Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Tierischer Streit um Hundeabrichtung

Brutale Abrichtung mit teils illegalen Methoden wirft "Vier Pfoten" einem Hundesportverein vor. Der kontert.

In einem online gestellten Undercover-Video wird von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten (www.vier-pfoten.at) der Verein "Interessensgemeinschaft Hundesport" aus Traiskirchen angeprangert: Hunde sollen durch brutale Zwangs- und Strafmethoden wie Anschreien, Leinenrucken, illegalen Einsatz von Stachelhalsband und Elektroschocks abgerichtet und scharf gemacht werden, erklärt Vier Pfoten-Geschäftsführerin Johanna Stadler: "Um schnell zu Erfolgen zu kommen werden körperliche Strafen eingesetzt." Deutlich sei im Video erkennbar, dass vor in Österreich verbotenen Ausbildungshilfen wie Stachelhalsband und Elektroreizgeräten nicht zurück geschreckt wird, sagt Vier Pfoten. Anzeige wegen Tierquälerei wurde erstattet.

Eine Schutzhundeausbildung ist für Privatpersonen nur laut Wiener Tierhaltegesetz verboten, sonst erlaubt. "Das Tierschutzgesetz verbietet aber aggressionsfördernde Maßnahmen. Und bei Stachelhalsbändern ist alleine der Besitz verboten", ist Vier Pfoten-Hundetrainerin Ursula Aigner entsetzt. "Solches Training hat heute nichts mehr verloren. Der Sport ist nur Ausrede. Diese Hunde sind eine Gefahr."

Keine Quälerei

"Mondioring ist eine anerkannte Sportart und hat nichts mit Scharfmachen zu tun", kontert der Vereinsobmann Harald Burger. "Ich weiß, dass das ein sensibles Thema ist, aber man sollte sich erst anschauen, was wir machen, bevor man uns verurteilt." Ein ausgebildeter Hund sei wichtig, "egal ob es sich um Dackel oder Schäferhund handelt. Auch viele Rettungshunde sind Schutzhunde". Verbotene Hilfsmittel gibt es beim Verein nicht: "Schließlich gibt es ein Tierschutzgesetz. Alle haben unterschrieben, sich daran zu halten. Die Vorwürfe grenzen an Rufmord."

"Das Training schaut hart aus, aber kein Hund muss leiden. Mit einem gequälten Tier könnte man nicht jahrelang trainieren und Prüfungen ablegen. Mit Strafen kommt man nicht weiter", sagt Hundesportler Slavko Medved. Zu den Methoden meint er: "Es handelt sich um Leistungssport. Das wird völlig verzerrt dargestellt."

Markus Pollak, Fachreferent für Problem- und Listenhunde des Vereines akademischer Kynologen meint: "Die Video-Szene mit Elektroschocks stammt aus Belgien. Da wird von Hardcore-Tierschützern auf Leute geschossen, die das nicht verdient haben."