Verteidiger Blaschitz mit dem Angeklagten im Landesgericht Krems

© KURIER/Gilbert Weisbier

Prozess
05/25/2016

Tschetschene für zwei Tage in Syrien verurteilt

18 Monate teilbedingte Haftstrafe nicht rechtskräftig

von Gilbert Weisbier

Er hatte Angst um sein Leben und wollte nach zwei Tagen in Syrien nur noch heim zur Mama. Das erzählt ein 29-jähriger Tschetschene am Mittwoch mit Hilfe einer Übersetzerin vor einem Schöffensenat im Landesgericht Krems, wo er wegen Mitgliedschaft einer terroristischen Organisation und dem Besitz von Kinderpornos angeklagt war. Die Richter glaubten ihm nicht und verurteilten den derzeit arbeitslosen Mann zu 18 Monaten Haft, 17 davon bedingt. Sechs Wochen Untersuchungshaft wurden angerechnet. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, im Juli 2013 mit der Absicht zu kämpfen nach Syrien gereist und Mitglied einer Al-Qaida-Untergruppe geworden zu sein.

Er habe nur humanitär helfen wollen, beteuert der Angeklagte. Er sei einem Aufruf im Internet gefolgt, in der Türkei Lebensmittel zu kaufen und in Syrien zu verteilen. Vor Ort lernte er angeblich zufällig den Chef einer bewaffneten Gruppe kennen. "Sie reisen dort hin ohne eine Adresse zu haben und landen am ersten Tag in einem Quartier voller Waffen? Das sollen wir glauben?", fragte die Anklagevertreterin.

Zu einem gestellten Foto mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr habe man ihn dort genötigt, sagt der Mann. Er habe sich nicht zu sagen getraut, dass er gar nicht kämpfen wolle. Aus Angst um ein Leben, betont der junge Mann mit Vollbart.

Fehler

Er habe einen riesigen Fehler gemacht und konnte nur mit der Hilfe eines Ansässigen nach zwei Nächten im Quartier der Gruppierung wieder unbeschadet ausreisen. Dass er im Internet von einer Kampfverletzung berichtete, sei nur Angeberei gewesen. "Ich bin kein Fanatiker", betont der junge Mann, dessen Frau mit dem zweiten Kind schwanger ist.

Die Fotos von IS-Gräueln habe er als Mitglied einer Whats-App-Gruppe automatisch auf sein Handy bekommen und gelöscht. Pornofotos – angeblich auch von unter 18-Jährigen – seien bei der Internet-Suche des Tschetschenen nach reifen Frauen automatisch sichtbar geworden, betont Verteidiger Wolfgang Blaschitz. Zumindest zu diesem Vorwurf wurde sein Mandant frei gesprochen.

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