Chronik | Niederösterreich
25.08.2018

Wachau: Nur Widerstand erhielt Schönheit des Donautals

Die Tunnelsanierung ab Herbst ermöglicht heute „Zeitreise“ zu verworfener Straßenführung

Wenn die Wachau heute als landschaftliches Juwel und touristische Speerspitze gilt, dann ist das nicht das Verdienst des offiziellen Österreich, sondern rebellischer Einheimischer, die das Tal – immer auch mit Unterstützung von außen – mutig gegen zerstörerische Eingriffe verteidigt haben.

Das galt für die Verhinderung eines Staukraftwerkes, das in den 1970er Jahren bei Rührsdorf hätte entstehen sollen. Es hätte die idyllischen Ortschaften hinter meterhohen Wällen verschwinden lassen. Dagegen wehrte sich eine Allianz regionaler Persönlichkeiten – von Franz Hirtzberger bis Josef Jamek – mit internationaler Unterstützung erfolgreich.

Doch bereits 20 Jahre früher gab es heftigen Widerstand: Als nämlich 1955 die Wachauer Bundesstraße (B3) entstehen sollte, haben Dürnsteiner Bürger verhindert, dass ihr Städtchen von der Donau abgeschnitten wurde. Die bekannte Malerin Traute Dressler hat in einer Karikatur das Engagement köstlich dargestellt und sogar handelnde Personen erkennbar eingefangen. Es war der damalige Bürgermeister Gottfried Thiery, der den Widerstand organisierte. Unterstützt von Heurigenwirt Johann Heinzl und vielen Künstlern wie Wachaumaler Hans Ranzoni. Der damalige Landeshauptmannstellvertreter August Kargl wollte eigentlich eine Straßenführung auf Stelzen vor Dürnstein.

Aktuell

Im Winter bekommen die Wachauer jedenfalls einen Eindruck davon, wie es gewesen wäre, wenn ihre Vorfahren keinen Widerstand geleistet hätten. Denn von Oktober bis März wird der Dürnsteiner Straßentunnel – der damals für die veränderte Trassenführung hektisch in den Berg gemeißelt werden musste – zur Sanierung gesperrt. In dieser Zeit fließt der Straßenverkehr über den extra verbreiterten Treppelweg.

Wenn Dürnstein heute als Perle der Wachau gilt, die beinahe mehr Besucher anzieht als die übrigen Welterbegemeinden zusammen, dann auch wegen des ungehinderten Zugangs von und zur Donau. Ein Bonus, der auch für Stein an der Donau verloren gegangen ist. „Dort grenzten die Plätze einst direkt an den Strom, das muss eine Atmosphäre wie in Venedig gewesen sein“, meint der Rechtsanwalt Gottfried Thiery, der sich intensiv mit der Geschichte der Wachau beschäftigt. Er mahnt ein, den Treppelwegrückbau nach Abschluss der Tunnelsanierung zu nutzen, um ihm zumindest teilweise den historischen Charakter durch die alte Pflasterung zurück zu geben.