Die scheidende Leiterin Hedwig Monetti

© Musikschule Kirchschlag

Chronik Niederösterreich
06/27/2019

Wie eine Musikschulleiterin ihre Abschiedsfeier sprengte

Jubilarin sorgte mit politischer Abrechnung vor 600 Gästen für Eklat - Bürgermeister überlegt rechtliche Schritte.

von Patrick Wammerl

Das hatten sich die 600 Besucher sicher anders vorgestellt. Das Passionsspielhaus in Kirchschlag in der Buckligen Welt war Mittwochabend zum Bersten voll, als den Zuschauern der Atem stockte. Die Abschiedsfeier für die nach 38 Jahren scheidende Musikschuldirektorin Hedwig Monetti endete in einem Eklat.

Die Trägerin des Bundesehrenzeichens verzichtete auf ihre ganz persönliche Ehrung und rechnete stattdessen in ihrer Abschiedsrede mit der Gemeindepolitik und ÖVP-Bürgermeister Josef Freiler ab. Weil es ihr bei dieser Art des Umgangs die Schuhe ausziehe, entledigte sich die Langzeit-Direktorin symbolisch ihrer Schuhe und verließ barfuß den Festsaal.

Bei ihrer Laudatio, gehalten von Dechant Otto Piplics, war sie gar nicht mehr im Saal. Die anschließende Ehrung samt geladener Festgäste fiel damit ins Wasser. Der Stadtchef überlegt wegen der öffentlichen Anschuldigungen nun sogar rechtliche Schritte.

Gut vernetzt

Monetti genießt als Vorstandsmitglied der Volkskultur NÖ und als Vorsitzende der Musikschulregion hohes Ansehen im Land. Wie viele andere rechnete sie vor ihrem Abgang damit, dass ihr eigener Ehemann, Thomas Monetti, sie als Leiter der Musikschule beerben wird. Doch es sollte anders kommen.

Die Gemeinde führte mit einer Personalberatungsfirma sowie dem Land im Februar eine öffentliche Ausschreibung samt Hearing für die Stelle durch. Nicht Monettis Ehemann, sondern ein wesentlich jüngerer Kollege war Bestgereihter.

„Ich selbst habe Mittwochvormittag von dieser Entscheidung erfahren, obwohl sie bereits seit Monaten fest steht. Es gibt eine Petition der Kollegenschaft für meinen Mann, aber diese wurde den Gemeinderäten vorenthalten“, prangert Monetti an.

Retourkutsche

Sie ist sich sicher, dass ihr Mann deshalb die Stelle nicht bekommen hat, weil er im Jahr 2000 als parteiloser Mandatar gegen die ÖVP im Gemeinderat auftrat. „Das war jetzt die Retourkutsche dafür. So wird man von der Politik hintergangen“, sagt die Langzeit-Direktorin zum KURIER. Seit ihrer Abrechnung habe sie viele Glückwunsch-Nachrichten für ihre „ehrlichen Worte“ bekommen.

Bürgermeister Josef Freiler ist genau so verdutzt wie viele andere der Anwesenden. „In den fünf Jahren seit ich Bürgermeister bin, hat sie sich nie über irgendetwas beschwert. Wir wissen ehrlich gesagt nicht, was sie da geritten hat. Aber sie hat sich mit einer einzigen Rede ihr Lebenswerk zerstört“, sagt Freiler.

Was die Bestellung des neuen Leiters betrifft, habe es ein absolut transparentes Verfahren gegeben. Der Vorwurf, dass der Stadtchef seit Monaten wüsste, dass Monettis Ehemann bei der Bestellung das Nachsehen habe, stimme nicht. „Ich lasse mir das nicht gefallen“, so Freiler.