zahl jener abhänge, die in ihre Heimat zurückkehren möchten. "Das wird sich erst herausstellen." Es brauche einen Marschallplan, um die Region wieder aufzubauen.

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