Skifahren im Flachland: Auf "der Goaß" im Weinviertel ist was los
Fritz Weiss ist Obmann des Hollabrunner Skiclubs und macht den Kindern Schnee, damit das Rodeln auf der Goaß möglich ist.
Zusammenfassung
- Fritz Weiss sorgt als Obmann des Hollabrunner Skiclubs mit Schneekanonen für Schnee am Fahndorfer Berg, damit Kinder rodeln und Skifahren können.
- Der Skiclub entwickelte das kleine Skigebiet seit den 1970ern stetig weiter, von einfachen Liften bis zur modernen Almhütte und Skikursen.
- Trotz technischer Fortschritte ist der Liftbetrieb stark vom Wetter abhängig und die Zahl der Lifttage schwankt erheblich.
"Ich bin heroben am Berg." Diesen Satz hört man von Fritz Weiss in den Ferien oft, wenn man ihn anruft. Weiss ist Obmann vom Hollabrunner Skiclub und der Mann, der es "auf der Goaß" schneien lässt. "Die Goaß" ist der Fahndorfer Berg, das kleine, feine Skigebiet im Bezirk Hollabrunn.
"Wir sind jeden Winter da, wenn es Schnee gibt", erzählt eine Mutter, die mit ihrer Familie zum Rodeln gekommen ist. Die Kinder sind begeistert, wenn sie mit Bob und Schlitten die Piste hinunter sausen. Die Väter kommen ins Schwitzen, wenn er den Schlitten wieder den Berg hinauf zieht. Die Lifte sind noch nicht in Betrieb. Fürs Skifahren liegt zu wenig Schnee. "Rodeln kannst immer", weiß der Obmann.
Kälte allein reicht für den Liftbetrieb nicht
Den Lift will Weiss erst anwerfen, wenn es 20 Zentimeter Neuschnee als Basis gibt. Die braucht es, damit das Skifahren möglich ist. "Allein mit der Kälte geht's nicht", weiß der gebürtige Oberfellabrunner. Es müsste schon mehrere Nächte 8 bis 10 Grad minus haben, um so viel Schnee produzieren zu können.
Fritz Weiss ist Obmann des Hollabrunner Skiclubs und ist voller Motivation dabei, wenn's darum geht, die Goaß zu beschneien.
Die Zeiten für den Liftbetrieb waren schon einmal besser: "2005 hatten wir 54 Lifttage. Das war unsere beste Saison", erinnert sich Weiss. In der vergangenen Saison waren es nur eineinhalb Lifttage. Das weiß der Obmann deswegen so genau, weil er ein Betriebstagebuch führt.
Die Bedingungen fürs Schneemachen müssen passen
Wenn das Thermometer Minusgrade anzeigt, wird er nervös und beobachtet es genau. Zeigt es minus vier Grad an, fährt Weiss auf die Goaß. Um vier Uhr früh, oder noch früher. Dann macht er Schnee. Wie das geht, weiß er ganz genau: Es muss nicht nur kalt, sondern auch trocken sein. "Bei Nebel kannst keinen Schnee machen."
Man muss auch zur richtigen Zeit aufhören, der Schnee braucht etwa eine Stunde, um zu trocknen, wie es in der Fachsprache heißt. „Das heißt, er muss gefrieren“, informiert der Schneemeister. Darum muss Weiss mit dem beschneien rechtzeitig aufhören, bevor der Betrieb auf der Piste beginnt.
"Wenn ich nicht aufsteh‘, dann haben die Kinder keinen Schnee. Das halt ich nicht aus.“
Obmann des Hollabrunner Skiclubs
Die Motivation des pensionierten Malermeisters ist ungebrochen: „Wenn ich nicht aufsteh‘, dann haben die Kinder keinen Schnee. Das halt ich nicht aus.“
Die Hollabrunner Hollabrunner Hautevolee und die Entdecknug "der Goaß"
Mit drei Schneemaschinen hantiert der Skiclub-Obmann, damit die Piste am Morgen weiß ist. Insgesamt hat der Skiclub fünf Schneekanonen zur Verfügung.
Das war natürlich nicht immer so: Die "Goaß" gibt es seit den 1970ern. "Die Hollabrunner Hautevolee wollte Skifahren. Der Oraberg hat ihnen nicht mehr gereicht", erzählt Weiss von den Anfängen. Der "Oraberg" war ein Feld bei Oberfellabrunn, das zum Skifahren genutzt wurde. "Es war zwar steil, hatte aber keinen Auslauf."
Also machten sich Armin Roth, Johann Toth und Leopold Vasak auf, um einen neuen Berg zu suchen - und fanden den Fahndorfer Berg. Mit Zustimmung des damaligen Bürgermeisters von Fahndorf wurde Wald gerodet, das Feld wurde gepachtet und der Skiclub gegründet. "Ich bin mit 19 Jahren Mitglied geworden. Ich hab mir gedacht, dass muss man ja unterstützen", erinnert sich der heutige Obmann.
