"Trüffelzucht ist besser als jede Bank"

Alexander Urban erforscht und züchtet Trüffel. Jetzt erntete er auf seiner Plantage die erste gezüchtete Trüffel Österreichs.

"Das Aroma ist wirklich einzigartig, man kann es mit Hilfsausdrücken umschreiben, aber es gibt eigentlich nichts Vergleichbares". Wenn Alexander Urban über Trüffel spricht, merkt man schnell, dass die edlen Pilze nicht ausschließlich sein Forscherherz erfreuen. So ergänzt er: "Ich könnte nichts machen, das mich sinnlich gar nicht anspricht."

Urban ist Wissenschaftler und Unternehmer zugleich. Und in beiden Welten dreht sich alles um die teure Delikatesse. In seinem Brotberuf als Forscher untersucht der Teilzeit beschäftigte Universitätsassistent die Symbiose des Trüffelpilzes mit Bäumen. Und wie man Wurzeln mit den besonderen Pilzsporen "beimpft". Als Unternehmer wendet er sein Wissen an und vertreibt mit Trüffelsporen beimpfte Bäumchen über seine Firma TrüffelGarten. Doch die Symbiose von Unternehmer und Wissenschaftler hält er für nicht ideal.

Forscher vs. Gründer

"Es wäre wohl besser, wenn Wissenschaftler nicht Unternehmen gründen. Ich hab es gemacht. Aber für die Gesellschaft wäre es von größerem Nutzen, wenn man Wissenschaftler einfach Wissen schaffen lässt", kommentiert Urban. Die gegensätzlichen Motive und Ansichten der beiden Berufe erklärt Urban am Beispiel des Betriebsgeheimnisses, der Baumbeimpfung: "Während ich als Forscher mein Wissen möglichst weit verbreiten möchte, ist das von Unternehmerseite nicht unbedingt zielführend." Aber er gibt zu, dass der Forschergeist in ihm stärker ist, als der Gründerdrang.

Doch vor einigen Jahren sah der heute 40-Jährige keine Zukunft in der Wissenschaft. Er ergriff "die Flucht nach vorn" und gründete sein Unternehmen TrüffelGarten und ist froh, dass es Gründerhilfen wie das INiTS oder das vom AMS gibt. Heute, nach fünf Jahren Arbeit, Forschung und viel Bangen und Hoffen hält er nun seine erste in Österreich gezüchtete Burgundertrüffel in der Hand. Über 1500 Quadratmeter erstreckt sich die Trüffelplantage bei Wiener Neustadt. Urban rechnet dort, abgesehen von jährlichen Schwankungen, mit fünf bis 15 Kilo Trüffel pro Jahr.
Lebensversicherung Abzüglich der Vermarktungskosten bleiben Urban pro Kilo Trüffel rund 300 Euro. Zwischen 1500 und 4500 Euro könnte die Plantage so pro Jahr abwerfen. Und das auf einer Fläche von gerade einmal 40 mal 40 Metern. Doch dass er damit reich werden wird, daran glaubt Urban nicht. "Ich fürchte, dass wir viele andere Leute damit reich machen, aber nicht uns selbst", sagt Urban mit einem Schmunzeln. Und er witzelt weiter: "Trotz der langen Laufzeit glaube ich, ist unser Angebot immer noch besser, als das einer Lebensversicherung oder Bank." Bei einem stetig steigendem Trüffelpreis und Kosten von rund 20 Euro pro beimpftes Bäumchen könnte diese Rechnung für Züchter durchaus aufgehen. Allerdings muss man mit einer Durststrecke von vier bis sechs Jahren rechnen. Denn solange braucht ein beimpftes Bäumchen, bis die ersten Trüffel reif sind.

Zur Person: Andreas Urban

Pilzforscher
Der 1968 geborene Andreas Urban studierte Biologie in Wien und darf sich seit 2002 Doktor der Naturwissenschaften nennen. Auf das Thema Trüffel stieß er das erste Mal bei seiner Diplomarbeit. Von einem erfahrenen Trüffelsucher-Ehepaar aus der Mykologischen Gesellschaft lernte er viel praktisches Wissen über Trüffel.

Firmengründer
Nachdem er für sich in der Forschung keine Zukunft sah, gründete er
mit dem französischen Trüffelzüchter Tony Pla die Firma TrüffelGarten. Pla betreut die Kunden, Urban die Beimpfung der Bäumchen. Mit dem ersten Trüffelfund auf seiner Plantage erbrachte er den Beweis, dass Trüffelzucht in Österreich möglich ist.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

Erstellt am 05.12.2011