Andrea Völkl (Mitte) feiert ihren Sieg. 

© Kevin Kada

Chronik | Niederösterreich
03/24/2019

Die Wahlen sind geschlagen: So reagieren die Kandidaten

In Stockerau feiert Andrea Völkl (ÖVP) einen Erdrutschsieg. Gleichstand in Pillichsdorf und Spannung in Wolkersdorf.

In Stockerau, Pillichsdorf und Wolkersdorf fanden am Sonntag vorgezogene Gemeinderatswahlen statt. Die größte Siegerin des Abends ist wohl Andrea Völkl (ÖVP), die die ehemalige rote Hochburg Stockerau quasi umfärbte.

In Stockerau (Bezirk Korneuburg) hat die ÖVP bei der vorgezogenen Gemeinderatswahl am Sonntag den ersten Platz erobert. Die Volkspartei erreichte 18 der 37 Mandate und siegte mit deutlichem Abstand vor der SPÖ, die seit Jahrzehnten die stärkste Kraft in der niederösterreichischen Stadtgemeinde war. Die Sozialdemokraten verloren sechs der bisher 17 Sitze. Die Grünen legten von drei auf fünf Mandate zu, ein Mandat weniger gab es für die FPÖ und die NEOS flogen überhaupt aus dem Gemeinderat.

Der Urnengang in der Stadt war nötig geworden, weil nach Streitigkeiten weniger als zwei Drittel der Mandate besetzt waren.

Wahlsiegerin Völkl kann das Ergebnis "kaum fassen"

Nach 75 Jahren wird in der kommenden konstituierenden Sitzung erstmals eine ÖVP-Mehrheit im Stockerauer Rathaus Platz nehmen. Die ÖVP-Spitzenkandidatin Andrea Völkl konnte sich im Wahlkampf mit der Unterstützung von Bundeskanzler Sebastian Kurz und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die noch am Wahlabend kurzfristig zum Feiern nach Stockerau kam, insgesamt 4.007 Stimmen sichern. Das bedeutet 45,4 Prozent und somit die klare Mehrheit im neu gewählten Stockerauer Gemeinderat.

Andrea Völkl selbst kann das Ergebnis kaum fassen: „Im Vorfeld ist es natürlich schwer zu sagen, wie die Wahl ausgeht. Das gesamte Team ist gelaufen und hat viel gearbeitet, um die Veränderung  voran zu treiben. Aber dass es  so deutlich ist, überrascht mich selbst.“

Überraschend kam der Erdrutschsieg der ÖVP auch für den SPÖ-Spitzenkandidaten Othmar Holzer. Der Stadtrat, der nach dem Abgang von Bürgermeister Helmut Laab dessen Amt zwischenzeitlich übernommen hatte, war am Wahlabend sichtlich gezeichnet.

Holzer: "Die Zeit war zu kurz"

Für Holzer liegt die Schuld am Scheitern der SPÖ bei seinem Vorgänger Laab: „Die Enttäuschung ist sehr groß. Ich bin erst seit Mitte Jänner Spitzenkandidat und die Zeit war einfach zu kurz, um die Versäumnisse meines Vorgängers aufarbeiten zu können. Wir wurden ganz schlimm geschlagen.“

Ob es für die künftige  Bürgermeisterin Völkl eine Zusammenarbeit mit der geschlagenen SPÖ in der neuen Stadtregierung  geben wird, lässt die Wahlsiegerin offen: „Wir wollen alle an einen Tisch bringen, um gemeinsam für Stockerau zu arbeiten.“

Stockerau: Grüne als zweite Wahlsieger

An diesem Tisch werden auch  die Grünen und die FPÖ Platz nehmen. Dietmar Pfeiler, Spitzenkandidat der Grünen, ist der zweite große Wahlsieger des Abends. Mit 1.196 Stimmen (13,56 Prozent) sind die Grünen nun die drittstärkste Partei. Pfeiler: „Für uns ist das ein toller Wahlerfolg und es ist beachtlich, dass wir uns trotz des Zweikampfes zwischen SPÖ und ÖVP so in Szene setzen konnten und die Wähler erreicht haben.“

Der Sieg der Grünen ist die Niederlage der FPÖ. Denn der ehemalige Stadtregierungspartner der SPÖ unter dem neuen Spitzenkandidaten Herbert Pohl verlor ebenfalls massiv: „Wir werden weiter den Weg mit den Bürgern gehen. Ich habe im Jänner bei Null angefangen und die Voraussetzungen waren nicht optimal. Darum bin ich für jede Stimme dankbar.“

Einen Dämpfer gab es auch für die Neos, deren Spitzenkandidat Martin Ulrich Fischer aus dem Gemeinderat gerutscht ist. Weiters nicht geschafft hat es die Bürgerliste WIR!.

