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Niederösterreich
07/10/2015

Wiener Umland ordnet Räume neu

In der boomenden Region rund um Wien gibt es neue Spielregeln für die Ortsentwicklung.

von Matthias Hofer

Das Wiener Umland ist die am stärksten wachsende Region Österreichs. Das birgt zunehmend Spannungen: Der stetig steigende Bedarf an Bauland verträgt sich nicht unbedingt mit der landwirtschaftlichen Bedeutung der Region – Stichworte March- und Tullnerfeld. Niederösterreich hat deshalb jetzt neue Spielregeln festgelegt.

Im Vorjahr zählte die Statistik Austria in den Regionen rund um die Bundeshauptstadt knapp 640.000 Einwohner. Experten gehen davon aus, dass im Großraum Wien in 15 Jahren rund drei Millionen Menschen leben werden. Landeshauptmann Erwin Pröll gab bereits vor Monaten die Parole aus: "Wir wollen nicht in die Situation geraten, dass das gesamte Wiener Umland verstädtert wird und so der Erholungscharakter kaputt geht."

Neue Regeln im Norden Wiens sollen dem nun vorbeugen. Das "regionale Raumordnungsprogramm" beinhaltet unter anderem 383 Siedlungsgrenzen – Achsen, an denen es für die Bauherren der Gemeinden heißt: Bis hierher und nicht weiter. Ein weiteres Zusammenwachsen der Ortschaften rund um Wien soll damit verhindert werden.

Die Grenzen sind Teil-Ergebnisse der 2013 gestarteten "regionalen Leitplanung". Und schon damals war klar, dass nicht alle Wiener Umlandgemeinden um jeden Preis wachsen können – auch wenn das für Bürgermeister aus Einnahmensicht verlockend ist.

"Gerade rund um Wien ist der Siedlungsdruck besonders hoch. Hier prallen viele verschiedene Nutzungen aufeinander – Wohnen, Wirtschaft, Landwirtschaft, Erholungsräume", sagt der für Raumordnung zuständige Landesrat Stephan Pernkopf. "Wir wollen in Abstimmung mit den Gemeinden leitend und lenkend wirken."

Vom Tullnerfeld bis zur slowakischen Staatsgrenze, zwischen Wienerwald, Donau und March wurden exakte Zonen festgelegt. Diese betreffen mehr als 2820 Quadratkilometer und 88 Gemeinden. 306.000 Einwohner müssen sich ab sofort an die rechtsverbindliche Regelung halten. Definiert sind:

- Wohnen: Exakt 383 Siedlungsgrenzen begrenzen das Bauland bzw. die Menge an Bauland in einer Gemeinde.

- Schützen: 309 Quadratkilometer sind als "erhaltenswerte Landschaftsteile" definiert – ökologisch und naturräumlich besonders bedeutende Landschaften, in den nicht gebaut werden darf.

- Erholen: Auf 99 Quadratkilometern wurden "regionale Grünzonen" an Gewässern festgelegt. Sie haben Naherholungscharakter (z.B. Rad-, Reitwege an Bächen).

- Abbau: Ebenfalls definiert wurden Eignungszonen für die Gewinnung mineralischer Rohstoffe (Sand,Kies).

Leitplanung

Diese in Österreich einmalige Leitplanung soll künftig Nutzungskonflikte verhindern. Für die Gemeinden bedeuten die Siedlungsgrenzen auch, dass bestehende gewidmete Bauflächen ausgeschöpft werden müssen. Vor allem Leerstände in den Ortszentren sollen so wieder attraktiviert werden. Pernkopf: "Durch die genauen Vorgaben können Widmungs- und Bauverfahren in den Regionen deutlich beschleunigt werden."

Die sogenannte „Regionale Leitplanung“ wurde im Bereich des nördlichen Wiener Umlands erstmalig durchgeführt. Dabei haben das Land Niederösterreich, die Region und die Gemeinden in Kooperation Ziele und Maßnahmen zur räumlichen Entwicklung erarbeitet. Dieses Instrument ist im neuen Raumordnungsgesetz des Landes verankert und soll eine enge Abstimmung aller Beteiligten gewährleisten. Landesrat Pernkopf über die Herangehensweise: „Das war ein innovativer Prozess, bei dem Gemeinden und Land gemeinsam eine Strategie der künftigen Raumordnung partnerschaftlich erarbeitet haben.“ Nach der regionalen Leitplanung im Nordraum Wiens läuft gegenwärtig auch ein derartiger Prozess im Bezirk Mödling.

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