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Zwischen Waffen und Wölfen: Der Truppenübungsplatz Allentsteig

Drohnen, autonome Systeme und neue Infrastruktur: Das Bundesheer investiert kräftig in seinen wichtigsten Übungsplatz im Waldviertel.
Austrian Armed Forces conduct military exercise at Allentsteig

Das im europäischen Vergleich kleine Bundesheer verfügt über einen großen Schatz, der im Waldviertel zu finden ist: Der Truppenübungsplatz Allentsteig (TÜPl) zählt zu den größten in Zentraleuropa.

Er umfasst rund 157 Quadratkilometer – das entspricht ungefähr der Fläche Liechtensteins. Das Straßennetz erstreckt sich über eine Länge von 700 Kilometern, die verwaltet und instand gehalten werden müssen. Insgesamt gibt es rund 200 Schießanlagen, die Jahr für Jahr von bis zu 100.000 Soldaten aus dem In- und Ausland genutzt werden.

Seit wenigen Tagen wacht ein neuer Kommandant über den Truppenübungsplatz. Oberst Konstantin Oberleitner, der selbst aus Allentsteig stammt, ist nun für den Betrieb auf dem riesigen Areal zuständig. Gemeinsam mit dem niederösterreichischen Militärkommandanten Georg Härtinger berichtet der Offizier über die Herausforderungen, die der neue Job mit sich bringt, sowie über große Pläne, die nun umgesetzt werden sollen.

Das Gespräch fand im Rahmen der Kooperation „Sicher. Niederösterreich“ im P3-TV-Studio in der Landeshauptstadt St. Pölten statt.

Neue Waffensysteme

„Sämtliche Truppen des Bundesheeres können am Truppenübungsplatz trainieren. Wir haben die Möglichkeit, mit allen derzeit verfügbaren Waffensystemen hier scharf zu schießen – und zwar bis zur Größe einer Brigade“, berichtet Oberleitner.

Weil sich das Bundesheer wieder stärker auf die Landesverteidigung konzentrieren muss, fließt nun auch viel Geld in den Ausbau des TÜPls. „Ein Schwerpunkt ist die Errichtung eines Kompaniestützpunktes im Raum Kühbach. Zudem wird der Übungsplatz auf neue Waffensysteme vorbereitet – etwa auf Drohnen oder autonome Systeme“, sagt der Oberst. Nachdem in den vergangenen Jahren rund 60 Millionen Euro in den Truppenübungsplatz investiert wurden, sollen in den kommenden Jahren weitere 50 Millionen Euro investiert werden.

Wolfspaar gesichtet

Doch der TÜPl ist weit mehr als nur ein militärisches Übungsgebiet, wie Härtinger betont.

„Er ist auch ein Naturjuwel“, so der Brigadier. Große Teile des Gebiets sind als Natura-2000-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Dort gibt es derzeit zwei brütende Seeadlerpaare. Auch Kraniche seien hier heimisch geworden.

Für viel Diskussionsstoff sorgt freilich der Wolf, der sich am TÜPl ebenfalls sehr wohlzufühlen scheint. „Der erste nachgewiesene Wolf Österreichs wurde tatsächlich am Truppenübungsplatz gesichtet“, erzählt Härtinger. Durch die militärische Nutzung sei das Areal für die breite Bevölkerung weitgehend gesperrt und damit ein idealer Rückzugsort für die Tiere. „Aktuell gibt es wieder ein Wolfspaar. Wir beobachten, ob sich daraus möglicherweise ein neues Rudel entwickelt“, sagt Härtinger.

Waldbrandgefahr

Ein Thema, das die beiden Offiziere derzeit bewegt, ist aber auch die aktuell sehr hohe Waldbrandgefahr. Das Problem ist bekannt, denn im März 2022 brannten rund 800 Hektar Waldfläche ab, Dutzende Feuerwehren standen im Einsatz. „Die besondere Herausforderung besteht darin, dass Teile des Geländes mit Blindgängern belastet sind. Deshalb können Feuerwehren nicht überall gefahrlos eingreifen“, erklärt Härtinger.

Das enorme Feuer habe zu einer kompletten Neuaufstellung der heereseigenen Brandschutzkräfte geführt. „Zusätzlich wurden splittergeschützte Löschfahrzeuge angeschafft – einzigartig in Österreich.“

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