Mikl-Leitner gratuliert den Siegern

Niederösterreichs Landeshauptfrau und ÖVP-Landesparteichefin Johanna Mikl-Leitner teilte in einer Stellungnahme zu den Ergebnissen der drei Gemeinderatswahlen am Sonntag in Stockerau, Wolkersdorf im Weinviertel und Pillichsdorf (beide Bezirk Mistelbach) mit: „Ich gratuliere im Besonderen den Volksparteien, die in allen Gemeinden zur stärksten Kraft gewählt wurden und denen damit das Vertrauen ausgesprochen wurde. Vor allem freue ich mich über das Ergebnis in Stockerau, wo wir als Volkspartei erstmals an die Spitze gewählt wurden. Andrea Völkl und ihr Team haben großartig und beherzt Überzeugungsarbeit geleistet.“

„Die neue SPÖ in Stockerau ist ein engagiertes, gutes Team und wir sind mit viel Optimismus in die Wahl gegangen. Leider ist es uns nicht ausreichend gelungen, die Wähler von unserem ambitionierten Programm und der neuen Mannschaft zu überzeugen bzw. unsere Wähler in der kurzen Zeit, die für den Wahlkampf zur Verfügung stand, zur Wahlurne zu bringen“, hielt SPÖ-Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar in einer Aussendung fest.

Pillichsdorf: "Gleichstand" im Gemeinderat

Wie viele von den 1.090 Wahlberechtigten in Pillichsdorf am Sonntag tatsächlich zur Urne gingen, ist noch nicht ganz klar. Das offizielle Ergebnis wird erst am Montag bekannt gegeben.   Klar ist hingegen bereits, dass es zwischen den beiden ÖVP-Listen eine Pattstellung gibt. Beide erreichten jeweils fünf Mandate.

Der Grund für die vorgezogene Gemeinderatswahl war, dass sieben von neun ÖVP-Gemeinderäten wegen Unstimmigkeiten mit dem Bürgermeister ihr Mandat niederlegt haben. Die Orts-ÖVP hat sich danach gespalten: in „Das Original“ mit Bürgermeister Franz Treipl an der Spitze und in die Liste „Wir für Pillichsdorf – die Volkspartei“ mit Rudolf Kaudela als Spitzenkandidaten. 

Der „originalen ÖVP“ hat der Wahlgang vier Mandate gekostet. Auf Anhieb fünf Mandate schaffte die ÖVP-Truppe um Kaudela: „Wir haben unser Ziel erreicht.“

Die SPÖ gewann zwei Sitze dazu und hält auch bei fünf. „In den kommenden Tagen wird es Gespräche mit den anderen Parteien geben“, sagt Kaudela. Bürgermeister Franz Treipl hält sich noch bedeckt. Die Bürgerliste „Unabhängige Initiative" errang ein Mandat. Alle anderen Listen – auch die FPÖ – schafften den Einzug nicht.

Wolkersdorf: Bürgermeisterin hält die Mehrheit

Acht Listen standen auf dem Stimmzettel der Gemeinderatswahl in Wolkersdorf.  Die wirklich spannende Frage war aber nur, wie sich die beiden ÖVP-Listen matchen, nachdem nicht zuletzt ein interner ÖVP-Konflikt die vorgezogenen Neuwahlen ausgelöst hatte.

Die  amtierende ÖVP-Bürgermeisterin Anna Steindl konnte sich letztendlich als stärkste Kraft behaupten, auch wenn  ihre Liste zwei Mandate verloren hat. Wie noch am Abend aus ÖVP-Kreisen zu erfahren war, will sie mit allen Parteien und Listen Gespräche führen und Bürgermeisterin bleiben.

Die zweite ÖVP-Liste von Dominic Litzka und dem Landtagsabgeordneten Kurt Hackl erreichte auf Anhieb sieben Mandate und stellt nun die zweitstärkste Fraktion im Gemeinderat - und wie zu hören ist auch den Anspruch auf den Bürgermeistersessel.

Die Liste „Mituns“ schaffte es mit vier Mandaten in den Gemeinderat, die Liste WUI (Grüne) hält noch drei Sitze. Die SPÖ verlor einen Sitz und zählt nur mehr zwei Gemeinderäte. „Unserem Team rund um Albert Bors ist es leider nicht gelungen, die Wähler ausreichend zu überzeugen und zu mobilisieren“, sagt SPÖ-Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar.

Überraschend ist die FPÖ aus dem Gemeinderat  gerutscht. Nicht geschafft haben es weiters die Liste „Gepp“ und die Neos.