Inventur im Urwald belegt riesigen Naturschatz
Seit über 6.000 Jahren unberührtes Waldgebiet: Rothwald im Weltnaturerbe Dürrnstein-Lassingtal.
Drei Jahre lang nahmen Wissenschafter aus verschiedensten Forschungsrichtungen das UNESCO-Weltnaturerbe „Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal“ genauer denn je zuvor unter die Lupe. Bevor nun am Wochenende der Saisonstart im Naturparkzentrum „Haus der Wildnis“ in Lunz am See steigt, untermauerten die Wissenschafter in einer Tagung die Einzigartigkeit und wertvolle Substanz der geschützten Urwaldregion eindrucksvoll.
Die Ergebnisse der „Naturrauminventur 2023-2025“ wurden Forschern, Behördenvertretern, Forstexperten und Fortwirtschaftern im Rahmen des „Tags der Forschung“ in Lunz präsentiert.
Ist-Zustand
Erhoben und dokumentiert wurde der Ist-Zustand der Vogelwelt, der Fischökologie in den Wildbächen, die hohe Zahl an noch vorhandenen holzbewohnenden Käfern, die Vegetation sowie generell die Fauna- und Flora-Lebensräume im Wildnisgebiet.
Das Fazit des vom Biodiversitätsfonds und der EU finanzierten Forschungsprojekts ist weniger überraschend als vielmehr beeindruckend, wie Christoph Leditznig, Leiter der Schutzgebietverwaltung im Wildnisgebiet, berichtet. „Der enorme ökologische Wert des Urwalds hat sich einmal mehr bestätigt“, schildert er. Dort gebe es eine ungeheure Vielzahl an Kleinstlebensräumen, in denen auch Kleinstlebewesen existieren.
„Das beginnt bereits bei Wassertropfen, die in Astgabeln hängen und in denen es Leben gibt“, so Leditznig. Die herausragende Stellung des seit mindestens 6.000 Jahren unberührten Urwalds „Rothwald“ zeige sich auch im Vergleich zu einem seit 200 Jahren von Menschen nicht mehr bewirtschafteten Nachbarwald. Leditznig: „Der Urwald ist noch immer ungleich hochwertiger und vielfältiger, obwohl der andere Wald ebenfalls bereits seit zwei Jahrhunderten ungenutzt ist“.
Vogelentdeckung
Eine zum Frühling passende und sehr markante Erkenntnis betrifft die Vogelwelt im Weltnaturerbe. Man hat an die 100 hier lebende Vogelarten registriert. „Das ist für ein Gebirgsgebiet sehr viel“, lobt Leditznig. Besonders gefreut hat die Ornithologen, dass mit dem kleinen Zippammer eine noch nie im Gebiet registrierte Vogelart gefunden wurde.
Besonders interessant ist der 140-seitige Bericht über das 7.000 Hektar große Welterbegebiet im Hinblick auf den Klimawandel. An die 10.000 teils uralte Bäume Dutzender Arten wurden registriert. Mit den neuen Basisdaten lässt sich erforschen, wie unterschiedlich Naturwälder und Wirtschaftswälder auf die Klimaerwärmung reagieren.
Klimaerwärmung
Die Waldinventur im Rahmen des Projekts wurde im Auftrag der Schutzgebietsverwaltung von den Bundesforsten durchgeführt. Deren Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz, Andreas Gruber, sieht gute Chancen, die in den Naturwäldern erlangten Erkenntnisse in den eigenen Betrieb einbinden zu können.
Forscher im Haus der Wildnis.
„Die Naturrauminventur liefert wertvolle Daten, die weit über das Wildnisgebiet anwendbar sind. Für die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder ist es entscheidend, natürliche Waldprozesse zu verstehen“, so der Forstmanager. Das Wildnisgebiet zeige, wie Ökosysteme ohne menschliche Eingriffe funktionieren.
Saisonstart
Pünktlich zu den Osterferien wird die Erlebniswelt des Urwalds auch wieder für Naturfans indirekt zugänglich gemacht. Da startet das 2021 eröffnete Weltnaturerbezentrum „Haus der Wildnis“ in die neue Saison. Weit über 100.000 Besucher haben sich in der interaktiven Ausstellungswelt bereits in die Geheimnisse des Wildnisgebiets einweihen lassen.
Virtueller Flug als Habichtskauz im Haus der Wildnis.
Weil der Rothwald als einer der letzten Urwälder Europas nur sehr eingeschränkt besuchbar ist, macht eine facettenreiche Ausstellung das Naturjuwel erlebbar. Beispielsweise mit einem virtuellen Flug des Habichtskauzes über den Urwald oder mit einem Besuch im 180-Grad-Kino. Hier sind Stimmungen und Ereignisse im unberührten Wald in allen Jahreszeiten zu erleben.
Öffnungszeiten
Die regulären Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Sonntag, 9 bis 17 Uhr. Während der Osterferien ist täglich offen. Am Dienstag, den 31. März, gibt es ein Spezialkinderprogramm zu Salamandern und Fröschen, am Donnerstag, den 2. April, zum Habichtskauz.
Kommentare