Am Sonntag geht es um eine Bausperre rund um die Fabrik.

© Sascha Trimmel

Chronik Niederösterreich
05/15/2019

Volks-Votum in Pitten: Prinzhorn denkt nicht daran, abzuwandern

Bei der Volksabstimmung geht es um die Zukunft der Papierfabrik Hamburger. Nun meldet sich Konzernchef Cord Prinzhorn zu Wort.

von Patrick Wammerl

Am kommenden Sonntag entscheidet sich, wie es mit der Papierfabrik Hamburger und den rund 280 ArbeitsplĂ€tzen weitergeht. Abgestimmt wird ĂŒber eine 15-jĂ€hrige Bausperre. Erstmals mischt sich nun der Chef des Industriekonzerns, Cord Prinzhorn, in die öffentliche Debatte ein.

KURIER: Pitten und Hamburger haben eine lange gemeinsame Geschichte. Wie groß ist die Bedeutung des Standorts?

Cord Prinzhorn: Seit dem Jahr 1853 ist Hamburger eng mit Pitten verbunden. Das war bei meinem Großvater so, das ist bei meinem Vater so, und das bleibt auch fĂŒr mich so. Hier sind unsere Wurzeln, das BĂŒro von heute ist das Wohnhaus meiner Großeltern.

Ob das eine sentimentale Beziehung begrĂŒndet? Ja, natĂŒrlich. Viel stĂ€rker als SentimentalitĂ€t ist aber der Wunsch, dass es mit dem Standort in Pitten auch die nĂ€chsten 166 Jahre gut weitergeht.

In der Debatte um die Werkserweiterung kursieren unterschiedlichste Zahlen. Inwiefern profitiert die Region?

Was hier ĂŒber mehrere Generationen geschaffen wurde, ist tatsĂ€chlich ein fĂŒr die Region nicht unwesentlicher wirtschaftlicher Faktor. DarĂŒber hinaus achten wir darauf, dass wir Dienstleistern und Zulieferern aus der Region den Vorzug geben.

Das waren in letzten beiden Jahren rund 3 Millionen Euro allein an Unternehmen in Pitten. Im vergangenen Jahr haben wir an 295 Lieferanten im Umkreis von 50 Kilometern AuftrÀge in einer Höhe von 16 Millionen Euro vergeben. 400.000 Euro Kommunalsteuer gingen jÀhrlich an die Gemeinde.

Ist der Standort ohne Ausbau tatsÀchlich gefÀhrdet? Ihre Bilanzen sehen sehr gut aus.

Warum gibt es die Hamburger noch nach ĂŒber 160 Jahren? Ich wĂŒrde sagen, weil wir in Generationen und nicht in Finanzquartalen denken. Wenn allerdings einseitig und mit Unterstellungen gegen unsere Firma kampagnisiert wird, wenn man uns einmauern will, dann haben wir schon Grund zur Sorge. Gerade bei der Hochwasserthematik sitzen wir alle im selben Boot.

Hamburger will im Zuge der Werkserweiterung einen Teil des Hochwasser-Schutzprojekts bezahlen. Die Höhe des Anteils ist strittig, oder?

Sehen sie, das ist ein Teil dessen, was ich mit „Unterstellungen“ gemeint habe. Es wird so getan, als gĂ€be es bereits ein konkretes Projekt in der Schublade und jetzt mĂŒssten nur mehr die Millionen verschoben werden.

Was es gibt, sind erste Überlegungen. Absurd ist zudem, dass der Wasserverband eine Optionen-Studie beauftragt hat, die im Juni fertig sein soll. Und nun möchte Herr Strametz (Initiator der Volksbefragung, Anm. d. Red.) mit der Volksbefragung bereits davor vollendete Tatsachen schaffen.

Haben Sie VerstĂ€ndnis fĂŒr Anrainer die neben einer Papierfabrik leben? Viele befĂŒrchten zusĂ€tzliche Emissionen.

NatĂŒrlich habe ich hier VerstĂ€ndnis. Eine Modernisierung unseres Werkes wĂŒrde helfen, diese Faktoren zu reduzieren. Wir haben jedenfalls den Anspruch, als anstĂ€ndiger Partner mit unseren Nachbarn ĂŒber eine gemeinsame Zukunft zu reden.

Wie verhÀlt sich der Konzern im Fall einer Bausperre?

Ich sag ihnen etwas: Bei uns entscheiden noch immer Menschen und nicht irgendein Konzern. Wir denken langfristig und bekennen uns zum Standort. Es mag sein, dass andere Unternehmen sich leichter tun, zu sagen, ok, dann ziehen wir halt nach Ungarn. Wir nicht.

Ist die MĂŒllverbrennung eigentlich fĂŒr Pitten noch ein Thema?

Wir haben dazu aktuell keine konkreten PlÀne in der Schublade, obwohl die Genehmigung vorliegt. Bei einer Bausperre von 15 Jahren wÀren wir unter UmstÀnden aber aus energiepolitischen Aspekten gezwungen, uns wieder mit diesem Projekt zu beschÀftigen.

FĂŒr uns wĂ€re allerdings die langfristige Absicherung des Standorts mit modernster Umwelttechnologie die bevorzugte Variante.

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