„So kann es nicht weitergehen“: Milchbauer zeigt Minister die Folgen der Trockenheit
NAbg. Georg Strasser, Bezirksbauernkammerobmann Rudolf Buchner, LH-Stv. Stephan Pernkopf und Bundesminister Norbert Totschnig beim Lokalaugenschein in Lilienfeld.
Ausbleibende Niederschläge, massive Ertragsausfälle, fehlendes Futter und gleichzeitig hohe Produktionskosten setzen die bäuerlichen Familienbetriebe unter Druck. Besonders stark betroffen ist der Osten Österreichs. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Nationalratsabgeordneter Georg Strasser verschafften sich am Samstag auf dem Grünlandbetrieb der Familie Buchner im Bezirk Lilienfeld ein Bild von der aktuellen Lage.
Milchvieh frisst bereits das Winterfutter
Der Milchviehbetrieb hält rund 70 Milchkühe. Bereits beim ersten Grünschnitt im Frühjahr musste Buchner Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent verkraften. Seit Juni konnte kein weiterer Schnitt eingebracht werden. Die Winterfutterreserven werden bereits jetzt verfüttert.
„Ich bewirtschafte unseren Betrieb seit 35 Jahren. Aber so ein Ausmaß an Dürre und Trockenheit haben wir noch nicht erlebt. Normalerweise wächst das Futter bei uns direkt vor der Haustür. Heuer müssen wir Futter zukaufen und sogar Maisflächen aus der Umgebung erwerben. Dafür kommen zusätzliche Kosten von 40.000 bis 50.000 Euro auf unseren Betrieb zu. Gleichzeitig wissen wir nicht, wie wir mit unseren Futterreserven über den Winter kommen sollen“, schildert Rudolf Buchner, Milchbauer und Obmann der Bezirksbauernkammer Lilienfeld.
Kein Gras, kein Futter: Schon jetzt fresse sein Vieh das Winterfutter, sagt Bauer Buchner den Politikern.
Ertragsausfälle bei gleichzeitig steigenden Kosten
Die Situation wird durch die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich verschärft. Ertragsausfälle und niedrige Erzeugerpreise führen zu deutlichen Einnahmenrückgängen, während die Kosten für Betriebsmittel wie Düngemittel und Energie massiv gestiegen sind. Damit treffen auf vielen Betrieben sinkende Einnahmen und steigende Kosten unmittelbar aufeinander.
Pernkopf fordert Aussetzung der Sozialversicherungsbeiträge
In dieser außergewöhnlichen Situation brauche es jetzt ein Entlastungspaket für die bäuerlichen Familien. Erste Entlastungen wie Erleichterungen beim Agrarumweltprogramm ÖPUL und der Ausgleichszulage für Betriebe in Berggebieten und anderen benachteiligten Gebieten seien bereits in Kraft.
Laut Minister Totschnig arbeite man überdies an Maßnahmen wie begünstigten Betriebsmittelkrediten für die betroffenen Betriebe. LH-Stellvertreter Pernkopf fordert außerdem eine Aussetzung der Sozialversicherungsbeiträge für die Landwirte und Landwirtinnen.
Notverkäufe und vorgezogene Schlachtungen
Besonders im Grünland sind die Folgen der klimawandelbedingten Trockenheit deutlich spürbar. Regional fehlen auf den Futterwiesen bis zu 50 Prozent des üblichen Ertrags.
Für zahlreiche viehhaltende Betriebe wird damit die Futterversorgung zur Herausforderung. Besonders betroffen sind neben Niederösterreich auch Teile der Steiermark, des Burgenlandes und Oberösterreichs. Auf einzelnen Betrieben reichen die eigenen Futterreserven nicht mehr aus. In besonders schwierigen Fällen kommt es zu vorgezogenen Schlachtungen.
Getreideernte: Prognose bei minus 20 Prozent
Auch der Ackerbau leidet massiv unter der Trockenheit. Beim Getreide wird heuer österreichweit mit einer Ernte gerechnet, die im Durchschnitt rund 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegt. Gleichzeitig zeichnen sich auch bei Kulturen wie Mais, Kürbis, Soja und Erdäpfeln, die im Herbst zu ernten sind, deutliche Ertragseinbußen ab.
Am Montag wird die Österreichische Hagelversicherung eine erste bezifferte Schadensbilanz zu den Auswirkungen von Trockenheit vorlegen. Diese soll eine zentrale Grundlage für die weiteren Entscheidungen der Bundesregierung und der Länder bilden.
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