© Getty Images/iStockphoto/DLMcK/iStockphoto

Reportage
12/29/2019

Weihnachten, das Fest der Müllberge

Für die Abfallwirtschaft sind die Wochen rund um das Weihnachtsfest besonders stressig.

von Marlene Penz

Lametta, Schneespray, Verpackungsmaterial – die Mülltonnen drohen nach den Feiertagen überzuquellen. In Wien fallen laut MA 48 in der Weihnachtswoche durchschnittlich 550 Tonnen Restmüll und 300 Tonnen Altpapier zusätzlich an. Das sind rund zehn Prozent mehr als sonst. Auch in Niederösterreich gibt es in dieser Zeit zwischen zehn und 15 Prozent mehr Müll – viel davon landet in der Müllverbrennungsanlage der EVN in Dürnrohr (Bezirk Tulln).

Eigentlich müssten die Züge zur Abfallverwertungsanlage stetig anrollen. Das tun sie aber nicht, da in der Woche rund um Weihnachten nur Montag (23. 12.) und Freitag (27. 12.) Werktage waren. „Bei uns kommen schon vor der Weihnachtswoche mehr Waggons gefüllt mit Müll an. Die Sammellager werden von den Müllentsorgungsbetrieben geleert, damit die einen Puffer haben, und wir füllen unsere Speicher auf“, erklärt EVN-Konzernsprecher Stefan Zach.

40.000 Kubikmeter

In den beiden Müllbunkern ist Platz für 40.000 Kubikmeter Restmüll – oder 70 Einfamilienhäuser. Für die 95 Mitarbeiter ist die Vorweihnachtszeit besonders stressig: Alle fünf Minuten landet ein neuer Container mit rund elf Tonnen Müll darin. Sie werden zweimal täglich mit der Bahn angeliefert, nur der Abfall aus der unmittelbaren Umgebung kommt per Lkw.

Die Bahncontainer werden am Kraftwerksareal von einem Lkw heruntergezogen, kommen in eine Entleerungshalle und dann durch eine Schleuse in einen der Vorratsspeicher.

Greiferkräne nehmen den Abfall – von der Christbaumkugel bis zur Matratze – im Hauptbunker auf und schmeißen ihn in eine von drei sogenannten Müllschurren. Von dort rutschen der Restmüll und der Hausrat auf den Verbrennungsrost, wo alles bei über 1.000 Grad verbrannt wird. Was übrig bleibt, läuft durch eine Magnetanlage, in der der Eisenschrott herausgeholt wird, den man wiederverwenden kann.

Das Rauchgas, das beim Verbrennen entsteht, wird einer Reinigung zugeführt. Dabei entsteht wiederum Gips, ein Rohstoff für die Bauindustrie.

„Wir verwenden den Müll als Kraftstoff, wir holen Energie heraus“, erklärt Zach.

Der gewonnene Strom reicht für 170.000 Haushalte. Zwentendorf sowie zwei Drittel von St. Pölten werden mit Fernwärme beliefert. Und mit dem Prozessdampf wird die Agrana in Pischelsdorf versorgt.

„Minen der Zukunft“

Außerdem bleibt in der Müllverbrennungsanlage eine gesteinsähnliche Schlacke zurück – bei einer Tonne Müll sind das rund 250 Kilogramm Schlacke: Diese wird in speziellen Deponien gelagert – die seien laut Zach mögliche „Minen der Zukunft“, denn in den Resten seien diverse wertvolle Stoffe enthalten. „Der Müll wird nämlich auf ein Zehntel seines eigentlichen Gewichts reduziert und die darin enthaltenen Schadstoffe werden zerstört“, sagt Zach.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.