Hochwasserschutz an der Donau wird für 17 Millionen weiter ausgebaut
Ein Bootsausflug mit Schwerpunkt Hochwasserschutz.
Am Montagnachmittag schippert ein A-Boot der Feuerwehr zwischen Spitz und Dürnstein über die Donau. An Bord befinden sich Vertreter aus Politik und Wissenschaft – viele in Anzügen, alle mit roten Schwimmwesten über den Schultern.
Der Grund für den Ausflug scheint mit Blick auf den derzeit niedrigen Pegelstand weit entfernt: Gemeinsam mit dem für Wasserstraßen zuständigen Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) hat Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) zu der Fahrt geladen, um über den aktuellen Stand der Hochwasserschutzprojekte und Renaturierungsmaßnahmen zu sprechen.
Für 2027 und 2028 sind vier Vorhaben geplant, so Pernkopf. Bad Deutsch-Altenburg sowie Neustadtl an der Donau sollen etwa mit Mauern und mobilen Elementen ausgestattet werden. Überschwemmungsgebiete als passiver Hochwasserschutz sind in Melk vorgesehen. Zudem wird in Krems–Stein der bestehende Hochwasserschutz erhöht. Rund 17 Millionen Euro fließen in diese Maßnahmen.
Wachau gesichert
In der Wachau sind die Ufer bereits fast vollständig hochwassersicher, sagt Dietmar Pichler, Abteilungsleiter für Wasserbau vom Land Niederösterreich. Nur punktuell müsse noch nachgebessert werden - unter anderem in Dürnstein und Leiben. Zum Einsatz kommen vorwiegend Mauersockel und mobile Elemente, die den Schutzwall je nach Bedarf auf bis zu rund vier Meter erhöhen können.
Andere Maßnahmen, wie Rückhaltebecken, seien an der Donau hingegen kaum möglich, so Pichler. Aufweitungen werden an vereinzelten Stellen durchgeführt, doch auch hierfür fehle häufig der Platz. Bei der Auenwildnis Wachau ist das jedoch gelungen. Das EU-finanzierte Renaturierungsprojekt wurde von der Wasserstraßen–Gesellschaft viadonau zwischen 2015 und 2022 umgesetzt. Ziel war es, abgetrennte Seitenarme wieder an die Donau anzubinden und unbefestigte Ufer zu schaffen. Zudem wurden etwa Inseln ökologisch aufgewertet und über 15 Hektar Auwald neu gepflanzt.
Wasser halten
Durch die Verbreiterung und Wiederherstellung natürlicher Flusslandschaften können Hochwasserwellen gebremst werden. Das verschafft Einsatzkräften mehr Zeit für Schutzmaßnahmen. Zugleich hilft Renaturierung dabei, Feuchtigkeit länger in der Landschaft zu halten, was dem Grundwasser und damit dem Trinkwasser zugute kommt, so die Ökologin Ursula Scheiblechner von viadonau. „Wenn ich nicht nur im Hauptstrom das Wasser möglichst schnell abführe, sondern auch auf die Nebenarme verteile und auf die Wälder, dann kann ich eine Schwammfunktion erreichen“, erklärt Scheiblechner.
Eine Milliarde Euro
sollen bis 2040 in den Hochwasserschutz in NÖ fließen. Die Summe wurde nach den verheerenden Überschwemmungen 2024 angekündigt. Die Mittel stammen aus der EU, dem Bund und dem Land.
Eine Milliarde Euro
Schaden hat allein das Hochwasser im Herbst 2024 verursacht.
Ca. 800 Hochwasser-Projekte
wurden seit 2002 in NÖ umgesetzt und damit die Sicherheit in rund 300 Gemeinden erhöht.
Rund 20 EU-LIFE-Projekte
wurden in NÖ umgesetzt. Drei weitere Renaturierungsprojekte sind geplant.
Während es in der Wachau kaum Möglichkeiten gebe, großflächige Renaturierungsprojekte auf den Weg zu bringen, sieht die Lage beim Langenzersdorfer Arm oder bei Klosterneuburg anders aus. Hier könnten Nebengewässer reaktiviert werden. Das Interesse an solchen Projekten steige zunehmend – auch in der Bevölkerung.
Als häufiges Hindernis nennt Scheiblechner allerdings die Eigentumsverhältnisse. Viele der betroffenen Flächen befinden sich im Privatbesitz, etwa von Klöstern. „Hier zusammenzukommen und an einem Strang zu ziehen, das ist meistens nicht so einfach“, sagt sie.
Ob künftig stärker in Schutzwände oder in Renaturierung investiert wird, ist laut einem Experten des Landes nicht strategisch festgelegt. Entschieden werde je nach den Gegebenheiten vor Ort. Erfahrungsgemäß würde rund ein Drittel der Maßnahmen in die Bereiche Renaturierung, Rückhaltebecken und Überschwemmungsflächen fallen.
Auf die Frage, ob die geplanten Schritte angesichts zunehmender Extremwetterereignisse und längerer Trockenperioden ausreichen, antwortet der Experte mit einem Leitsatz: Der Wassertropfen soll dort gehalten werden, wo er fällt. Einen vollständigen Schutz vor Hochwasser könne es jedenfalls nicht geben.
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