© Wolfgang Atzenhofer

Emmersdorf
04/13/2014

Vom Mohnzutz und Jesukind

79-jährige Jungautorin schrieb 220-Seitenwerk über das Leben an der Donau.

von Wolfgang Atzenhofer

Die Wachauer Goldhaube, die Rosa Leitner in Händen hält, ist ein altes Erbstück. Die schwer bestickte Kopfbedeckung erinnert an ein Geburtstagsjubiläum des Kaisers im vorigen Jahrhundert. Bald wird der edle Schmuck den Deckel des Buches zieren, das die 79-jährige Jungautorin Leitner über ihre Erlebnisse an der Donau und ihr ereignisreiches Leben geschrieben hat.

"Wir waren zufriedener, hatten aber ungleich weniger als die Leute heute. Alles wurde vergessen,ich möchte an vieles wieder erinnern." So beschreibt die rüstige Seniorin aus Emmersdorf, Bezirk Melk, die Motivation für ihr Erstlingswerk. Die Idee dafür habe sie schon länger gehabt. Im Vorjahr gab sie sich einen Ruck. Sie begann zu schreiben und alte Bilder aus den Schuhkartons und Alben hervorzukramen.

Jetzt ist das Werk "Mein Leben" druckfertig. 220 Seiten, fein säuberlich als Dateien im Computer gespeichert, dazu Dutzende teilweise einzigartige Fotos, die dem Erzählband zusätzliche Dynamik verleihen. "Eine unglaubliche Sammlung an interessanten Ereignissen an der Donau", gerät auch der gute Geist im Hintergrund des Werks ins Schwärmen. Hobbyfotograf Johann Frank aus Weitenegg ging der im selben Ort geborenen spätberufenen Schriftstellerin bei Bildbearbeitung und Buchkorrektur zur Hand.

Ein Blick ins Manuskript macht neugierig. Viel erzählt Leitner aus ihrer Kindheit und Jugend. Der Natur, der Donau und den Mitmenschen gelten die Hauptrollen.

Tischerlrücken

Bilder zeigen, dass es damals die Wachaustraße in Weitenegg nicht gab. Das Donauufer war nur wenige Meter vom Elternhaus entfernt. Und wie ging’s mit dem Hochwasser? "Damit haben wir einfach gelebt", lautet die Antwort. Gespielt wurde mit einfachen Dingen, das "Tischerlrücken" hinterließ prägende Erinnerungen, ist zu lesen. "Das funktioniert wirklich. Wenn Leute ihre Energie konzentrieren, bewegt sich das Tischerl", erklärt die ehemalige Sekretärin, Unternehmersgattin und Immobilienhändlerin das Phänomen. Kriegs- und Besatzungszeit der Russen, Bombenschäden, das erste Auto in Emmersdorf, die nicht mehr existente Donaurollfähre in Melk, das Wohnhaus der Mutter von Kanzler Ignaz Seipel oder die erste Wasserleitung im Ort, sind im gut illustrierten Buch zu lesen. Das für die schlagfertige Autorin typische Augenzwinkern ist immer zu spüren. Etwa wenn sie den "Mohnzutz" in der Hand des Jesukinds in der Kirche Maria Laach beschreibt. In Mohn getränkte Tücher wurden früher Kindern zum Beruhigen gegeben.

Den Drang immer etwas Neues zu starten, lebte Rosa Leitner bis vor wenige Jahren im Restaurieren und Wiederverkaufen von Häusern aus. Jetzt ist das Verlegen des Buchs ihr Projekt, "wer weiß,wie lange ich noch Zeit hab’",meint sie schnippisch vor der nächsten Idee. "Buch schreib ich keines mehr, vielleicht mache ich Lesungen in Altersheimen und erinnere mich mit den Menschen an alte Zeiten", sagt sie strahlend.

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