Chronik | Niederösterreich
13.04.2012

Stützenhofen: "Der Pfarrer ist auch nur ein Mann"

Die Scheinmoral von Pfarrer Swierzek stört die Stützenhofener, nicht, dass er ein Verhältnis gehabt haben soll.

Na, heute keine Interviews. Ich sag" nix mehr." Am Tag nach der "Beichte" einer mög­lichen Geliebten von Pfarrer Gerhard Swierzek ist es recht ruhig in der kleinen Weinviertler Gemeinde Stützenhofen im Bezirk Mistelbach. Durchs Dorf spaziert heute niemand. Die Tür will heute kaum jemand öffnen.

Dass die "Scheinmoral des Pfarrers", der gegen einen homosexuellen Pfarrgemeinderat war, die Stützenhofener hinter den verschlossenen Türen aber sehr wohl bewegt, erzählen die, die die Tür trotzdem aufgemacht haben.

Kopfschütteln

"Zuerst redet er groß", sagt einer, der seinen Namen jetzt nicht mehr in der Zeitung lesen will. "Aber selber hat er eh an Dreck am Stecken, der Herr Pfarrer." "Der Herr Pfarrer muss jetzt vor seiner eigenen Haustüre kehren", sagt eine andere.

In Stützenhofen hat die "Beichte" der angeblichen ehemaligen Geliebten von Pfarrer Gerhard Swierzek längst die Runde gemacht. "Ich hab’s in der Zeitung gesehen und bin gleich damit zu meiner Freundin rauf", sagt eine Stützenhofenerin, die zwar auch schon öfter in den Medien ihre Meinung kundgetan hat. Jetzt ist aber auch ihr die Aufregung ein bisschen zu viel geworden. Ihren Namen will sie nicht mehr in der Zeitung lesen, ihr Foto nicht sehen. "Der Herr Pfarrer ist ja auch nur ein Mann. Aber wenn er vorher den Mund aufreißt, muss er jetzt mit den Konsequenzen leben. Der hat sich jetzt sein Grab selbst geschaufelt."

 

Scheinheilig?

Dass Pfarrer Swierzek vor seiner Zeit in der kleinen Weinviertler Gemeinde ein Verhältnis mit einer Sängerin und Schauspielerin gehabt haben soll, ist in Stützen­hofen gar nicht das Problem, sondern "dass er erst so konservativ tut und dann ein Verhältnis mit einer Frau hatte". Lächerlich sei das. Mit einem Pfarrer, der heiraten und Kinder haben darf, hätte man in dem Dorf kein Problem. Nur mit einem "scheinheiligen" Pfarrer. "Was haben wir in Stützenhofen schon? Die Kirche und die Feuerwehr. Und das war’s." Und jetzt vielleicht bald nicht einmal mehr einen richtigen Pfarrer.

Im nahen Ottenthal, wo Swierzek wohnt, will man von der Aufregung um Stützen­hofen nichts wissen. "Die sollen sich das selbst aus­machen", sagt ein Mann. "Ich mag den Pfarrer. Ich gehe jeden Sonntag in die Kirche. Auch nächsten. Aus, Amen." Tür zu.

Während man in Stützenhofen und Ottenthal eher unentspannt auf die Posse aus der Heimat reagiert, schreibt man der Geschichte im Internet schon den Charakter einer Daily Soap zu. Dort grassieren auch schon erste Titel für eine mögliche Verfilmung. Darunter etwa "Illumiparty", "Die nackten Patrone", "Der Pater" oder "Die Pfarrersbraut in Stüt­zenhosen".

 

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