Waffenarsenal und Kinderpornos: Polizei gibt neue Details bekannt

Halbe Tonne Munition und über 100 illegale Waffen bei 81-jährigem Niederösterreicher sichergestellt. Er hatte seine Frau eingesperrt.
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Eine halbe Tonne Munition, mehrere Hundert Schuss- und Stichwaffen, Kriegsmaterial und Waffenzubehör: Nach dem KURIER-Bericht über das Waffenarsenal eines bekannten Buchautors und Ex-SPÖ-Politikers im nördlichen Niederösterreich hat die Landespolizeidirektion am Freitag weitere Details in dem Fall bekannt gegeben.

Ehefrau bedroht und eingesperrt

Mehrere Polizeistreifen waren am Montag um 19.15 Uhr zu dem Wohnhaus des 81-Jährigen ausgerückt. Seine Ehefrau hatte Alarm geschlagen, weil er sie bedroht und in einem Raum eingeschlossen hatte. Da auf den Mann 70 Waffen an der Wohnadresse registriert sind, war ein Großeinsatz die Folge.

Bei einer Hausdurchsuchung, an der das Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung, der Entschärfungsdienst (ESD) des Einsatzkommandos Cobra und weitere Spezialeinheiten beteiligt waren, wurden brisante Funde gemacht. Die Ermittler entdeckten im Obergeschoß und im Keller des Hauses "zahlreiche frei herumliegende Schusswaffen", so die Polizei. Wegen klarer Verstöße gegen das Waffengesetz bzw. das Kriegsmaterialgesetz wurde deshalb über Auftrag der Staatsanwaltschaft Korneuburg am 3. und 4. März 2026 das Anwesen intensiv durchsucht.

Sichergestellt wurden neben Waffen, Munition und Zubehör auch Datenträger. Diese werden vom Landeskriminalamt Niederösterreich gesichtet, "hinsichtlich strafbarer Handlungen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung“, wie betont wurde. Gemeint sind damit kinderpornografische Materialien, die nun ausgewertet werden.

Sichergestellt wurden auch diverse militärische Waffen wie das Maschinengewehr MG42 – im Zweiten Weltkrieg als "Hitlersäge" oder "Knochensäge" bezeichnet. Das Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) zog deshalb Spezialisten des Bundesheeres zur Klassifizierung der Funde bei.

Kein terroristischer oder religiöser Hintergrund

Der 81-Jährige gilt als Sammler mit einem Faible für Waffen. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf einen terroristischen oder religiös motivierten Hintergrund. Der Tatverdächtige ist Verfasser mehrerer Sachbücher, unter anderem über Waffensysteme sowie über das Bundesheer und die Bundespolizei. Dadurch hatte er für seine Recherchearbeit Ende der 1990er-Jahre nahezu uneingeschränkten Zugang zu militärischen und polizeilichen Einrichtungen – auch zu den Elitetruppen Cobra, Wega und Jagdkommando.

Gute politische Kontakte

Möglich wurde dies durch seine politischen Kontakte. Ein damaliger SPÖ-Minister soll ermöglicht haben, dass der Buchautor die Truppen auf Schritt und Tritt begleiten konnte.

Über den 81-Jährigen wurden ein Betretungs- und Annäherungsverbot sowie ein Waffenverbot verhängt. Der Mann wird nach Abschluss der Erhebungen der Staatsanwaltschaft Korneuburg angezeigt.

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