Chronik | Niederösterreich
12.06.2018

Zusammenarbeit mit Atib funktioniert

Einst umstrittene Moschee in Bad Vöslau fördert jetzt das Miteinander in der Stadtgemeinde.

In Bad Vöslau (Bezirk Baden) wurde im Oktober 2009 die erste Moschee Niederösterreichs und die dritte in ganz Österreich eröffnet. Zuvor gab es zahlreiche Proteste von Bürgern und speziell FPÖ-Politikern. Die Moschee wird vom Verein „Türkisch-Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich“, kurz Atib, Bad Vöslau geführt. Bevor sie gebaut wurde, wurde ein monatelanges Mediationsverfahren zwischen Gemeinde und Verein geführt. Schlussendlich konnten die Streitpunkte beseitigt werden. Man fand gemeinsame Einigungen.

Neben baulichen Kompromissen – wie die verkleinerten Minarette von ursprünglich 25 Metern auf 13,5 Meter – haben die Gespräche auch zu einem Mitspracherecht bei der Wahl des Atib-Obmanns geführt.

„Seit der Mediationsphase leben wir miteinander, davor war es ein Nebeneinander“, sagt Bürgermeister Christoph Prinz, es gäbe ein geregeltes Verhältnis, bei dem man seit vielen Jahren gut miteinander auskomme.

Prüfverfahren

Während der Obmann alle zwei Jahre von Vereinsmitgliedern und der Gemeinde gewählt wird, wird der Imam von Atib bestellt, darauf habe man keinen Einfluss, sagt der Bürgermeister. „Alle Imame die bei uns waren, waren sehr aufgeschlossen und engagiert. Sie haben Deutsch gelernt und versucht sich in der Region zu integrieren. Bei uns gab es da überhaupt keine Probleme“, so Prinz.

Dennoch könnte dem Imam Nazim Tophan in Bad Vöslau die Ausweisung aus Österreich drohen. Er ist seit Herbst 2015 im Amt. Am Freitag gab die Regierung bekannt, 60 Atib-Imame ausweisen zu wollen, wegen dem Verstoß gegen das Verbot der Auslandsfinanzierung. Gegen 40 Imame in ganz Österreich wurde bereits ein Prüfverfahren eingeleitet. Ob bereits eines gegen den Prediger Nazim Tophan läuft, kann der Atib-Obmann von Bad Vöslau Akyuez Aydin auf KURIER Anfrage nicht beantworten. Auch eine Stellungnahme zu den aktuellen Ereignissen rund um den „Kampf gegen den politischen Islam“ der türkis-blauen Regierung will er nicht abgeben. Er betont aber, dass die Zusammenarbeit mit der Gemeinde in Bad Vöslau sehr gut ist. Der Verein hat in der nö. Gemeinde rund 150 Mitglieder. Zum Freitagsgebet kommen mehrere hundert Gläubige in die Moschee.

Selbst wenn der Imam noch nicht überprüft wird, wird es nach jetzigem Stand ein Verfahren geben. In Niederösterreich gibt es übrigens 14 Atib-Vereinsstellen.