Wandern im Waldviertel: Neues Kompetenzzentrum geplant
Der Forellenhof liegt am Eingang zur Ysperklamm.
Dort, wo sich die einspurige Straße erst durch das dicht bewaldete Yspertal windet und schließlich vor dem Forellenhof endet, beginnt eine der beliebtesten Wanderrouten des südlichen Waldviertels. Auf einer Strecke von bis zu elf Kilometern lässt sich hier die Ysperklamm durchqueren. Vor allem Familien zieht es auf der Suche nach Abkühlung in Richtung der schattigen Stege entlang des Wassers.
Obwohl das südliche Waldviertel weder mit hochalpinen Gipfeln noch mit blumigen Almen aufwarten kann, hat Wandern in der Region eine lange Tradition, wie Thomas Heindl bei einem Pressetermin im Saal des Forellenhofs erzählt: „Das Yspertal war Gründungsmitglied der Wanderdörfer – das geht auf die 1950er Jahre, also die Nachkriegszeit, zurück.“
Bereits 1969 wurden rund 100.000 Nächtigungen in der Region verzeichnet. Viele kleinere Projekte haben seither dazu beigetragen, das Gebiet als Wanderregion zu entwickeln. Ermöglicht wurden sie maßgeblich durch das LEADER-Programm.
Rund 500 Projekte umgesetzt
Die Initiative der Europäischen Union stellt finanzielle Mittel bereit, um den ländlichen Raum zu stärken und sowohl Wirtschaft als auch Lebensqualität vor Ort zu verbessern. Welche Projekte gefördert werden, entscheidet vor allem die lokale Bevölkerung. Alle sieben Jahre wird dafür eine neue Strategie mit konkreten Zielen und Maßnahmen erarbeitet.
Die Zuständigen aus der Region bei der Präsentation der Pläne für die Wanderregion.
In Niederösterreich gibt es etwa 19 LEADER-Regionen, eine davon ist die von Heindl geführte Region Südliches Waldviertel-Nibelungengau. Seit 2002 wurden dort rund 500 Projekte umgesetzt und mit etwa 20 Millionen Euro gefördert. Allein rund drei Millionen Euro sind in den vergangenen Jahren in den Tourismus des südlichen Waldviertels geflossen.
Das Wandern sei ein „stiller Wirtschaftsmotor“, so Heindl. Für viele Betriebe – von Zimmervermietern über Urlaub–am-Bauernhof-Anbieter und Direktvermarkter bis hin zu Gasthäusern - sei er eine wichtige Einnahmequelle.
Auch Christina Martin, Bürgermeisterin von Kirchschlag und Obfrau der „Lebenswege“, sieht die Vorteile. Wanderer würden auf ihren Routen gerne heimische Produkte konsumieren. „Die wenigen Gasthäuser, die wir noch haben, werden gut besucht“, schildert sie. Es habe zwar eine Weile gedauert, mittlerweile hätten die Betriebe der Region den Wandertourismus jedoch für sich entdeckt: „Jetzt sehen sie es. Und jetzt wird etwas getan.“
Neues „enkerltaugliches“ Projekt
Tom Bauer ist Geschäftsführer der Destination Waldviertel und kommt direkt zum Punkt: „Wir werden nie die Pistenkilometer haben von Tirol oder Salzburg. Wir werden nie die Quadratmeter an Seen haben wie Kärnten.“ Die Region könne dafür andere Angebote bieten. An einem Neuen wird derzeit gearbeitet.
Unter dem Titel „Wald Zeit“ soll im südlichen Waldviertel unter anderem ein nach außen hin wahrnehmbares Wanderkompetenzzentrum entstehen. Zudem ist geplant, bereits vorhandene Wanderwege und Radstrecken begehbar beziehungsweise befahrbar zu machen.
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