© Theresa Bittermann

Chronik Niederösterreich
03/13/2020

Wie ein Wald zukunftsfit wird

Im Badener Stadtwald wird schonend, naturnah und im Zeichen des Klimawandels aufgeforstet.

von Theresa Bittermann

Die Vögel zwitschern, die Sonne blitzt durch die Baumkronen, mit knapp 20 Grad ist es sehr warm für einen durchschnittlichen Tag Anfang März – im kurzen T-Shirt geht Hermann Zimmermann, stellvertretender Stadtobergärtner aus Baden durch den Badener Stadtwald. Aus der Ferne hört man eine Motorsäge. Danach ein lang gezogenes Ächzen, ein Baum kracht zu Boden. Seit Mitte Jänner finden im Badener Stadtwald Forstarbeiten statt. „Wir machen hier keinen Kahlschlag, nur einzelne, ausgewählte Bäume werden entfernt. Wir roden den Wald also nicht, sondern wir pflegen ihn“, betont Andreas Kastinger, Leiter der Abteilung Stadtgärten. „Unser Wald ist ein Erholungsgebiet. Wir kümmern uns um seine Zukunft – ohne Profit als Ziel“, sagt er.

„Braune Flecken“

Vor Beginn der Arbeiten kreiste eine Drohne über den 192 Hektar großen Kurwald – diese Größe entspricht etwa der von 270 Fußballfeldern. Auf den Luftaufnahmen machte man „braune Flecken“ aus. „Wir entnehmen nur kranke Bäume. Die erkennt man eben zum Beispiel an den braun gefärbten Nadeln“, erklärt Zimmermann.

Das Besondere: keine Schnittmaschine wälzt sich durch den Wald. Stattdessen steht ein Seilkran auf dem Forstweg. Die gefällten Bäume werden dann über das gespannte Seil den Hang hinauf auf die Forststraße gezogen. „Weil keine schwere Maschine am Waldboden im Einsatz ist, wird der Boden nicht verdichtet und dadurch geschont. Das ist ganz wichtig für den Wald und die nachkommenden Bäume“, sagt Kastinger. Im Gegenteil, es tut dem Boden sogar gut. Werden die Bäume hoch geschleift, lockern sie dabei den Boden auf.

Lange Trockenperioden und hohe Temperaturen machen den Bäumen zu schaffen. Darunter leidet vor allem die Schwarzföhre. Der Borkenkäfer schlägt öfter zu und die Bäume sind nicht mehr so resistent. Die kranken Bäume müssten zum Wohl der gesunden weg. „Durch die Entnahme der kranken, absterbenden Bäume bekommen die gesunden mehr Licht und Luft“, sagt Zimmermann.

Alles Weitere überlässt man dann dem Lauf der Natur. Wenn wieder Platz ist und die Schädlinge nicht mehr durch die kranken Bäume angelockt werden, hätten junge Laubbäume das geeignete Umfeld um nachzurücken. „Der naturnahe Mischwald ist unser Wald der Zukunft“, sagt Kastinger.

Vielfalt ist die Devise

Sind die kranken Bäume im Badener Wald weg, geht das klimafreundliche Aufforsten in den nächsten Schritt. Mehrere kleine „Inseln“ wurden im Wald geschaffen. Dort werden neue Baumarten, die besser mit dem veränderten Klima zurechtkommen würden, in den Wald gemischt. „Das Ergebnis sehen wir dann in den nächsten Jahrzehnten. Beim Wald muss man in Generationen denken“, sagt Zimmermann.

Eine ähnliche Strategie verfolgt auch die Bundesforste, die ankündigt heuer 1,8 Millionen Bäume zu pflanzen. „So vielfältig wie möglich“, ist Devise bei der diesjährigen Aufforstung im Zeichen des Klimawandels. Über 40 verschiedene Baumarten werden in Österreichs Wälder gebracht. 12 Millionen Euro werden bundesweit investiert. Gepflanzt wird in 120 Forstrevieren von Wien bis Vorarlberg.

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