Waffenarsenal und Kinderpornos: Buchautor mit SPÖ-Vergangenheit im Visier

Brisanter Fund nach Fall von häuslicher Gewalt. 82-Jähriger hortete auch militärische Waffen. Gegen den bekannten Ex-SPÖ-Mann wird ermittelt.
Auch militärische Waffen wie das Sturmgewehr 77 wurden im Keller des Hauses in Niederösterreich entdeckt.

Ein Fall von häuslicher Gewalt, wie er leider täglich zigmal in Österreich vorkommt, hat Montagabend in Niederösterreich einen brisanten Kriminalfall ins Rollen gebracht.

Im Haus eines 82-jährigen bekannten Buchautors und mehrfach ausgezeichneten Ex-SPÖ-Politikers stießen Polizei, Staatsschutz und der Entschärfungsdienst (ESD) des Einsatzkommandos Cobra auf ein Waffenarsenal. Weil dabei auch Maschinengewehre gefunden wurden, die militärische Streitkräfte verwenden, wurden das Verteidigungsministerium und das Abwehramt eingeschaltet.

Kinderpornografische Materialien sichergestellt

Bei einer zweiten Hausdurchsuchung stießen Ermittler in einem Versteck des Hauses auf kinderpornografische Materialien. Es kam zur Sicherstellung, die Auswertung wird von Kriminalisten übernommen.

Die Einsatzkräfte waren am vergangenen Montag kurz nach 19 Uhr durch eine Anzeige der Ehefrau an die Adresse des Paares ins nördliche Niederösterreich ausgerückt. Weil der Mann legal, also mit behördlicher Genehmigung "eine größere Menge an Schusswaffen" an der Adresse eingetragen hat, schrillten bei der Polizei sofort die Alarmglocken.

Waffenverbot verhängt

Der 82-Jährige wurde wegen des angezeigten Übergriffs gegen seine Frau weggewiesen und mit einem Betretungs- und Annäherungsverbot belegt, außerdem wurde ein Waffenverbot ausgesprochen, bestätigt die Landespolizeidirektion Niederösterreich. Die Frau soll bei dem Vorfall nicht verletzt worden sein.

Was bei der anschließenden Hausdurchsuchung zum Vorschein kam, zog einen zweitägigen Polizeieinsatz auf dem Anwesen nach sich. Die Ermittler fanden derart große Munitions- und Waffenbestände sowie Kriegsrelikte vor, dass die Entschärfungsspezialisten der Direktion für Spezialeinheiten (DSE) anrücken mussten. Die Rede war zunächst von über 120 verschiedenen Waffen.

Maschinengewehr mit dem Beinamen "Hitlersäge"

Gefunden wurden nicht nur Faustfeuerwaffen, Langwaffen, Sammlerstücke und alte Karabiner, sondern auch weit brisantere Stücke. Im Keller des Hauses stieß der Verfassungsschutz auch auf diverse militärische Waffen wie das Sturmgewehr 77 und das Maschinengewehr MG42 – im Zweiten Weltkrieg als "Hitlersäge" oder "Knochensäge" bezeichnet. Das Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) zog deshalb Spezialisten des Bundesheeres zur Klassifizierung der Funde bei.

Das Bundesheer prüft, aus welchen Beständen die Maschinengewehre stammen

Das Bundesheer prüft, aus welchen Beständen die Maschinengewehre stammen

Politische Kontakte

Im Wohnhaus sei es daraufhin am Mittwoch zu einer ersten Begutachtung des Arsenals gekommen, bestätigt das Bundesheer. Für das Heeres-Abwehramt gilt es zu prüfen, ob es sich um echte, funktionstüchtige Waffen handelt und aus welchen Beständen die Maschinengewehre stammen. Nachdem das MG42 beim Bundesheer ausgemustert und 1974 durch den Nachfolger, das Maschinengewehr 74 ersetzt wurde, seien auch Zivilisten an alte Exemplare gekommen, heißt es dazu aus Bundesheerkreisen.

1974 führte das Bundesheer das Maschinengewehr 74 ein

1974 führte das Bundesheer das Maschinengewehr 74 ein

Bücher über Polizei und Bundesheer

Der 82-jährige Ex-Milizsoldat ist als besonders waffenaffin bekannt. Er ist Verfasser mehrerer Sachbücher, unter anderem über Waffensysteme sowie über das Bundesheer und die Bundespolizei. Dadurch hatte er für seine Recherchearbeit Ende der 1990er-Jahre nahezu uneingeschränkten Zugang zu militärischen und polizeilichen Einrichtungen – auch zu den Elitetruppen Cobra, Wega und Jagdkommando.

Möglich wurde dies durch seine politischen Kontakte. Ein damaliger SPÖ-Minister soll ermöglicht haben, dass der Buchautor die Truppen auf Schritt und Tritt begleiten konnte.

"Es gibt natürlich immer wieder Diebstähle von Waffen aus den Beständen des Bundesheeres. Dies sollte sich aber aufgrund der Seriennummer der sichergestellten Waffen rasch nachvollziehen lassen", weiß ein hochrangiger Offizier.

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