Wachau-Volunteers: Junge Helfer retten Trockenrasen
Junge Freiwillige packen bei der Trockenrasen-Pflege an.
Holzrechen scharren am Freitagmittag über den Setzberg. Gefallene Blätter, geschnittenes Gras und kleine Äste bleiben zwischen den Zinken hängen, türmen sich zu kleinen Haufen auf und werden schließlich in großen Säcken abtransportiert. Mit Blick auf Spitz und umgeben von terrassierten Weingärten arbeiten sieben Freiwillige daran, ein Wachauer Kulturgut zu erhalten: die Trockenwiese.
Was im ersten Moment karg klingen mag, ist ein facettenreiches Ökosystem, wie Hannes Seehofer erzählt. „Viele Pflanzenarten sind speziell angepasst an den Trockenrasen“, sagt der Umweltexperte. Das gilt etwa für die Österreichische Lotwurz. Auch die Kuhschelle, das Federgras oder diverse Orchideen wachsen hier. Zudem profitieren mitunter seltene Insekten, Reptilien und Vögel von der Kulturlandschaft. So fühlen sich beispielsweise die große Sägeschrecke, der Schachbrettfalter und der Bienenfresser auf den trockenen Böden wohl.
Mensch in der Verantwortung
Die meisten Trockenrasen sind durch menschliche Beweidung und Mahd entstanden, sagt Seehofer. Ohne Bewirtschaftung würden die Flächen vergrasen oder verbuschen. Langfristig entwickelt sich daraus Wald. Eine Ausnahme bildet der felsige Trockenrasen, der sich selbst überlassen werden kann.
Die Trockenwiese am Setzberg wurde vom Schnittgut befreit.
„Wir haben hier in der Wachau in erster Linie eine Kulturlandschaft, das heißt, dass der Mensch die Landschaft geschaffen hat“, erklärt Andreas Nunzer, Obmann des Vereins Welterbegemeinden Wachau. Daher trage der Mensch auch die Verantwortung für ihren Erhalt.
Bei der Pflege von Trockenrasen ist jedoch Zurückhaltung geboten, um Flora und Fauna nicht zu schaden. Etwa 20 Hektar Trockenrasenfläche in der Wachau werden von rund 230 Schafen offen gehalten. Weitere vier Hektar benötigen eine Spezialflächenmahd. Für die übrigen rund acht Hektar muss auf händische Pflege zurückgegriffen werden. Hier kommen die „Wachau Volunteers“ ins Spiel.
Rechen und Rupfen
Seit dem Jahr 2010 reisen jeden Sommer Freiwillige aus aller Welt an die Donau, um den Trockenrasen zu erhalten. Dabei leisten sie an heißen Sommertagen zahlreiche Stunden freiwilliger Arbeit für die Natur.
Heuer haben sieben junge Menschen aus Österreich, Ungarn, Großbritannien und Peru eine Woche großteils damit verbracht, unterschiedliche Flächen in der Wachau von Schnittgut zu befreien. Gepflegt wurden Wiesen in Sankt Michael West, am Rossatzer Kreuzberg, dem Sonnwendkogel und dem Setzberg. Allein Letzterer beherbergt 100 Tagfalterarten und 300 unterschiedliche Pflanzen. „Ein Biodiversitätshotspot“, so Ökologe Seehofer.
In der Grimsinger Au und auf einer Donau-Insel beteiligten sich das internationale Freiwilligen-Team zudem an der Eindämmung von Neophyten. Invasive Pflanzenarten, wie der Götterbaum und die Robinie, wurden von ihnen entfernt. Auf diese Weise unterstützen Volunteers den Verein der Welterbegemeinden und die Alpenvereinsjugend bei ihrer Arbeit. Als Gegenleistung wird für Kost und Logis gesorgt.
Anstrengende Aufgabe
Darüber hinaus organisieren die Alpenvereinsjugend sowie die Initiative „KLAR!Region“ ein Freizeitangebot für die ehrenamtlichen Helfer. Es wurde gemeinsam gekocht und Kanu gefahren, man besuchte Heurigen und eine Schmetterlingsfarm.
Einfach ist die Trockenrasen-Pflege nicht. Das Gelände ist unwegsam und hat bei den Teilnehmenden durchaus Spuren hinterlassen. Kleine Abschürfungen und Kratzer zieren den einen oder anderen Arm.
Die Zufriedenheit über die getane Arbeit scheint die Unannehmlichkeiten jedoch aufzuwiegen. So geht es zumindest Valentina, die derzeit ein Praktikum beim Alpenverein absolviert und in den letzten Tagen selbst auf der Umweltbaustelle angepackt hat. Die Arbeit sei zwar anstrengend, aber lohnenswert: „Es ist schön, etwas für die Umwelt getan zu haben.“
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