Die Kiste mit den Bügeln für den Lift
Einen Lift gab es damals schon: "Das Seil war 80 Meter. Den Bügel hast du dir aus einer Kiste genommen und selbst eingehängt. Oben hast du den Bügel wieder in eine Kiste geworfen", schildert der Pensionist. War die Kiste voll, hat sie ein Skiclub-Mitglied wieder nach unten gebracht.
Später wurde nur durch Spendengelder ein dieselbetriebener Liftmotor angeschafft. "Das war 1978, da bin ich dann aktiv geworden." Schon damals war Weiss für den Schnee zuständig, wenn auch ganz anders. Schneekanonen gab es nicht, also haben die Bauern den Schnee aus ihren Höfen mit dem Traktor und Gummiwägen auf den Berg gebracht. "Wir haben den Schnee auf Planen geschaufelt und verteilt. Da hab ich mit geschaufelt."
Flutlicht und ein zweiter Lift
"Als Maler hast im Winter ja Zeit", erzählt Weiss, wie er sich die Zeit nehmen konnte. Beim Auf- und Abbau des Lifts hat er ebenfalls immer geholfen.
Bereits 1986 wurde ein zweiter Lift angekauft, weil "die Leute so lange Schlange stehen mussten". Ein Flutlicht für Lifttrasse und Piste gab es da längst. "Die Hollabrunner wollten unbedingt Skifahren, auch in der Nacht", muss Weiss lachen.
Was ihm zu schaffen machte: In den 1990ern sei es immer kalt gewesen, doch Schnee gab es nicht. "Das hab ich nicht ausgehalten", erzählt er, wie er den ersten Kostenvoranschlag für eine Schneekanone eingeholt hat. Da erklärten ihn die anderen Vereinsmitglieder noch für verrückt. 1999 holte er den zweiten Kostenvoranschlag ein: 1,1 Millionen Schilling kostete die Schneekanone, die der Verein ankaufte. Viel Geld für den Skiclub, der einen Kredit aufnehmen musste.
Mit der ersten Schneekanone wurde "kriminell beschneit"
Doch Weiss war gewieft: Als der damalige Landeshauptmann Erwin Pröll bei einem Termin im Schmidatal war, kam er dazu, erklärte ihm bei einem Achterl an der Schank das Vorhaben, zeigte den Kostenvoranschlag und ging mit der Zusage über 150.000 Schilling Unterstützung vom Land nach Hause.
"Wir haben kriminell beschneit", muss Weiss auch bei dieser Erinnerung lachen. Die Schneekanone war gekauft. "Armin Roth und ich haben sie händisch in Serpentinen den Berg hinunter gezogen, um ihn zu beschneien. Hinauf hat sie der Traktor gezogen."
Wenn auf der Goaß Schnee liegt, dann wird gerodelt.
"Die Goaß" ist langsam gewachsen. "Zuerst hatten wir nur ein WC für die Mädels im Wald. Da musste was geschehen." Also wurde eine kleine Hütte errichtet, mit WCs und Kantine. Wasser gab's am Berg nicht. Das Wasser für die Schneekanone kam aus einem Brunnen. Was tat der Skiclub also? "Wir haben das Wasser vom Strobl geholt", ein Wirtshaus in Oberfellabrunn. Der Skiclub hat immer erweitert, heute steht eine große Almhütte mit Panaromastube auf dem Berg.
Kathi aus Tirol bringt Kids das Skifahren bei
Sogar eine Skilehrerin aus Tirol gibt's auf dem Fahndorfer Berg. Bei Malerarbeiten unterhielt sich Weiss mit einem Mitarbeiter eines anderen Betriebs. Der erzählte, dass er eine Skilehrerin aus Tirol geheiratet hat: "Ich hab' gesagt, sie kann gleich bei uns anfangen", schmunzelt der Obmann. Und so gibt "die Kathi", Katherine Helldorff, bis heute Skikurse auf der "Goaß".
Warum wird das Skigebiet eigentlich "Goaß" genannt? Hier kann der Weiss aufklären: "Eigentlich ist es der Kuhstallberg, weil die Bauern früher ihre Kühe heraufgetrieben hatte. Wer keine Kuh hatte, hat die Goaß - also die Ziege - heraufgetrieben." Und weil Kuhstallberg ein zu langer Name für die Piste gewesen wäre und die Oberfellabrunner immer schon "die Goaß" gesagt haben, heißt nun auch das kleine Skigebiet so.
Der Obmann, der selbst nicht auf den Skiern steht
Kurioses Detail über den Meister des Schnees: Fritz Weiss gehört seit 1970 dem Skiclub Hollabrunn an, seit 2008 ist er Obmann. Da er so fleißig für Schnee sorgt, ist ihm ein Skiurlaub anderswo nicht vergönnt. Warum ihm das nichts ausmacht - abgesehen von der Freude, die er den Kindern bereitet? "Ich fahr' nicht Ski. Ich bin das letzte Mal in der Berufsschule auf Skiern gestanden."
Kommentare