Wasserrettung: Damit aus einem Sommertag kein Notfall wird
Rudolf Horvath verbringt seine Freizeit am Ratzersdorfer See. Er ist Mitglied der Wasserrettung.
Die Sonne scheint auf den Ratzersdorfer Badesee (Bezirk St. Pölten). Kinder lachen, springen von den Stegen ins Wasser und planschen am Ufer, während Schwimmer ihre Bahnen ziehen und Familien den Sommertag genießen. Während viele Besucherinnen und Besucher entspannen, sind einige besonders aufmerksam: Am Ufer haben Rudolf Horvath und seine Kolleginnen und Kollegen von der Wasserrettung alles im Blick.
Seit über 40 Jahren sorgt Horvath ehrenamtlich dafür, dass Menschen ihre Zeit am Wasser sicher verbringen können. Wer schwimmt zu weit hinaus? Wo braucht jemand vielleicht Hilfe? Gibt es eine Situation, die kippen könnte? „Die Herausforderung ist, dass man niemanden übersieht“, sagt Horvath.
„Bin hängen geblieben“
Seit 1983 ist er bei der Wasserrettung St. Pölten. Eigentlich begann alles mit einem Kurs: „Ich wurde damals zum Rettungsschwimmer ausgebildet und bin dann bei der Wasserrettung hängen geblieben.“ Was zunächst eine Ausbildung war, wurde zur Aufgabe, die ihn bis heute begleitet.
Wenn Rudolf Horvath nicht am Badesee im Einsatz ist, arbeitet er als Hardware-Ingenieur in einer großen Privatfirma. Seine Freizeit investiert er trotzdem seit Jahrzehnten in die Wasserrettung – nicht nur bei Einsätzen. Als langjähriger Funktionär im Landesverband gehören auch Sitzungen, Veranstaltungen und organisatorische Aufgaben dazu.
Wenn Hilfe gefragt ist
Gerade im Sommer sind die Dienste am Ratzersdorfer Badesee ein fixer Bestandteil seines Kalenders. An Wochenenden und Feiertagen steht Horvath gemeinsam mit seinem Team bereit. Vier bis fünf Personen sind pro Dienst eingeteilt, von 10 bis 19 Uhr beobachten sie das Geschehen am und im Wasser.
Oft sind es die kleinen Situationen, in denen Hilfe gefragt ist: Die Wasserretter übernehmen auch First-Responder-Dienste und versorgen etwa kleinere Verletzungen wie Schnitte. Was ihn nach mehr als 40 Jahren noch immer dabei hält? Vor allem die Menschen.
Keine Frage von Leistung
„Die Kameradschaft, die Freundschaften, die entstanden sind, und der Dienst mit anderen Personen motivieren mich.“ Dazu kommt die Gewissheit, etwas Sinnvolles zu tun. Als Rettungsschwimmlehrer gibt Horvath seine Erfahrung weiter und bildet neue Helferinnen und Helfer aus. Einen einzelnen Moment, der ihm besonders im Gedächtnis geblieben ist, kann er nicht nennen. Dafür waren es zu viele Jahre und zu viele Erlebnisse. „Es gibt einige solcher Momente – schwer, einen herauszupicken.“
Für Horvath ist Ehrenamt keine Frage von Gegenleistung. Wer anderen helfen möchte, findet darin etwas, das man nicht kaufen kann: Begegnungen, Gemeinschaft und das Gefühl, gebraucht zu werden. „Man bekommt immateriell sehr viel zurück.“
Bei der Wasserrettung Niederösterreich engagieren sich rund 1.600 Mitglieder, in St. Pölten sind es etwa 550. Nicht alle stehen regelmäßig im Einsatz, aber jene, die Dienst machen, sorgen dafür, dass ein unbeschwerter Tag am See auch sicher bleibt.
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