Klemens Trauner hat eine lange Titanschraube im Unterschenkel. Er war auf Rehabilitation in Bad Erlach

© Kokon

Chronik Niederösterreich
10/07/2021

Kinderreha: Wenn ein Foul das Leben verändert

Erste Erfolge mit der Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen nach Sport- und Freizeitunfällen.

von Patrick Wammerl

Ein böses Foul in der Nachwuchsliga, eine prekäre Landung beim Sprung mit dem Snowboard oder ein wilder Austritt mit dem Mountainbike: Komplexe Sportverletzungen oder Brüche haben oft schon in jungen Jahren eine angehende Sportlerkarriere vereitelt. Manchesmal leiden die Opfer sogar ihr ganzes Leben lang.

Eine frühzeitige Rehabilitation erhöht die Chancen für eine vollständige Genesung und die Chance auf die Fortsetzung der Sportlaufbahn ungemein. Während es bis jetzt Privatsache der Eltern war, sich für ihre Kinder um eine geeignete Physiotherapie nach Operationen umzuschauen, gibt es mit der Kinder-Rehaklinik Kokon in Bad Erlach nun erstmals auch einen offiziellen Rehaaufenthalt auf E-Card.

Zwei Jahre ist es her, dass das Kinder- und Jugendrehabilitationszentrum in Bad Erlach mit 114 Betten eröffnete. Therapiert werden beispielsweise Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, angeborene Fehlbildungen sowie Folgezustände nach Verletzungen oder Operationen. Die zweite Therapierichtung zielt auf neurologische Krankheitsfälle, wie angeborene Fehlbildungen des zentralen Nervensystems ab.

Mehr Lebensqualität

Spezialisiert hat sich das Team im Kokon auf einen bis dato völlig vernachlässigten Teil des Gesundheitssystems, nämlich die Mobilisation nach schweren Freizeit- und Sportunfällen. Und davon gibt es gerade bei Teenagern genug. „Viele Familien wissen gar nicht, wie positiv sich eine gezielte Rehabilitation auf die Lebensqualität auswirken kann – umso mehr, wenn sie möglichst zeitnah nach dem Krankenhausaufenthalt startet“, erklärt Anna Maria Cavini, ärztliche Direktorin in Bad Erlach.

Positive Beispiele gibt es bereits: Der 15-jährige Klemens Trauner aus Wiener Neustadt wird das Spiel wohl nicht mehr so schnell vergessen. Er zog sich bei einem Fußballmatch einen komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch zu. Ihm musste bei der OP eine 44 Zentimeter lange Titanschraube eingesetzt werden. Drei Wochen später kam er zur Reha nach Bad Erlach. Schon in den ersten Tagen verlor er die Angst davor, sein Bein zu belasten, nach zehn Tagen konnte er ohne Krücken gehen und auch Duschen und Stiegensteigen war wieder ohne Hilfe möglich. Mittlerweile kann er sogar wieder kicken.

Ähnlich ging es Andreas Fritz aus Neunkirchen. Ein schwerer Sportunfall warf den 16-Jährigen völlig aus der Bahn. Es war nicht sicher, ob sein linkes Bein jemals wieder die volle Funktionsfähigkeit erlangen wird. Das gezielte Training innerhalb des fünfwöchigen Aufenthalts im Kokon verfehlte seine Wirkung nicht, weiß Cavini.

„Andreas fehlte es vor seinem Reha-Antritt einfach an Vertrauen in seinen eigenen Körper, der Unfall hat schon starke Spuren hinterlassen. Heute ist er wieder ganz der Alte – fit, sportlich und immer unterwegs“, schildert Andrea, die Mutter des 16-Jährigen.

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