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Social Media: Zwischen Provokation und Reichweite

Wer in sozialen Netzwerken wie Instagram erfolgreich sein will, muss Aufmerksamkeit erzeugen. Am besten funktioniert das mit Provokation und emotionaler Zuspitzung, wie das Profil von Franziskus Wächter zeigt.
Ein Mann in historischer Uniform steht vor einem halb rot, halb grün geteilten Hintergrund mit den Worten „ABZULEHNEN“ und „STABIL“.

Er möchte „die geistige Landesverteidigung in Österreich starkmachen“, wie er im Gespräch mit dem KURIER erklärt. Der Account von Franziskus Wächter zählt rund 5.000 Followerinnen und Follower. Was auf den ersten Blick nach einer überschaubaren Reichweite aussieht, relativiert sich durch die Dynamik der Plattform: Einzelne Videos erreichen bis zu 300.000 Aufrufe. Und sorgen in Wiener Neustadt für heftige Diskussionen.

Wer ist Wächter? Der Schulsprecher der BHak für Führung und Sicherheit am Gelände der Militärakademie Wiener Neustadt ist einer, der das politische System Österreich kritisch sieht. Auf seinem Instagram-Account macht er das deutlich. Und er liegt damit durchaus im Trend: Der Demokratiemonitor des österreichischen Parlaments zeigt, dass Jugendliche politischen Institutionen zunehmend weniger vertrauen. 

Obwohl 90 Prozent die Demokratie als die beste Staatsform ansehen, halten nur 44 Prozent das heimische politische System für gut funktionierend. Einer der auffälligsten Aspekte von Wächters Accounts ist allerdings die Mischung aus historischen, religiösen und politischen Themen. Er greift regelmäßig geschichtliche Ereignisse auf, etwa die Französische Revolution, die er kritisch interpretiert – im Sinne eines äußerst konservativen Denkansatzes. Er hat sich auch schon als Kaiser Franz Joseph inszeniert.

Ein Mann in historischer Uniform steht vor einem halb rot, halb grün geteilten Hintergrund mit den Worten „ABZULEHNEN“ und „STABIL“.

Franziskus Wächter ist Schulsprecher in Wiener Neustadt und konservativer Influencer auf Instagram.

Wie kommt ein 18-Jähriger auf so etwas? „Ich habe den Eindruck, dass im progressiven Spektrum teilweise der Bezug zu Tradition, Wurzeln und Geschichte verloren geht. Mit bestimmten Positionen, die ich aus Schule oder gesellschaftlichem Umfeld wahrnehme, kann ich mich persönlich nicht identifizieren“, erklärt er. Die Inhalte auf Instagram seien jedoch seine persönliche Meinung und stünden in keinem Zusammenhang mit seiner Rolle als Schulsprecher, betont Wächter. Um Reichweite zu erlangen, reduziert er komplexe Sachverhalte auf 30-Sekunden-Videos. „Die Aufmerksamkeitsspanne der Gesellschaft ist einfach zu gering“, argumentiert er. Er möchte die Gesellschaft „wachrütteln“ und eine „konservative Meinung in die Gesellschaft bringen“.

Wächter

Franziskus Wächter ist Schulsprecher in Wiener Neustadt und konservativer Influencer auf Instagram.

Auf Instagram funktionieren Inhalte besonders gut, die polarisieren – also klare Zustimmung oder Ablehnung hervorrufen. Hier ist der Drang, zu kommentieren, größer, erklärt Ritchie Pettauer, Social-Media-Experte an der Universität Wien. Franziskus Wächter nutzt, wie viele andere konservativ denkende Influencerinnen und Influencer, genau dieses System.

„Zum Glanze verhelfen“

Mittelfristig hat Wächter auch politische Ziele. Auf Instagram schreibt er dazu, er wolle Österreich „zum Glanze verhelfen“. Er könne sich vorstellen, künftig politisch aktiv zu werden und Österreich in seinem Sinne mitzugestalten.

Social-Media-Experte Pettauer sieht derartige Kurzvideos kritisch: „Unter zwei Minuten ist es schwierig, differenziert zu argumentieren, aber sie können Diskussionen eröffnen.“ Blickt man in die Kommentarspalten von Accounts wie jenem von Wächter, fällt auf, dass die Debatten dort häufig stark polarisiert verlaufen. Zustimmung, Ablehnung und zugespitzte Gegenpositionen stehen nebeneinander, während differenzierte Einordnungen selten sind. 

Damit zeigt sich ein grundlegendes Problem digitaler politischer Kommunikation: Inhalte, die stark vereinfachen und emotionalisieren, erzielen hohe Reichweiten – gerade weil sie Reaktionen auslösen. Gleichzeitig geraten dabei komplexe politische und historische Zusammenhänge in den Hintergrund. Wie eben bei Wächter.

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