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Interview
11/24/2020

Teschl-Hofmeister: „Das Klassenkämpferische nervt mich“

Die neue Landesobfrau des NÖAAB über ihren Aufstieg, die Hacklerregelung und die Bildung.

von Martin Gebhart

Christiane Teschl- Hofmeister, ehemals ORF-Chefredakteurin, ist mittlerweile in der Politik fest verankert. Es ist eine steile Karriere in der Landespolitik. 2018 wurde sie von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) direkt vom ORF in die Landesregierung geholt.

Dann dauerte es mehrere Monate, bis Christiane Teschl-Hofmeister der ÖVP beitrat, und nun ist sie am Wochenende mit fast 99 Prozent der Delegiertenstimmen zur neuen Landesobfrau des NÖAAB gewählt worden – als erste Frau an der Spitze der ÖVP-Arbeitnehmervertretung.

Die Bildungslandesrätin sieht diesen politischen Turbo-Aufstieg eher gelassen. „Aus meiner Sicht hat sich ganz einfach das eine gut in das andere gefügt“, sagt sie im KURIER-Talk auf SchauTV. 2018 sei sie überraschend von der Landeshauptfrau gefragt worden. Und dann war ihr NÖAAB-Vorgänger, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka auf sie zugekommen.

Teschl-Hofmeister: „Sobotka hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen kann. Und ich habe mir gedacht, wenn einer wie er, der so viel Erfahrung hat, mit das zutraut, dann wird er seine guten Gründe dafür haben.“

Es seien ohnehin ihre Themen als Landesrätin wie Bildung, Pflege oder Jugend, die sie auch als NÖAAB-Obfrau forcieren will. Dazu noch die mobile Arbeit, die Digitalisierung oder die Familien.

„Grundsätzlich bin ich gegen die Schließung von Schulen. Aber am Schluss entscheidet die Gesundheitsbehörde“ 

Christiane Teschl-Hofmeister

Dass sie gleich zu ihrem Amtsantritt im NÖAAB von der SPÖ kritisiert worden ist. weil sie sich nicht gegen die Abschaffung der Hacklerregelung ausgesprochen hat, stört sie wenig. Teschl-Hofmeister: „Es sei der SPÖ ins Stammbuch geschrieben, dass nicht die Hacklerregelung, sondern nur die abschlagsfreie Hacklerregelung abgeschafft ist. Dagegen möchte ich auch gar nichts sagen, weil ich Verständnis für diese Maßnahme habe.“

Auch wenn sie jeden Einzelnen verstehe, den das jetzt persönlich trifft und der mit dem Geld gerechnet habe. Aber: Die Menschen würden jetzt im Durchschnitt 23 Jahre ihre Pension genießen können, „das muss man sich als Staat erst einmal leisten können“. Es gehe darum, dass auch „all jenen, die jetzt 20, 30 oder 40 Jahre alt sind, die Möglichkeit gegeben wird, zu einer gesicherten Pension zu kommen“. Das gehe nicht, wenn man alles so belässt, wie es war.

Sonntagsöffnung

Das Verhältnis der Arbeitnehmervertretung zur Wirtschaft sieht Teschl-Hofmeister ähnlich wie ihr Vorgänger Sobotka. Was bei den SPÖ-Gewerkschaftern immer wieder auf Kritik gestoßen ist. Teschl-Hofmeister: „Mir geht dieses klassenkämpferische Gerede ohnehin wahnsinnig auf die Nerven. Das ist etwas, von dem ich grundsätzlich weg möchte.“ Nach Corona müsse jeder ein Stück beitragen, damit die Krise gemeistert werden kann. Teschl-Hofmeister: „Das werden wir mit Klassenkampf nicht schaffen.“

Wenn es darum geht, dass der Handel nach dem Lockdown auch an Sonntagen aufsperren kann, bremst die allerdings. Teschl-Hofmeister: „Man wird darüber nachdenken und reden müssen. Aber grundsätzlich würde ich aus der Sicht derer, die diese Arbeit ausfüllen müssen, die die Wirtschaft verlangt, sagen, dass man sich das ganz genau anschauen muss.“

In die Kritik von SPÖ, FPÖ und Neos war die Landesrätin zuletzt wegen der Schulschließungen geraten. Da gebe sie unumwunden zu, dass es einzelne Themen gebe, die man besser machen könne.

Aber auf den zweiten Lockdown wären die Schulen weit besser vorbereitet gewesen als das im Frühjahr der Fall war. Sie selbst war ja gegen die Schließungen, akzeptiert allerdings, dass am Ende die Gesundheitsbehörde die letzte Entscheidung treffe. „Es geht darum, die Menschen möglichst gut von diesem Virus fernzuhalten.“

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