Das Achterl Wein als wichtiger Wirtschaftsfaktor
Der Röschitzer Winzer Ewald Gruber empfing eine Gruppe bei der ÖWM-Weinreise und führte durchs Kellergewölbe, vorbei an den Sektflaschen, ins moderne Weingut.
Bei einem Achterl Wein wird in Niederösterreich vieles besprochen, vieles geklärt. Dass der Wein mehr als ein Getränk ist, sondern eine ganze Region belebt, das will Österreich Wein verdeutlichen und lud zu einer „Reise entlang der wirtschaftlichen Strahlkraft des Weins“ ein.
Konkret bedeutet das, dass die Weingüter Gruber in Röschitz (Bezirk Horn), Hindler in Schrattenthal, die Weinterrasse in Pulkau und die Öhlbergkellergasse in Pillersdorf (Bezirk Hollabrunn) bereist wurden. „Um die Wertschöpfung des heimischen Weins hautnah zu erleben“, wie Chris Yorke, Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing GmbH (ÖWM), die Journalisten in der Röschitzer Kellergasse empfing.
Weinwirtschaft schafft mehr als 68.000 Arbeitsplätze
Um die angesprochene Wertschöpfung belegen zu können, gab die ÖWM eine Wertschöpfungsstudie bei der Economica GmbH in Auftrag. „Die österreichische Weinwirtschaft sichert mehr als 68.000 Arbeitsplätze“, zitiert Yorke aus der Studie. In Niederösterreich sind es exakt 20.451 Arbeitsplätze, die durch die Weinwirtschaft gesichert werden; damit macht sie 2,5 Prozent der gesamten Beschäftigung aus.
Acht Meter unter der Röschitzer Erde wird der Wein in Holzfässern gelagert. "Das spart Energie", erklärt Winzer Ewald Gruber.
Insgesamt erwirtschaftet die österreichische Weinwirtschaft eine jährliche Bruttowertschöpfung von 3,8 Milliarden Euro. „Das ist fast ein Prozent der gesamten österreichischen Wirtschaftsleistung“, ist der ÖWM-Geschäftsführer stolz. Eine weitere wichtige Zahl kennt Yorke ebenso: Mit 1,2 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben trägt die Weinwirtschaft erheblich zu den öffentlichen Einnahmen bei. „Und das zu 95 Prozent mit kleinen Familienunternehmen“, spricht er von einer Besonderheit.
80 Hektar Weingärten und viel Tradition
Eine Stärke der österreichischen Winzer sei es, sehr umweltbewusst und nachhaltig zu produzieren. „Ein Viertel des Weinbaus ist in Österreich biologisch. Das ist eine der höchsten Raten weltweit“, schildert Yorke. Diese Zahlen und Fakten bekamen in der Kellergasse von Röschitz ein bzw. zwei Gesichter: Maria Wegscheider und ihr Bruder Ewald Gruber empfingen dort die Gäste. Die Geschwister bewirtschaften gemeinsam mit ihrem Bruder Christian Gruber das Weingut in dritter Generation. 80 Hektar Weingarten rund um die Weinbaugemeinde gehören den Grubers. Die Hauptrebsorte: der Grüne Veltliner.
„Ein Viertel des Weinbaus ist in Österreich biologisch. Das ist eine der höchsten Raten weltweit.“
ÖWM-Geschäfsführer
2012 haben drei der sechs Geschwister das Weingut übernommen, ein Jahr später auf biologische Landwirtschaft umgestellt. 60 Prozent des Gruber-Weins wird in 17 Länder exportiert. Das hätten sich die Großeltern des Trios sicher nicht träumen lassen, die haben mit 2,5 Hektar Weingärten den Grundstein gelegt.
CO₂-neutrale Baustellenfahrzeuge
Drei Presshäuser wurden von den Grubers unterirdisch verbunden und führen zum neuen, modernen Weingut, das zwar über der Kellergasse thront, von dort aus aber nicht zu sehen ist.
Der Gedanke der Nachhaltigkeit wurde hier mit Tradition und Moderne gekonnt verbunden. „Die Baugrube für diesen Raum wurde CO₂-neutral ausgehoben. Damit waren wir das erste Projekt in Österreich“, berichtet Ewald Gruber in einem Raum, der acht Meter unter der Erde liegt. Dort stehen die Weinfässer aus Holz. Die Baustellenfahrzeuge wurden nämlich mit sogenanntem Biodiesel, also Treibstoff aus Altöl, betankt. So, wie die Traktoren der Grubers.
Die Anlage, mit der die Trauben verarbeitet werden, macht es möglich, dass die Kellerarbeit von einer Person erledigt wird. „Es ist weltweit die zweite Anlage, die so funktioniert“, erklärte Ewald Gruber. Die erste Anlage wurde in Deutschland aufgestellt.
Platzprobleme gibt es nicht mehr
Das neue Weingut, das 2024 eröffnet worden ist, macht es möglich, dass „wir die gesamte Rotweinmenge an einem Tag einbringen könnten“, so der Winzer. Früher wäre das aufgrund der Platzprobleme nicht möglich gewesen. 25 Prozent der Fläche nehmen rote Rebstöcke bei den Grubers ein.
Anders ist es bei Alexander Artner, ein befreundeter Winzer aus dem Burgenland. Der 25-Jährige hat vor vier Jahren das elterliche Weingut übernommen. Fünf Prozent Grüner Veltliner wird angebaut („Das ist unser Hauswein“), der Fokus liegt aber klar auf dem Blaufränkischen.
In Österreichs Gastro wird österreichischer Wein ausgeschenkt
Mehr als die Hälfte des Weins wird in Österreich bei Mahlzeiten in Gaststätten und Veranstaltungen konsumiert. 90 Prozent des ausgeschenkten Weins stammen aus Österreich. Gastro und Beherbergung zählen also zu den Profiteuren der Weinwirtschaft.
Übernachten im Schrattenthaler Kellerstöckl
Wie das funktioniert, wurde in der Weinterrasse Pulkau beim Mittagessen veranschaulicht, später im Weingut Hindler in Schrattenthal, der kleinsten Weinstadt Österreichs. Dort kann im Weinviertler Kellerstöckl übernachtet werden. Die Winzer Rosi und Karl Hindler haben alte Presshäuser zu stilvollen Appartements umgebaut, sodass die Gäste direkt über dem alten Kellergewölbe übernachten können.
Weintourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Rund 653 Millionen Euro – etwa zwölf Prozent der gesamten Wertschöpfung, die durch den Wein in Österreich entsteht – entfällt auf diesen Bereich.
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