Exportflaute in Niederösterreich: Ausfuhren sinken erneut
Maschinen und mechanische Geräte sind für Niederösterreich das wichtige Exportgüter.
In Niederösterreichs Exportwirtschaft ist der Wind rauer geworden. Nach vorläufigen Zahlen der Statistik Austria lieferten Unternehmen aus dem Bundesland 2025 Waren im Wert von 28,34 Milliarden Euro ins Ausland. Das sind um 310 Millionen Euro oder 1,1 Prozent weniger als im Jahr davor. Damit bleibt Niederösterreich zwar drittstärkstes Exportbundesland, die Ausfuhren verlieren aber an Dynamik.
„Unsere Exportunternehmen haben sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen als widerstandsfähig erwiesen“, betonen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Wirtschaftskammer-NÖ-Präsident Wolfgang Ecker und IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner. Gleichzeitig sei die Entwicklung ein Warnsignal: Geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und hohe Standortkosten würden die Unternehmen zunehmend fordern.
Wichtigster Handelspartner Deutschland
Der wichtigste Handelspartner Niederösterreichs bleibt weiterhin Deutschland. Waren im Wert von rund 7,4 Milliarden Euro gingen 2025 zum großen Nachbarn. Allerdings gingen die Ausfuhren dorthin um 3,3 Prozent zurück.
Besser entwickelten sich andere Märkte: Die Exporte nach Ungarn stiegen um 0,5 Prozent auf 1,86 Milliarden Euro, nach Italien um 3,7 Prozent auf 1,80 Milliarden Euro, nach Tschechien um 2,1 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro und nach Polen um 1,0 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.
Besonders stark traf die schwächere Handelslage die USA: Die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten sanken um 17,9 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro. Als Gründe gelten vor allem Unsicherheiten rund um Handelspolitik und Zölle.
Maschinen, Mechanik, Elektronik
Am meisten exportiert werden Maschinen und mechanische Geräte, gefolgt von elektrischen Maschinen und elektrotechnischen Waren, mineralischen Brennstoffen und Mineralölerzeugnissen, Kraftfahrzeugen sowie Teilen davon und Eisen- und Stahlwaren.
Während elektrische Maschinen und Waren aus Eisen oder Stahl zulegen konnten, mussten klassische Industriesparten Rückgänge hinnehmen. Die Ausfuhren von Maschinen und mechanischen Geräten gingen um 8,1 Prozent zurück, Kraftfahrzeuge und Teile davon verzeichneten ein Minus von 6,2 Prozent.
Chancen im Verteidigungsbereich
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sieht vor allem im Sicherheits- und Verteidigungsbereich Chancen für niederösterreichische Betriebe. Europa investiere angesichts der aktuellen Sicherheitslage massiv in diesen Bereich, heimische Unternehmen müssten davon stärker profitieren können.
„Unsere Betriebe verfügen über das Know-how und die Innovationskraft. Sie brauchen aber klare Rahmenbedingungen und einfachere Exportbestimmungen“, fordert Mikl-Leitner.
Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich; Niederösterreichs Landeshauptfrau, Johanna Mikl-Leitner und Kari Ochsner, Präsident der Industriellenvereinigung NÖ.
Zusätzliche Absatzmärkte
WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker setzt auf neue internationale Möglichkeiten. Vor allem neue EU-Handelsabkommen könnten niederösterreichischen Unternehmen zusätzliche Absatzmärkte eröffnen.
„Für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie Niederösterreich sind diese Abkommen eine Win-win-Situation“, sagt Ecker. Die Wirtschaftskammer unterstütze Betriebe bei der Erschließung neuer Märkte, internationalen Kooperationen und Geschäftsanbahnungen.
Auch der europäische Binnenmarkt sowie die wirtschaftliche Entwicklung in Südosteuropa bieten Chancen. Die geplante Expo 2027 in Belgrad könnte Niederösterreichs Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.
Potenzial Ukraine
Potenzial sehen Mikl-Leitner, Ecker und Ochsner auch beim Wiederaufbau der Ukraine. Trotz des Krieges stiegen die niederösterreichischen Exporte dorthin zuletzt um rund 26 Prozent.
Gerade in Bereichen wie Infrastruktur, Energie, Umwelttechnik und Industrie verfügen heimische Unternehmen über wichtige Kompetenzen. „Wir wollen unsere Betriebe dabei unterstützen, diese Chancen zu nutzen“, heißt es aus Land, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung.
Hohe Kosten, sinkende Margen, wachsende Unsicherheit
IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner warnt davor, sich vom vergleichsweise moderaten Exportrückgang täuschen zu lassen. Viele Unternehmen kämpften mit hohen Kosten, sinkenden Margen und wachsender Unsicherheit.
„Neue Märkte helfen nur dann, wenn Betriebe auch von Österreich aus zu wettbewerbsfähigen Bedingungen produzieren können“, sagt Ochsner. Gefordert seien daher vor allem geringere Bürokratie, leistbare Energie und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen.
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