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Wie der Sandstrand nach Baden kam

Das Strandbad Baden feiert sein 100-jähriges Jubiläum. Mit dem Thermalbad wollte man einst Österreichs Grado werden.
Viele Menschen baden in einem großen Freibad, im Hintergrund stehen Bäume und ein historisches Gebäude mit dem Schriftzug „PLANADE“.

Mondän, das war vor mehr als 100 Jahren nur mehr die Architektur. Der Sommertourismus in Baden lag darnieder. Nach dem 1. Weltkrieg war man vom einstigen Status als Weltkurort so weit entfernt wie von den Stränden von Grado. Sommerfrische galt als antiquiert, man hatte mittlerweile andere Ansprüche. Und den Adel, der gerne in der Nähe der Kaiserfamilie urlaubte, gab es nicht mehr.

Doch die Stadtverantwortlichen rund um den damaligen Bürgermeister Josef Kollmann hatten eine Idee: Ein neues Strandbad, das in ganz Europa für Gesprächsstoff sorgen sollte. Eines, das alle Stückerl spielt. Denn Schwimmen, Sonnen und das Baden in warmen Sand war seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert schwer angesagt. Nicht umsonst waren die Badeorte der oberen Adria Sehnsuchtsziel der Erholungssuchenden. Der warme Sand, so hieß es, sollte Verspannungen lösen.

Strandfeeling

Nachdem auch das Wiener Gänsehäufel auf einen Sandstrand gesetzt hatte, wollte man in Baden um nichts nachstehen. „Der Strand in Kombination mit dem Schwefelwasser schien perfekt“, erzählt Kunsthistorikerin Elisabeth Hämmerle, die sich anlässlich des 100-jährigen Jubiläums in ihrem Buch „Thermalstrandbad Baden – Der Lido der Kurstadt“ der Geschichte des Bades gewidmet hat.

Mitte der 1920er-Jahre nahm also ein Strandbad-Komitee die Arbeit auf. Zuerst musste die Lage des neuen Bades geklärt werden. Infrage kamen ein Grundstück im Weilburgpark, eines im Doblhoffpark – und der heutige Standort.

Schließlich entschied man sich für das 24.486 Quadratmeter große Grundstück samt Villa und Park der Familie Bylandt-Rheydt an der Helenentalstraße. Auch, weil sich gegenüber das Sanatorium Esplanade von Victor Lacatos befand. Der hatte ein großes Interesse an einer neuen luxuriösen Badeanlage. „Das Ganze hat er Lido von Baden genannt“, erzählt Hämmerle.

Schon damals war klar, dass in der alten Villa ein Restaurant entstehen soll. Heute ist dort die Pizza-&-Pasta-Taverne untergebracht.

Ende 1925 wurde der Bau des Bades einstimmig beschlossen, zum Jahreswechsel wurde ein Ideenwettbewerb ausgerufen. Es gab strenge Vorgaben: So sollte etwa das Becken 100 Meter lang und 30 bis 40 Meter breit sein und der Strand 2.000 Menschen fassen können. Zudem war ein Kinderbereich vorgesehen, damit die Kleinen nicht mehr zur Erholung ans Meer geschickt werden mussten.

Eine Frau mit langen Haaren hält ein Buch vor einem historischen Gebäude mit sandigem Vorplatz und blauem Himmel.

In 80 Tagen zum Bad

Im April 1926 wurde mit dem Bau nach abgeänderten Plänen von Architekt Alois Bohn begonnen, am 23. Juli fand das dreitägige Eröffnungsspektakel statt. 150 Journalisten aus dem In- und Ausland kamen, rund 10.000 Besucher stürmten das neue Bad. Kosten ließ sich die Stadt das Projekt knapp 3,6 Millionen Schilling. Heute wären das rund 17,3 Millionen Euro. Als Sicherheit diente übrigens das gesamte Vermögen Badens. Das Interesse anderer Kommunen war groß – sogar in São Paulo, Brasilien, wurden die Pläne angefordert.

Der Bau selbst, erklärt Hämmerle, hatte in Zeiten großer Arbeitslosigkeit auch soziale und wirtschaftliche Effekte. So wurden nicht nur Badener Unternehmen beauftragt, am Höhepunkt der Baustelle waren sogar 2.500 Menschen beschäftigt.

Ein „Skandälchen“

Der Stil der neuen Badeanlage sollte jedenfalls an die mondäne Vergangenheit anschließen und in die Villengegend passen, weswegen er heute als neu interpretierter Klassizismus gewertet werden kann.

Im Hauptgebäude waren 800 Kabinen und rund 1.000 Kästchen untergebracht. Zwar schwammen Damen und Herren schon im selben Becken – etwas, das manche in Baden als Skandal betrachtet haben – aber die Umkleiden waren getrennt: Links der Damentrakt und rechts jener für die Herren. Am Strand gab es kleine gestreifte Zelte und es wurden bereits 100 Kabanen mit Markisen und Terrassen errichtet. „Umkleiden für die elitären Gäste“, erklärt die Kunsthistorikerin. Diese historischen Häuschen sind auch heute noch im Bad zu bestaunen. Das Wasser im Becken war eine Mischung aus Schwefelwasser und Wasser der benachbarten Schwechat. Und auch wenn damals von „Meeressand“, die Rede war: Bestellt wurden 150 Tonnen „Spezial-Quarzsand“ aus Melk.

Das Bad selbst war eine kleine Stadt. Neben Restaurant und einer Milchtrinkhalle gab es Massagen, einen Friseursalon, ein Fotostudio, eine Poststelle – und eine Polizeistation. Zudem konnten sich die Gäste Badekleidung ausleihen. „Der Großteil hatte das nicht“, erklärt Hämerle.

Eine Frau im Badeanzug und roter Badekappe steht mit ausgebreiteten Armen vor einem historischen Gebäude und Wasser.

Es wird zum Erlebnis

In den 1930-Jahren kam der Wunsch nach mehr Ruhe, Schatten und Sportanlagen auf. Das Bad wurde auf einem Teil des Weilburgparks erweitert. Auch weitere Kabanen entstanden. „Es war schon nach der ersten Saison klar, dass die Kabanen vergrößert werden müssen“, sagt Hämmerle. Heute gibt es 304. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Bad unbeschadet. Nur zwischen 1945 und 1947 war es gesperrt. Da durften es nur die russischen Besatzer und ihre Familien nutzen, wie eine Sonderschau im Rollettmuseum zeigt. Dort widmet man sich ebenfalls der Geschichte und sammelt noch bis Herbst Erinnerungen der Strandbad-Fans. Ab den 1960er-Jahren folgten laufend Renovierungen. So wurde aus dem Zehn-Meter-Turm ein Fünf-Meter-Turm. In den 90er-Jahren wurde das Strandbad zum Erlebnisbad samt Rutschen und neuem Kinderbereich.

Der mondäne Charme, der ist aber geblieben.

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