Zeugen sagen: Angeklagter wollte, dass sie Granaten werfen

Landesgericht Krems: Das Urteil gegen den Finanzbeamten ist noch nicht rechtskräftig © Bild: KURIER/Gilbert Weisbier

Krems: Schwierige Zeugenvernehmung über Videokonferenz mit Israel

Anstrengend, aber ergiebig war der Mittwoch für Gericht und Geschworene beim Terrorprozess im Landesgericht Krems, den alle Beteiligten bei schwülem Wetter ohne Klimaanlage durchstehen müssen: Auch die Justizbeamten und Cobra-Polizisten in Schutzwesten und Sturmhauben.

Mit Hilfe einer Internet-Videoverbindung und bis zu drei Dolmetschern wurden zwei in Israel inhaftierte Männer als Zeugen befragt. Sie betätigten den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, wonach der 27-jährige Angeklagte wollte, dass sie vor der al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem Handgranaten auf Israelis werfen sollten.

Wie das Spiel "Stille Post" mutete die Zeugenbefragung am zweiten Prozesstag an: Die Vorsitzende richtete ihre Fragen an einen Arabisch-Dolmetscher im Saal, der sie an eine Übersetzerin in Israel weitergab. Die stellte die Frage dem Zeugen. Der antwortete dem ersten Übersetzer, welcher vom einem Hebräisch-Dolmetsch unterstützt wurde.

Kritik am Dolmetscher

Bereits am ersten Verhandlungstag hatten Mitarbeiter der Palästinensischen Vertretung in Wien den Eindruck, dass der Gerichts-Übersetzer nicht den palästinensisch-syrischen Dialekt spricht und Ausdrücke falsch übersetzt.

Auch, dass das Gericht die neunjährige Haft, zu der der Angeklagte als 14-Jähriger von einem Militärgericht in Israel verurteilt wurde, als quasi einschlägige Vorstrafe ansieht, erscheint dem palästinensischen Botschafter Salah Abdel Shafi nicht korrekt: "Die israelische Militärgerichtsbarkeit in den besetzten Gebieten hat keinen fairen Verhandlungsstandard, sie hält sich nicht an die Genfer Konvention. Die Verhandlungen laufen auf Hebräisch mit unzureichender Übersetzung ins Arabische", meint er.

( kurier.at ) Erstellt am 20.07.2017