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Wie ein Verein die Burg Dobra im Waldviertel vor dem Verfall rettete

Vor 30 Jahren pachtete "Pölla Aktiv" die Ruine am Kampstausee, um sie wieder begehbar zu machen – mit Erfolg. Heute wird dort gerne geheiratet und auch einen Schatz soll es geben.
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Der Stausee Dobra rund 30 Minuten nordwestlich von Krems, in der Gemeinde Pölla im Waldviertel wurde nach dem Namen des Adelsgeschlechts benannt, das sich dort im 12. Jahrhundert niedergelassen hat bzw. sich dort eine Burg baute. Heute ist sie eine Ruine.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie 1278, Dobra bereits 1186. „Das Geschlecht Dobra war in St. Peter an der Au im Mostviertel und hat einen Zweitsitz hier gegründet. Heute ist die Burg auf einer Halbinsel – das ist auf Grund des in den 1950er-Jahren angelegten Stausees so. Zuvor war sie auf einem Hügel, um den der Kamp eine Schlinge schloss“, erklärt Johann Müllner. Er gehört dem Verein „Pölla Aktiv“ an, der die Ruine seit 1996 gepachtet hat. Nicht mehr von den Herrschaften Dobra, sondern von der Widhag’schen Stipendienstiftung NÖ, der die Ruine seit 1958 gehört.

„Das hier war mein Abenteuerspielplatz“, erzählt der Pensionist. „Aber es gab keine Brücke zum Eingang wie heute, sondern nur einen verwachsenen Graben und ein Schild, auf dem stand: ,Betreten verboten! Einsturzgefahr!‘“

270 Jahre Verfall

Seit 1726 ist die Burg unbewohnt. Damals hatte man sie aufgegeben und ist in den Meierhof Wetzlas gezogen (etwa 1.500 Meter vor der Burg gelegen), der zu einem Schloss ausgebaut wurde. Da, wo heute außer Wasser nichts ist, war früher eine Schultafelfabrik und eine Mühle. Schon bevor hier zur Stromerzeugung geflutet wurde, wurde das Gebiet rund um die Burg für den Truppenübungsplatz „Döllersheim“, wie der TÜPl Allentsteig einst hieß, entsiedelt. Er wurde 1938 bis 1945 aufgebaut. „Unter der Ruine gab es Häuser, wo einige der Vertriebenen aus den Ortschaften unterkamen“, erzählt Müllner. Insgesamt wurden 42 Dörfer abgesiedelt.

Franzen, Reichhalms und Wetzlas (alle in unmittelbarer Nähe zum Stausee Dobra) wurden in den 1960er-Jahren wieder besiedelt. Damals begann beim Stausee auch der Tourismus mit Camping und Ausschank.

Ein Mann steht im Wald mit einem Bild in der Hand

Johann Müllner kennt die Geschichte der Burg.

Heute blickt man von der Burgruine aus auf einen Campingplatz mit Bootsverleih und Gastronomiebetrieb. „Wir haben die Ruine 1996 gepachtet, um sie vor dem kompletten Verfall zu bewahren und sie als Ausflugsziel nutzbar zu machen“, betont Müllner. „Wenn man im Vorhinein wüsste, was das bedeutet, würde man’s nicht machen“, schmunzelt er.

Beliebt bei Hochzeitern

Stolz steht er heute in der Ruine, die tatsächlich ein beliebtes Ausflugsziel geworden ist – und eine begehrte Hochzeitslocation. Rund 25 Hochzeiten finden im Jahr statt. Dafür bezahlen die Brautpaare je nach Datum für drei Tage zwischen 1.100 und 1.300 Euro. Es gibt einen Festsaal – dieser wurde 2010 fertiggestellt – und eine überdachte Terrasse, was jede Veranstaltung wetterfest macht.

Der Verein hat rund 70 Mitglieder, 20 davon sind aktiv. „Wir hatten wirklich Glück. 2001 konnten wir im Rahmen der NÖ Landesausstellung Förderungen für die Renovierung lukrieren. Wir arbeiteten uns abschnittsweise vor. Gestartet haben wir mit dem Bergfried“, blickt Müllner zurück. Über eine Treppe kann man den 25 Meter hohen Turm nun besteigen, auf dem oben mehrere Kiefern wachsen . Er ist ganzjährig für Besucherinnen und Besucher offen. Ebenso wie der Rest der 37 Meter breiten und 95 Meter langen Anlage, die zwei Zugänge im Norden und Süden hat (nur bei einer Hochzeit sind sie für zwei Stunden gesperrt).

Während der etappenweisen Renovierung kam einiges Verborgene zum Vorschein – etwa verschüttete Kellerräume und eine Küche mit drei Öfen. Nicht jedoch der „Schatz in der Ruine“. Der Sage nach soll auf Dobra ein Schatz vergraben sein, den der Teufel hütet. Das Gold kann gehoben werden – und zwar von dem Menschen, dessen Wiege aus dem Stamm einer Föhre gemacht wurde, die auf dem Bergfried gewachsen ist.

"10.000 Arbeitsstunden"

Seit der Verein auf unbefristete Zeit Pächter der Ruine ist, sind laut Müllner etwa 10.000 freiwillige Arbeitsstunden in die Renovierung geflossen und rund 900.000 Euro – ein Viertel davon seien Eigenmittel gewesen, der Rest Fördergelder. Heute ist man unabhängig von Förderungen. Die Vereinsmitglieder identifizieren sich mit der Burg „und hoffen auf passionierte Nachfolger“.

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