Wo das Sacher und die Staatsoper reinigen lassen
Die Belegschaft der Wäscherei Hammerl, in der Mitte das Ehepaar Birgitt und Robert Hammerl.
Beim Betreten der Weinviertler Wäscherei steigt einem der Geruch von frisch gewaschener Wäsche in die Nase. Bettbezüge des Hotel Sacher, Wäsche der Staatsoper oder der Schokoladenmanufaktur Lindt – all das kommt hier in der Textilwäscherei Hammerl in Hagenbrunn zusammen. Gewaschen wird mit einem speziellen Niedertemperaturverfahren, das den Beginn einer Reise in die Energieeffizienz markiert.
Ökologie und Ökonomie Laut Geschäftsführerin Birgitt Hammerl ist das familiengeführte Unternehmen schon früh darauf bedacht gewesen, umweltschonend zu arbeiten. „Als Familie haben wir immer schon ökologisch gedacht“, erklärt die Geschäftsführerin. Ihr Mann Robert Hammerl, der sich mittlerweile nur mehr als Gesellschafter der Textilwäscherei versteht, ergänzt stolz: „Die Wäscherei ist eine gelungene Symbiose zwischen Ökologie und Ökonomie.“ Sohn Benedikt Hammerl wird das Unternehmen zukünftig übernehmen und den Umweltgedanken im Sinne der Familie weiterführen.
Bei der Arbeit in der Wäscherei: 45 Tonnen Wäsche pro Tag fallen in der Hochsaison an.
1906 markiert die Anfänge des Unternehmens. Was mit kleinen Putzereien begann, entwickelte sich langsam zu einer großen Textilwäscherei, die sowohl in der Slowakei als auch in Österreich wirtschaftete. Vor zwei Jahren entschied man sich dann, den Standort in Hagenbrunn zu errichten und hier ganz konkret auf erneuerbare Energien zu setzen.
Viele Schritte zur Nachhaltigkeit
Das beginne bei den Solarpanels am Dach, die Sonnenenergie produzieren, und reiche bis zu einem Windrad in der Steiermark, welches die Textilwäscherei ebenfalls mit Energie versorgt. In der Logistik habe man, laut Birgitt Hammerl, ebenfalls Fortschritte gemacht. So bringt beispielsweise ein Betriebsbus Mitarbeitende zu den Bahnhöfen der Umgebung und wieder zurück. Auch beim Transport mit den Lkws setze man auf nachhaltigen Treibstoff. Neben der Logistik spielt auch die Wasserreduktion und die Rückgewinnung von Energie durch Abwasserwärme eine zentrale Rolle bei der Energieeffizienz des Unternehmens.
Energiebedarf halbiert
Die Investitionen der Familie in erneuerbare Energien zeigen Wirkung. Durch die gesetzten Maßnahmen konnten 50 Prozent des Gas- und 58 Prozent des Stromverbrauchs der Textilwäscherei eingespart werden. Laut der Familie Hammerl ist die Wäscherei in Hagenbrunn damit zur energieeffizientesten Wäscherei Europas geworden. „Das ist aber erst der Anfang“, sagt die Geschäftsführerin gegenüber dem KURIER, „wir sind noch nicht fertig und befinden uns erst auf dem Weg in eine ökologische Zukunft.“
Es ist hauptsächlich weiße und graue Wäsche aus der Hotellerie, die hier landet.
PV-Anlage am Dach
Die PV-Anlage am Dach konnte beispielsweise erst vor wenigen Wochen in Betrieb genommen werden, da die Genehmigungen so lange auf sich warten ließen. Auch auf Windenergie wolle man in Zukunft stärker setzen. Dafür habe man vier Windräder am gegenüberliegenden Grundstück im Visier. „Zu denen wünschen wir uns eine Direktanbindung“, erklärt Robert Hammerl und deutet aus den großflächigen Fenstern der Textilwäscherei auf die prominenten Windräder des Nachbargrundstücks. „Leider war uns das bisher nicht möglich, daher beziehen wir den Strom momentan aus einem Windrad in der Steiermark.“
Ein Gebiss in der Wäsche
An einem guten Tag werden in der Textilwäscherei 45 Tonnen Wäsche gewaschen. Hauptsächlich weiße und graue Wäsche aus der Hotellerie. Bunte Wäsche findet man hier unter den weißen Laken nur selten.
Dafür landen in den Untiefen der Wäscheberge manchmal farbige Gegenstände, die nicht gewaschen gehören. „Handys finden wir oft, aber auch ein Gebiss hat sich einmal unter den Laken versteckt“, sagt Birgitt Hammerl mit einem Schmunzeln, während sie durch die Wäscherei führt. Die Führung endet bei bewölktem Himmel auf dem Dach der Anlage. Dort warten die Solarpanels auf die nächsten Sonnenstrahlen, um die Wäscherei erneut mit Energie zu versorgen.
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