Chronik | Niederösterreich
28.06.2018

Wissenschaft: Drohnen, die auf Wölfe schießen

Das Verhalten der Raubtiere soll bis 2021 am Truppenübungsplatz Allentsteig intensiv erforscht werden.

Die nach Österreich zurück gekehrten Wölfe haben eine heftige Debatte ausgelöst, in der inzwischen zwei Lager entstanden sind. Einerseits beklagt die Jägerschaft Schäden und gestresstes Wild, andererseits stellen die Raubtiere für Naturschützer und Forscher das natürliche Gleichgewicht wieder her. Ein neues Monitoringprojekt auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig in Niederösterreich soll jetzt diese und andere Fragen wissenschaftlich klären. Um Wölfe besendern zu können, überlegt man den Einsatz von speziellen Drohnen, die Betäubungspfeile verschießen, oder gedämpften Schlingenfallen.

Da es gleichzeitig um die Auswirkung der Wölfe auf das Wild im Truppenübungsplatz geht, soll bei Rot- und Schwarzwild (also Hirsche und Wildschweine) neben der Ortung auch die Messung der Herzfrequenzen erfolgen, um ihren tatsächlichen Stresspegel festzustellen.

Gefährdung

Positiv reagiert Christian Pichler, Wolfsexperte beim WWF Österreich, auf das geplante Monitoring. „Wenn es berechtigte Fragestellungen gibt, die man wissenschaftlich beantworten will, ist das eine gute Sache“, erklärt der Naturschützer. Er erhofft sich dadurch Antworten, um der Bevölkerung zu zeigen, wo und zu welcher Uhrzeit der Wolf unterwegs ist. „Wie nahe kommt er an die Siedlungen heran? Es ist beispielsweise völlig unbedenklich, wenn er in der Nacht einmal an einem Bauernhof vorbei geht“, erklärt Pichler.

Allerdings sei aus seiner Sicht das Besendern der Tiere schwierig, weil das Fangen eines einzelnen Wolfs in freier Wildbahn praktisch unmöglich sei. „In zwei bis drei Wochen wissen wir, ob es auf dem Truppenübungsplatz Jungwölfe gibt. Die werden wohl ab Herbst mit den Älteren im Rudel unterwegs sein. Da ist die Wahrscheinlichkeit größer, einen Wolf zu erwischen“, sagt Pichler. Er kennt ein Projekt in Slowenien, bei dem gedämpfte Schlingfallen zum Einsatz kommen. „Die Tiere werden dabei nicht verletzt und können besendert werden“, sagt Pichler. Am Truppenübungsplatz will man auch aus der Luft versuchen, einen Wolf zu fangen. Die entsprechenden, mit Betäubungsgewehren samt Zieleinrichtung ausgestatteten Drohnen müssen aber erst entwickelt werden.

Kritik

Mit dem rund 500.000 Euro teuren Projekt, das dem Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) an der Vetmed-Uni Wien zuerkannt wurde, reagiert man jetzt auf die Kritik aus der Jägerschaft. Sie fürchtet, dass eine wachsende Zahl von Wölfen die Wildbestände reduziert. Einzelne Jäger interpretieren Fälle, in denen neugierige Wölfe sich Menschen nähern, als Gefährdungspotenzial. Forscher wiederum erklären so etwas als natürliche Neugier ohne aggressiven Hintergrund.