"Wir sind eine Partei": Hergovich vor Wiederwahl zu SP-Landeschef
Zusammenfassung
- Sven Hergovich steht beim SPÖ-Landesparteitag in Niederösterreich ohne Gegenkandidatur vor der Wiederwahl als Vorsitzender und betont Einigkeit nach internen Diskussionen.
- Zentrale Themen sind die Forderung nach kostenloser Kinderbetreuung, Rückerstattung von EVN-Übergewinnen und der Erhalt aller Notarztstandorte im Bundesland.
- Hergovich spricht sich für eine starke Polizei, geordnete Migration und die Einhaltung von Gesetzen aus; prominente SPÖ-Politiker wie Andreas Babler sind anwesend.
Beim 44. ordentlichen Landesparteitag der SPÖ Niederösterreich in Vösendorf (Bezirk Mödling) soll Sven Hergovich am Samstag erneut zum Vorsitzenden gekürt werden.
Anwesend sind 334 Delegierte. In seiner Rede ging der Landesrat auf diverse Forderungen der Roten ein. Nach internen Diskussionen und dem Rückzug der Kandidatur von Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig beschwor der 37-Jährige Einigkeit: "Die Sozialdemokratie lebt und mit uns ist wieder zu rechnen."
"Unser Notarzt bleibt"
Hergovich brachte einmal mehr diverse programmatische Punkte der SPÖ Niederösterreich aus den vergangenen Monaten aufs Tapet. Als Richtschnur diente der im vergangenen November vorgelegte "Plan für Niederösterreich". Zu den angesprochenen Forderungen zählen etwa kostenlose und ganztägige Kinderbetreuung und die Rückerstattung von EVN-Übergewinnen an die Bevölkerung.
Besonders kämpfen will Hergovich gegen die Reduktion von 32 auf 21 Notarztstandorte im Bundesland. "Unser Notarzt bleibt", appellierte der Landesrat. "Keine Gesundheitseinrichtung in Niederösterreich darf geschlossen werden, bevor es nicht gleichwertigen oder besseren Ersatz gibt", unterstrich der SPÖ-Landesparteichef in Hinblick auf die Umsetzung des "Gesundheitsplans 2040+". Ein Dringlichkeitsantrag zum Erhalt der Notarztstützpunkte soll beim Landesparteitag verabschiedet werden.
Auch Andreas Babler war anwesend.
"Sparen auf Kosten der Gesundheit - das darf es in Niederösterreich einfach nicht geben." Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) zeige hingegen "immer mit dem Finger nach Wien". Kritik gab es auch an der FPÖ, die sich als "Stimme des Volkes" und "Sicherheitspartei" sehe, aber mit einer Mischung aus "Unsinn, Steuergeldverschwendung und Gemeinheiten" auffalle.
Sicherheit und Migration als Themen
Hergovich widmete sich auch dem Thema Sicherheit. Es brauche ein Ja zu einer "starken Polizei", einem starken Rechtsstaat und zu "harten Konsequenzen" für Kriminalität. "Wer hier lebt, muss unsere Gesetze respektieren." Nicht verhandelbar seien Werte wie etwa die Gleichberechtigung. Migration wiederum müsse geordnet, gesteuert und begrenzt sein.
"Wir gehören zusammen, wir sind eine Partei"
Im April hatte sich kurzzeitig Spannung für das Zusammentreffen der Genossen abgezeichnet. Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig kündigte ihre Kandidatur für den Landesparteivorsitz gegen Amtsinhaber Hergovich an. Der für viele überraschende Schritt wurde am 15. April nach einer Sitzung des erweiterten Landesparteipräsidiums in St. Pölten wieder abgeblasen, bei einem folgenden Pressetermin wurde Einigkeit betont. Die Gesundheitsstaatssekretärin kandidiert nun als stellvertretende Landesparteivorsitzende, was sie auch aktuell schon ist. In seiner Rede ging Hergovich subtil auf die Phase im April ein. Es gäbe "Kräfte, die Interesse daran haben, uns zu spalten". Politische Gegner seien jedoch nicht in den eigenen Reihen zu suchen: "Wir gehören zusammen, wir sind eine Partei."
Hergovich war am 24. Juni 2023 bei einem außerordentlichen Landesparteitag in St. Pölten mit 96,2 Prozent Zustimmung offiziell zum Nachfolger des nunmehrigen Landtagsabgeordneten Franz Schnabl gekürt worden. Zur Wochenmitte betrieb der Landesrat am Rande einer Pressekonferenz durchaus Erwartungsmanagement: "Ich rechne mit einem Ergebnis über 70 Prozent, was mich persönlich sehr freuen würde, wenn wir das schaffen."
Babler gab sich ein Stelldichein
Ein Stelldichein gab sich am Samstag in Vösendorf Vizekanzler und SPÖ-Bundesparteichef Andreas Babler, mit dem Hergovich zum Auftakt einträchtig und unter Applaus in den in Rot gehaltenen Veranstaltungssaal im Eventhotel "Pyramide" in Vösendorf eingezogen war. Anwesend war auch Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann. Finanzminister Markus Marterbauer soll später für eine bundespolitische Talkrunde hinzustoßen.
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