Rätsel um Flugzeugabsturz in NÖ gelöst? Ermittler legen Bericht vor

76-jähriger Fluglehrer kam in Völtendorf ums Leben. Die Ermittler rekonstruieren die letzten Minuten – und stoßen auf ein entscheidendes Detail.
Feuerwehr löscht Wrack in einem Wald

Er liebte das Fliegen. Georg K. hob nicht nur selbst gerne vom Flugplatz Völtendorf bei St. Pölten ab, er war auch ein äußerst beliebter Fluglehrer. Unternehmer Felix Montecuccoli saß bei ihm im Cockpit, Ober-Grafendorfs SPÖ-Bürgermeister Rainer Handlfinger ebenso.

Umso größer waren Schock und Trauer, als K. am 9. April 2025 bei einem Absturz ums Leben kam. Der 76-Jährige war mit einem Ultraleichtflugzeug beim Landeanflug in eine Baumgruppe gekracht. Obwohl Rettungskräfte rasch zur Stelle waren, kam für K. jede Hilfe zu spät.

Viel war nach dem Unglück über die Unfallursache spekuliert worden – auch deshalb, weil Zeugen meinten, dass das Flugzeug in der Luft brannte. Nun liegt der Abschlussbericht der Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUB) vor und zeichnet ein klares Bild der letzten Minuten.

Sturzflug in Baumgruppe

Gegen 13.50 Uhr hebt die Maschine vom Typ Aerospool WT9-600 zu einem Schleppflug ab. Hinter dem Flugzeug hängt ein Segelflieger an einem etwa 48 Meter langen Seil. Der Start verläuft zunächst planmäßig: Nach einer Kurve über die umliegenden Ortschaften klinkt sich der Segelflieger in rund 300 Metern Höhe aus und landet wenig später sicher wieder auf der Piste 07.

Auch K. will mit der Schleppmaschine, die erst kurz zuvor modifiziert wurde, zum Flugplatz zurückkehren. Doch in nur etwa 30 Metern Höhe geht die Maschine plötzlich in einen steilen Sturzflug über. Rund 200 Meter vor der Landebahn und etwa 50 Meter seitlich davon prallt das Flugzeug in eine Baumreihe. Unmittelbar nach dem Aufschlag bricht ein Brand aus, das Wrack wird nahezu vollständig zerstört.

Die Experten schließen nach umfangreichen Ermittlungen technische Defekte oder schlechtes Wetter als Unfallursache aus. Die Bedingungen galten als gut, der Pilot war erfahren und verfügte über gültige Lizenzen.

Brisantes Detail

Als wahrscheinlichste Ursache gilt laut Bericht ein Kontrollverlust im Endanflug. Im Fokus steht dabei das Schleppseil, das beim Landeanflug noch am Flugzeug hing. Es könnte die Baumreihe gestreift haben – mit fatalen Folgen. „Die dadurch verursachte abrupte Reduktion der Geschwindigkeit könnte einen Kontrollverlust ausgelöst haben“, heißt es im Bericht. Aufgrund von Flugbahn, Höhe und Länge des Seils sei ein Kontakt mit den Bäumen „plausibel“.

Ein weiteres Detail wirft Fragen auf: Die sogenannte Sollbruchstelle des Schleppseils – eine Sicherheitsvorrichtung, die bei zu hoher Belastung reißen soll – war offenbar stärker ausgelegt als für das Schleppflugzeug vorgesehen.

Während für die Maschine eine maximale Bruchlast von 400 daN (Dekanewton) vorgeschrieben ist, lag sie im konkreten Fall bei 500 daN. Das könnte dazu geführt haben, dass das Seil bei einer kritischen Belastung nicht rechtzeitig nachgab.

Trotz der tragischen Umstände sprechen die Ermittler keine konkreten Sicherheitsempfehlungen aus. Der Unfall wird als Verkettung unglücklicher Faktoren gewertet – mit tödlichem Ausgang.

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