Chronik Niederösterreich
12/05/2011

"Wir sind glücklich, da bleiben zu dürfen"

Mehr als nur einfach ein Kinderheim ist das Schwedenstift, das nach langen Diskussionen doch in Perchtoldsdorf bleibt.

von Markus Foschum

Drei Betten stehen in dem kleinen Zimmer. Trotz aller optischen Auflockerung mit Kuscheltieren, Bildern und bunten Vorhängen wirkt der Raum vor allem beengt. Erst recht, als Benjie mit seinem Rollstuhl herein geschoben wird. "Noch ein Bett geht beim besten Willen nicht mehr herein. Dabei müssten wir dringend Kinder aufnehmen. Die Warteliste ist lang", sagt Ulrike Götterer. Für die Leiterin des Kinderheims Schwedenstift in Perchtoldsdorf, ihre Mitarbeiter und Patienten sollte sich die Situation aber bald verbessern. Ein Neubau steht bevor.

Zwei Versuche, einen Bauplatz in Perchtoldsdorf zu finden, sind bereits geplatzt. Einmal am Widerstand der Anrainer, einmal an der zu nahen Bahn. Gestern Abend beschloss der Gemeinderat nun einen Grundstückstausch, der einen Neubau in Perchtoldsdorf ermöglicht.

"Wir sind glücklich darüber. Wäre das jetzt wieder gescheitert, wären wir wohl nach Gumpoldskirchen gekommen. Dort ist es auch schön, aber hier haben wir uns seit 90 Jahren integriert, haben 30 ehrenamtliche Helfer und kooperieren mit Schulen, Ärzten und Pfarren. Das müsste man anderswo erst wieder aufbauen", sagt Götterer. Dass es am geplanten neuen Standort in der Theresienau zu Problemen kommt, glaubt sie nicht: "Es ist vielleicht am Anfang nicht einfach, so viele behinderte Menschen zu sehen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass wir die Anrainer stören. Eine Wohnhausanlage erzeugt sicher mehr Lärm."

Künftige Nachbarn haben sich bereits im Heim gemeldet und informiert. "Jeder kann sich überzeugen, wie wir leben und arbeiten", lädt Götterer zum Besuch ein.

Platznot

Dabei ist das Landesheim in NÖ einzigartig. Nur hier werden immobile Kinder mit derart schweren Behinderungen betreut. Die Nachfrage ist größer als das Angebot. Für 45 Plätze ist das Heim ausgelegt, 50 Kinder werden bereits gepflegt. Mehr geht nicht. "Ein Neubau mit rund 70 Plätzen sollte reichen. Der Tod gehört bei uns dazu. Wir verlieren jedes Jahr zwei bist drei Kinder", sagt Götterer. So traurig jeder Verlust auch ist, die Arbeit macht viel Freude: "Wenn man hier einfach nur jobben will, geht man drauf. Wir nehmen die Kinder, wie sie sind und wollen sie nicht ändern. Man muss sehen, wo ihre Grenzen sind und was ihnen Spaß macht." Wenn alles gut geht, sollte das neue Heim in drei Jahren bezugsfertig sein.

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